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02.12.2008
 

Angegriffenes Kreuzfahrtschiff

"Kein Passagier ist sicher"

Somalische Piraten haben den Luxusliner "Nautica" angegriffen - der Kapitän konnte den Seeräubern entwischen. Ein deutscher Experte ist sich sicher, dass die Reisenden nur knapp einer Katastrophe entgangen sind.

Nairobi/Hamburg - Die Beteuerungen der Reederei "Oceana Cruises", Eigner der "Nautica", klingen beruhigend: "Als die Piraten gesichtet wurden, gab der Kapitän den Passagieren die Anweisungen im Innenbereich des Schiffes zu bleiben und auf weitere Instruktionen zu warten. Schon nach fünf Minuten war alles vorbei", so Tim Rubacky, Sprecher des Unternehmens.

Kreuzschiff Nautica: Extrem schnell
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AFP

Kreuzschiff Nautica: Extrem schnell

Für ganz so harmlos hält Professor Joachim Krause, Direktor des Instituts für Politische Wissenschaft an der Universität Kiel, den Zwischenfall nicht: "Das ganze hätte zu einer Katastrophe führen können", ist sich der Experte sicher. "Diese Piraten sind schließlich nichts anderes als Geiselgangster - und in diesem Fall hätten sie auf einen Schlag 1000 Menschen in ihrer Hand gehabt. Kein Kreuzschiffpassagier ist dort zur Zeit sicher."

Sich vor den Piraten zu schützen, sei schwierig. "Wenn Schiffe möglichst weit auf dem offenen Meer sind, wird die Chance geringer, dass sie von den Piraten gefunden werden", so Krause zu SPIEGEL ONLINE. Nachteil dieses Taktik: Sollte das Schiff doch von Piraten entdeckt werden, dürfte kaum eine Fregatte in der Nähe sein, die rechtzeitig zu Hilfe eilen könnte."

Krause glaubt, das für Passagierdampfer die Flucht nach vorn die beste Möglichkeit ist, Piraten zu entkommen: Sie sollten möglichst schnell fahren, das verringere die Möglichkeit, von Piraten erreicht zu werden. "Genau das hat offensichtlich der Kapitän der "Nautica getan - und damit Erfolg gehabt."

Die relativ hohen Geschwindigkeiten der Passagierdampfer haben sie bisher vor einer Kaperung bewahrt. "Kreuzfahrtschiffe schützen sich vor Piraten ebenso wie Handelsschiffe, manche mit einer Schallkanone", sagte Max Johns, Sprecher vom Verband deutscher Reeder (VDR) SPIEGEL ONLINE. "Vor allem aber sind Kreuzfahrtschiffe extrem schnell und waren deshalb bisher weniger gefährdet."

Doch auch Johns erkennt die große Gefahr, falls ein Kreuzfahrtschiff von Piraten gekapert werden sollte. "Das Worst-Case-Szenario einer Entführung ist schwer vorstellbar - nach internationalem Seerecht ist jedes Militärschiff zu Hilfe verpflichtet", so Johns. "Allerdings wäre das militärtaktisch ein schwieriger Fall: Wenn die Piraten bereits an Bord eines Schiffes mit hunderten Passagieren sind, wäre es unglaublich schwer, es ohne Blutbad zu befreien."

Über solche Schreckensszenarien machen sich Passagiere von Kreuzfahrtschiffen am Golf von Aden in der Regel wenig Gedanken. "Die meisten Passagiere an Bord waren ganz entspannt, nach dem Motto 'Wird schon nichts passieren'", erzählt ein Passagier des Hapag-Lloyd-Kreuzfahrtschiffs MS Europa, der Anfang November von der Türkei durch den Golf von Aden nach Dubai gereist ist.

"Offizielle Ansagen zur Sicherheitslage gab es nicht - nur die Information, dass wir wegen Sicherheitsbedenken nicht den Hafen von Aden anlaufen würden."

Das Spannendste, berichtet der Passagier SPIEGEL ONLINE, seien für ihn die vielen kleinen Fischerboote gewesen, die immer wieder unvermittelt aufgetaucht sein. "Da sitzt man entspannt an Deck beim Kaffee - und plötzlich fragt man sich, ob diese Männer die Fischernetze nur zur Tarnung auswerfen." Militärschiffe habe er nicht gesehen, nur seien einmal französische Militärflieger über das Schiff hinweg gedonnert.

Professor Joachim Krause kann sich einen solchen Urlaub nicht vorstellen: "Ich bin generell nicht der Typ für Kreuzfahrten. Normalerweise wären sie mir zu langweilig - und jetzt zu gefährlich."

bog/kfi

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