Köln - Dauerregen und steigendes Grundwasser erschweren weiterhin die Bergungsarbeiten an der Einsturzstelle des Kölner Stadtarchivs. Die Suche nach den beiden Vermissten musste immer wieder verschoben werden und sollte nun im Laufe des Tages beginnen.
Am Vormittag hatten sich die Bagger endlich zu der Hausruine vorgearbeitet, die vor Beginn der Suche noch abgebrochen werden musste. "Der Regen lässt den Grundwasserspiegel ansteigen, das muss abgepumpt werden", sagte ein Feuerwehrsprecher.
Der Boden war mittlerweile völlig aufgeweicht und glitschig. Die Stimmung an der Unglücksstelle sei gedrückt, hieß es.
Am gegenüberliegenden Gymnasium registrierte die Feuerwehr Gebäudebewegungen. Das Gymnasium sei aber nicht akut einsturzgefährdet, teilte die Stadt mit.
Das Archivgebäude war am Dienstag eingestürzt und in einem 28 Meter tiefen Schacht der U-Bahn- Baustelle versunken. Dabei hatte es zwei Nachbarhäuser mitgerissen.
Vermisst werden ein 23-jähriger Designstudent und ein 17-jähriger Bäckerei-Azubi. Sie hielten sich vermutlich in den Dachgeschosswohnungen eines der Häuser auf. Die Chance, dass die beiden jungen Männer lebend geborgen werden, geht nach Angaben der Feuerwehr gegen Null. Bereits kurz nach dem Unglück hatte die Polizei Signale des Handys von einem der beiden Vermissten geortet.
Allerdings sei die Ortung nur bis auf rund 200 Meter genau.
Aus den stark beschädigten Nachbarhäusern an der Einsturzstelle wurden in der Nacht zum Freitag Dokumente und Wertsachen geborgen.
"Die Hausbewohner standen dabei im Funkkontakt mit den Feuerwehrleuten, so dass ganz gezielt gesucht werden konnte", sagte eine Sprecherin der Stadt Köln. In einer zerstörten Spielhalle wurde Bargeld gefunden und dem Besitzer übergeben.
Stadtarchiv "jetzt für fünf Jahre geschlossen"
Der Kölner Kulturdezernent Georg Quander hat den Einsturz des Kölner Stadtarchivs als den "wahrscheinlich größten Schaden an Archivgut seit dem Zweiten Weltkrieg" bezeichnet.
Im Gegensatz zu Frankfurt am Main habe Köln seine Archivschätze trotz stärkster Bombardierung bewahren können. "Umso tragischer ist es, dass wir in Friedenszeiten eine solche Situation erleben müssen", sagte Quander am Freitag bei einer Pressekonferenz in Köln.
Die Direktorin des Archivs, Bettina Schmidt-Czaia, sprach von einer "absoluten Katastrophe". "Ich muss Ihnen sagen, dass wir jetzt für Jahre geschlossen sind", kündigte sie an. Das sage sie derzeit auch jungen Doktoranden, die sich bei ihr erkundigten, wann sie die Arbeit an ihren Projekten fortsetzen könnten. Die Restaurierung der Dokumente, die man noch retten könne, werde 20 bis 30 Jahre dauern.
"Wir haben furchtbare Tage hinter uns", sagte sie.
Wenigstens sei es gelungen, aus dem nicht eingestürzten Anbau des Archivs vieles zu bergen, darunter 40.000 Urkunden, die wertvolle Film- und Fotosammlung und einen Teil der Computer mit den Daten der Archivsammlung.
Ein Teil des Heinrich-Böll-Nachlasses sei zum Glück für Editionsarbeiten ausgelagert gewesen, nicht aber die umfangreiche Kollektion, die dem Archiv erst vor kurzem von der Familie des Nobelpreisträgers überlassen worden war. "Das, was neu abgegeben wurde, hat sich komplett im Archiv befunden, und auch an ungünstiger Stelle", sagte Schmidt-Czaia.
pad/dpa
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