Perth - Nervosität am Bondi Beach in Sydney, einem der berühmtesten Strände der Welt: Zweimal binnen drei Tagen war dort zuletzt Hai-Alarm ausgelöst worden, alle Badenden mussten sofort das Wasser verlassen - doch die vermeintlichen Hai-Sichtungen stellten sich als Stippvisiten von Delfinen oder Stachelrochen heraus.
Die Atmosphäre ist angespannt seit zwei Zwischenfällen am vergangenen Samstag.
Zunächst wurde der Familienvater Brian Guest, 51, an der Südwestküste nahe Perth Opfer einer Hai-Attacke. Wie der britische "Guardian" berichtet, schnorchelten Guest und sein Sohn Daniel, 24, circa 30 Meter vom Strand entfernt auf der Suche nach Krabben.
Weißer Hai stieß Kajak-Fahrer aus Boot
Augenzeugen berichteten, die Rückflosse des Hais sei sichtbar gewesen - dann habe man ein lautes Geräusch gehört, als falle ein großer Körper aufs Wasser. "Dann sah man, wie sich der Hai mit seinem Opfer im Wasser drehte - und dann plötzlich nichts mehr."
Daniel Guest, der in sechs Meter Entfernung schwamm, hörte die Schreie seines Vaters, die Attacke selbst sah er nicht. Das Wasser in Standnähe sei blutrot gefärbt, später wurde Brian Guests zerrissener Neoprenanzug angeschwemmt.
Eine Hubschrauberpatrouille entdeckte kurz darauf einen rund fünf Meter großen Weißen Hai in dem Gebiet.
Nur wenige Stunden später war in der Nähe Sydneys an der australischen Südostküste ein Kajak-Fahrer von einem großen Weißen Hai aus seinem Boot gestoßen worden. Der Mann konnte sich wieder aufs Kajak retten - nachdem der Hai das Kajak noch zehn Minuten lang umkreiste, schwamm er davon.An einem Strand in Queensland wurden laut "Guardian" mehrere Badende aus dem Wasser geholt, nachdem im hüfthohen Wasser Haie gesichtet worden waren.
"Sollte ich durch einen Hai sterben, dann ist das eben so"
Jedes Jahr kommt es in Australien zu ungefähr 15 Attacken von Haien auf Menschen, zwei Todesopfer gab es dieses Jahr. Das Risiko für Schwimmer und Taucher, vom Blitz erschlagen zu werden, sei allerdings größer, als durch den Angriff eines Weißen Hais zu sterben, heißt es.
Ob die sterblichen Überreste Brian Guests gefunden werden oder es überhaupt möglich ist, das Tier, das ihn angriff, zu identifizieren, scheint zweifelhaft: "Wie könnten hier bis in alle Ewigkeit Haie erlegen und wüssten doch nie, ob wir den richtigen erwischt haben", sagt Senior Sergeant Greg Trew von der Wasserpolizei in Fremantle.
Die Familie von Brian Guest hat mittlerweile ausdrücklich dafür plädiert, keine Jagd auf den Hai zu veranstalten, dessen Attacke der 51-Jährige wahrscheinlich zum Opfer fiel.
Sein Vater habe das Meer und den Lebensraum der Tiere "geliebt und respektiert", sagte Daniel Guest.
In einem Web-Forum schrieb der begeisterte Tauchsportler Brian Guest bereits 2004: "Ich habe eine Abmachung mit meiner Frau: Wenn ich durch einen Hai-Angriff oder einen Unfall im Meer sterben sollte, dann ist das eben so - wenigstens sterbe ich dann, während ich etwas tue, was ich unbedingt tun möchte. Wir Menschen haben kein größeres Anrecht auf den Planeten Erde als jede andere Kreatur, die hier lebt."
pad
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