ThemaKölner StadtarchivRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
28.03.2009
 

Einsturz des Kölner Stadtarchivs

Streit über Grundwasser-Probleme bereits im September

Neue Entwicklung im Fall des eingestürzten Kölner Stadtarchivs: Nach SPIEGEL-Informationen gab es schon im September einen Streit zwischen der Verkehrsbehörde und den Baufirmen - über genau die Probleme, die Anfang März zu dem Unglück führten.

Köln - Die Vorwürfe gegen die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) im Fall des eingestürzten Stadtarchivs erhärten sich: Nach SPIEGEL-Informationen weisen interne Dokumente darauf hin, dass es bereits im September erhebliche Auseinandersetzungen zwischen der Bauherrin KVB und den Baufirmen über Probleme mit dem Grundwasser gab.

Aufräumarbeiten: Probleme bereits im September bekannt
DPA

Aufräumarbeiten: Probleme bereits im September bekannt

Bei dem Zusammenbruch des historischen Stadtarchivs und zweier Nebengebäude waren am 3. März zwei junge Männer ums Leben gekommen. Die Kölner Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Unglücks weiterhin gegen unbekannt. Die Ermittlungen erstrecken sich auf die Vorwürfe der fahrlässigen Tötung und Körperverletzung sowie der Baugefährdung.

Vor dem Hintergrund, dass am 8. September 2008 ein "erhöhter Wassereinbruch" festgestellt worden war, beklagten sich die Firmen zehn Tage später bei der KVB, "dass Sie trotz unserer von uns sehr deutlich dargestellten Gefahr eines hydraulischen Aufbruchs der Baugrubensohle ... die notwendigen Kernbohrungen untersagen". Im Hinblick auf die Gefahr für die Baugrube "durch lokale hydraulische Grundbrüche" sei "diese Verzögerung nicht zu verantworten".

In einer internen Dokumentation heißt es: "Die Wassermenge ist so groß, dass die Pumpe das Wasser nicht vollständig fassen kann; Wasser läuft daher bereits in die geöffnete Tunnelröhre Ost. Im Hinblick auf die ungeklärte hydrogeologische Situation hält die Arbeitsgemeinschaft es für nicht vertretbar, die Tunnelröhre West zu öffnen." Erst nach dem Bohren zusätzlicher Brunnen ließ der Wasserdruck nach. Trotzdem drang weiterhin Wasser in die Grube.

Überlegungen in der CDU, Schramma auszutauschen

Weiter unter Druck gerät unterdessen Fritz Schramma (CDU). Der Oberbürgermeister hatte beklagt, dass ihm nach dem Einsturz Protokolle von Baustellenbesprechungen vorenthalten wurden, in denen der mutmaßliche Grundbruch im September verzeichnet war. Gegen seinen Baudezernenten, der ihm die Protokolle verschwiegen hatte, leitete Schramma daher ein Disziplinarverfahren ein.

Dass es solche Protokolle im Rathaus gibt, hätte Schramma aber selbst längst wissen können. Auch ein Vermessungstechniker hatte an den Baubesprechungen teilgenommen und die Protokolle erhalten. Grundlage dafür war ein Millionenvertrag, mit dem die KVB diese Vermessungsleistung von der Stadt eingekauft hatte. Diesen Vertrag hatte Schramma am 16. Dezember 2003 persönlich unterschrieben.

Mittlerweile sondiert die CDU, ob Schramma bei der Oberbürgermeisterwahl im Spätsommer noch einmal antreten soll. Konrad Adenauer, Enkel des früheren Bundeskanzlers, meldete gegenüber dem SPIEGEL Interesse an, sollte Schramma nicht noch einmal kandidieren: "Wenn die Parteiführung auf mich zukäme, dann würde ich mir das sehr gründlich überlegen."

Historisches Archiv der Stadt Köln

Geschichte

Die Anfänge des Archivs reichen in das frühe 12. Jahrhundert zurück. Die für die Stadt wichtigen Schriftstücke hatten 1322 noch Platz in einer Kiste im Hause eines Patriziers , wuchsen aber zeitgleich mit Kölns Entwicklung zur freien Reichsstadt rasch an. Als der Rat 1406 den Bau des Rathausturms beschloss, gehörte zum Bauprogramm auch ein Archivgewölbe. Damals wurde das erste, noch heute erhaltene Archivinventar angelegt.
Den Zweiten Weltkrieg hatten die ausgelagerten Archivbestände ohne Verluste überstanden. Dagegen sind die damals noch in den städtischen Dienstgebäuden lagernden Akten aus der Zeit der Weimarer Republik seit etwa 1927 und der NS-Zeit während des Krieges weitgehend vernichtet worden.
Das Haus beherbergt zahlreiche Schätze der Kultur-, Kirchen- und Verwaltungsgeschichte. Zum Bestand gehören Herrscherurkunden und zahlreiche kostbare Handschriften . Köln ist nach Angaben von Historikern auch eines der wichtigsten Archive der deutschen Hanse , weil 1593/94 auf Beschluss des Hansetages die Urkunden und Akten des seinerzeit größten Kontors , das in Antwerpen lag, in die sicheren Mauern Kölns gebracht wurden.
dpa

Bestände

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Panorama
alles zum Thema Kölner Stadtarchiv

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP