Rio de Janeiro - Karamba, der Samba! Noch ist der offizielle Startschuss nicht gefallen, trotzdem kommt der Straßenkarneval in Rio langsam in Fahrt: Mehr als 30.000 Menschen, Einwohner wie Touristen, feierten mit der Banda de Ipanema schon mal ins Karnevalswochenende hinein.
"Der Ursprung des Karnevals liegt auf der Straße", sagt der 48-jährige Anwalt Paulo Montenegro, der im "Bloco" mit dem Motto "Hit On Me, I'm Willing" dabei ist. Während die großen Sambaschulen die traditionelle Tanzmusik pflegen, wird im weniger straff organisierten "Bloco" auch mal neue Musik zusammengemischt. Die ersten Partys haben schon vor drei Wochen begonnen, und am Freitag ging es los mit dem Straßenkarneval.
Neben der zweitägigen Parade der Samba-Schulen gibt es in Rio mehr als 200 weniger offizielle Straßenumzüge, Bacchanalien mit ihrem besonderen Rausch aus Musik, Tanz, Erotik und Alkohol. Die Karten für die Samba-Schul-Parade kosten um die 800 Euro - dort trifft sich die Elite von Rio mit den reichen Touristen aus den USA und Europa. Die Blocos aber sind kostenlos für alle, die kommen und mittanzen wollen.
"Das ist der Grund, warum Blocos so wichtig sind", erklärt Montenegro, "sie sind frei, demokratisch und erhalten die Traditionen des Karnevals lebendig." Ihre Tradition reicht etwa hundert Jahre zurück. "Das ist eine großartige kulturelle Manifestation", versichert der in einem gold-grünen Federkleid gewandete Tänzer Juju Maravilha. "Man sieht Kinder, alte Frauen, Männer, Mädchen, Schwule und Heterosexuelle - das ist eine schöne Demokratie auf den Straßen."
Der 35-jährige Ingenieur Joao Jadiole zieht ohne Hemd, aber dafür mit einer Dose Bier in jeder Hand hinter der Banda de Ipanema her, begeistert von ihrer Musik: "Die Banda ist Frieden, Liebe, Leben, Lebendigkeit - alles was wundervoll ist in dieser Stadt." Die spontane Ausgelassenheit hat wenig Methode. Aber ein bisschen "Konzentration" muss schon sein. So wird der Beginn des Blocos genannt, als Verabredung, sich zu einer bestimmten Zeit auf einer bestimmten Plaza zu treffen. Bis es dann endlich losgeht, dauert es noch einmal eine Stunde - schließlich sind wir hier in Brasilien, da kommen nur die Bierverkäufer und die Touristen pünktlich.
Die Banda de Ipanema, gegründet 1965 im Schatten der Militärdiktatur, ist stolz auf ihre Tradition der politischen Satire. So hat sich denn der 62-jährige Daniel Sbruzzi als Cousine von Barack Obama verkleidet. "Obama wird ein Revolutionär, der keine negativen Seiten hat, nur positive", sagt Sbruzzi im blauen Hula-Hemd und rückt dabei seine lange, blonde Perücke zurecht. "Er ist ein Idol für die Welt, und ich wollte zum Ausdruck bringen, dass er uns das Gefühl gibt, dass wir alle zu seiner Familie gehören."
Ein paar Reihen weiter tanzt Irane Carneiro, die sich scheut, ihr Alter anzugeben, die aber auch schon die 60 überschritten haben muss. Sie trägt einen roten Minirock, ein goldfarbenes Top, das mit mindestens zwei Kilo Glasperlen behängt ist, einen Feder-Kopfschmuck und zwei Zentimeter Make-up. Und sie lebt ihre eigene Karnevalsphilosophie: "Wenn ein Mensch gern glücklich ist, das Leben lebt, die Probleme hinter sich lässt und mit Tausenden Freunden auf die Straße geht, wo einen Augenblick lang alles wunderbar ist, dann versteht man das wahre Gesicht des Karnevals von Rio de Janeiro."
Bradley Brooks, AP
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