Paris - Inmitten des Weihnachtsgeschäfts hat eine bislang unbekannte Gruppe fünf Sprengsätze im Pariser Kaufhaus Le Printemps deponiert, um einen Truppenrückzug aus Afghanistan zu erzwingen.
Für mehrere Stunden riegelten Polizeibeamte das Kaufhaus und zahlreiche benachbarte Geschäfte am Boulevard Haussmann ab - einer der Haupteinkaufsstraßen der Hauptstadt. In den Warenhäusern drängten sich am Tag zuvor noch die Menschen für die Weihnachtseinkäufe. Le Printemps öffnete am Nachmittag wieder, nachdem alle drei Gebäude durchsucht wurden, wie Warenhausdirektor Pierre Pelarey sagte.
Innenministerin Michèle Alliot-Marie sagte am Dienstag, an den Sprengsätzen hätten sich keine Zünder befunden. Eine bislang noch nie in Erscheinung getretene Gruppe namens "Afghanische Revolutionsfront" gab in einem Bekennerbrief die genaue Lage einiger Sprengsätze an, die in verschiedenen Toilettenräumen deponiert waren. Die Polizei gehe von einer Warnung aus und nicht von einem Anschlagsversuch, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.
Präsident Nicolas Sarkozy mahnte derweil zu Gelassenheit. Wachsamkeit sei der einzig richtige Weg. "Man verhandelt nicht mit Terroristen, man bekämpft sie", sagte er in Straßburg.
Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte in Berlin, die deutschen Behörden hätten sofort Kontakt mit den französischen Sicherheitskräften aufgenommen. Auch der Bundesregierung sei die Gruppe unbekannt.
Die französischen Sicherheitskräfte rätselten über Hintergründe und Urheber der Drohung.
Zwar hatte es erst kürzlich eine Anschlagdrohung einer anderen arabischen Gruppe wegen der Stationierung französischer Soldaten in Afghanistan gegeben. Alliot-Marie sagte jedoch, die Sprengsätze selbst seien relativ alt. Die Sprache in dem Bekennerschreiben deute nicht auf Islamisten hin, sagte ihr Sprecher. Noch lasse sich nichts ausschließen. Denkbar sei auch, dass Öffentlichkeit und Behörden in die Irre geführt werden sollten.
Im Bekennerschreiben hieß es ausdrücklich, es handele sich nicht um einen Scherz. Wenn die 2600 französischen Soldaten in Afghanistan nicht bis Februar abgezogen würden, werde es Anschläge auf die "großen kapitalistischen Kaufhäuser" geben.
Das Schreiben sei am Montag in Paris zur Post gegeben worden und war an die französische Nachrichtenagentur AFP adressiert.
Für die französischen Warenhäuser kam die Anschlagsdrohung zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt. Angesichts der Finanzkrise fürchteten die Händler ohnehin, dass das Weihnachtsgeschäft schlecht ausfallen könnte.
Auf Touristen vor der Absperrung machte die Drohung keinen großen Eindruck. Als eine Besucherin aus Italien von einem Wachmann am Betreten des Printemps gehindert wurde, sagte sie: "Es gibt so viele Geschäfte, dann gehe ich eben zur Galerie Lafayette."
pad/Reuters
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