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29.11.2008
 

Wrack fürs Aquarium

Russen empört über Spielzeug-"Kursk"

Desaster als Deko: Ein russischer Spielzeugfabrikant bietet für umgerechnet 8,50 Euro eine Miniversion des havarierten Atom-U-Boots "Kursk" an - als Zierrat für das Aquarium daheim. Viele Russen halten das für den Abgrund des schlechten Geschmacks.

Moskau - Acht Jahre nach der Havarie des russischen Atom-U-Boots "Kursk", bei der 118 Menschen starben, hat die Verarbeitung dieses Traumas offenbar eine Stufe erreicht, die bei manchen Russen für Empörung sorgt. Ein russischer Hersteller bietet jetzt ein Modell in Spielzeuggröße als Dekoration für Aquarien an. Die stolzen Besitzer können es zu den Fischen auf den Grund ihres Bassins sinken lassen.

Archivfoto des russischen Atom-U-Boots "Kursk", das am 12. August 2000 in der Barentssee sank
Getty Images

Archivfoto des russischen Atom-U-Boots "Kursk", das am 12. August 2000 in der Barentssee sank

Die Idee stoße bei den Kunden im Moskauer Geschäft "Arche Noah" auf heftigen Protest, wie eine Verkäuferin den Reportern der Zeitung "Komsomolskaja Prawda" berichtete. Auch das Blatt kritisierte das für umgerechnet 8,50 Euro angebotene Modell mit einem drastischen Vergleich. "Kommt als Nächstes ein 'Feuerzeug Tschernobyl'?", empörte sich die Zeitung unter Verweis auf die Katastrophe im Atomkraftwerk Tschernobyl im Jahr 1986.

Die "Kursk" war im August 2000 bei einem Manöver nach zwei Explosionen in der Barentssee untergegangen. Offiziellen Angaben zufolge waren Torpedo-Detonationen an Bord die Ursache für die Havarie. Mindestens 23 Crew-Mitglieder hatten das Desaster zunächst in einer Luftblase überlebt, doch ein Feuer raubte ihnen auch noch den letzten Sauerstoff. Norwegische Taucher hatten noch versucht, zum Wrack vorzudringen und die Besatzung zu retten. Aber da war es schon zu spät, alle 108 Mann an Bord waren ums Leben gekommen.

Das 18.000-Tonnen-Wrack wurde im Oktober 2001 in 108 Metern Tiefe mit einer speziellen Seilsäge in Sektionen zerteilt und dann von einem niederländischen Unternehmen geborgen.

oka/dpa

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