Köln - Die Vorwürfe gegen die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) im Fall des eingestürzten Stadtarchivs erhärten sich: Nach SPIEGEL-Informationen weisen interne Dokumente darauf hin, dass es bereits im September erhebliche Auseinandersetzungen zwischen der Bauherrin KVB und den Baufirmen über Probleme mit dem Grundwasser gab.
Aufräumarbeiten: Probleme bereits im September bekannt
Bei dem Zusammenbruch des historischen Stadtarchivs und zweier Nebengebäude waren am 3. März zwei junge Männer ums Leben gekommen. Die Kölner Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Unglücks weiterhin gegen unbekannt. Die Ermittlungen erstrecken sich auf die Vorwürfe der fahrlässigen Tötung und Körperverletzung sowie der Baugefährdung.
Vor dem Hintergrund, dass am 8. September 2008 ein "erhöhter Wassereinbruch" festgestellt worden war, beklagten sich die Firmen zehn Tage später bei der KVB, "dass Sie trotz unserer von uns sehr deutlich dargestellten Gefahr eines hydraulischen Aufbruchs der Baugrubensohle ... die notwendigen Kernbohrungen untersagen". Im Hinblick auf die Gefahr für die Baugrube "durch lokale hydraulische Grundbrüche" sei "diese Verzögerung nicht zu verantworten".
In einer internen Dokumentation heißt es: "Die Wassermenge ist so groß, dass die Pumpe das Wasser nicht vollständig fassen kann; Wasser läuft daher bereits in die geöffnete Tunnelröhre Ost. Im Hinblick auf die ungeklärte hydrogeologische Situation hält die Arbeitsgemeinschaft es für nicht vertretbar, die Tunnelröhre West zu öffnen." Erst nach dem Bohren zusätzlicher Brunnen ließ der Wasserdruck nach. Trotzdem drang weiterhin Wasser in die Grube.
Überlegungen in der CDU, Schramma auszutauschen
Weiter unter Druck gerät unterdessen Fritz Schramma (CDU). Der Oberbürgermeister hatte beklagt, dass ihm nach dem Einsturz Protokolle von Baustellenbesprechungen vorenthalten wurden, in denen der mutmaßliche Grundbruch im September verzeichnet war. Gegen seinen Baudezernenten, der ihm die Protokolle verschwiegen hatte, leitete Schramma daher ein Disziplinarverfahren ein.
Dass es solche Protokolle im Rathaus gibt, hätte Schramma aber selbst längst wissen können. Auch ein Vermessungstechniker hatte an den Baubesprechungen teilgenommen und die Protokolle erhalten. Grundlage dafür war ein Millionenvertrag, mit dem die KVB diese Vermessungsleistung von der Stadt eingekauft hatte. Diesen Vertrag hatte Schramma am 16. Dezember 2003 persönlich unterschrieben.
Mittlerweile sondiert die CDU, ob Schramma bei der Oberbürgermeisterwahl im Spätsommer noch einmal antreten soll. Konrad Adenauer, Enkel des früheren Bundeskanzlers, meldete gegenüber dem SPIEGEL Interesse an, sollte Schramma nicht noch einmal kandidieren: "Wenn die Parteiführung auf mich zukäme, dann würde ich mir das sehr gründlich überlegen."
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