Hamburg - Nach dem Tod des Lübecker Schülers in einem türkischen All-inclusive-Hotel soll nun geklärt werden, ob er hätte gerettet werden können. Laut Erkenntnissen türkischer Ermittler lag Rafael N. fast 20 Stunden ohne Hilfe in seinem Bett.
Der Rechtsanwalt der Eltern, die Anzeige gegen unbekannt erstattet haben, hält es daher für entscheidend, den genauen Todeszeitpunkt zu ermitteln. Sollte Rafael N. erst kurz vor seinem Auffinden gestorben sein, mutmaßt Anwalt Frank-Eckhard Brand, hätte man ihm vielleicht noch helfen können. Der Lehrer, der die Gruppe begleitete, ist laut Ermittlern im Besitz eines Generalschlüssels für die Hotelzimmer der Schüler gewesen.
"Es wird zu klären sein, ob Dritte an dem Geschehen Mitverantwortung tragen", sagt Brand. Die türkische Justiz konnte den Pädagogen bisher nicht verhören, weil er das Land bereits am Tag nach der Tragödie verlassen hatte. Aussagen gibt es nur von vier der sechs Schüler, die mit Rafael N. den gepanschten Wodka konsumiert hatten - allerdings können sie sich an kaum etwas erinnern.
Ermittelt werden soll auch, wer den Wodka hergestellt und verkauft hat. An der türkischen Riviera floriert schon länger der Handel mit geschmuggelten oder gepanschten Spirituosen. Getränkeproduzenten sehen das Problem vor allem in den extrem hohen Alkoholsteuern. "Oft nehmen Hotels einfach den billigsten Alkohol, ohne Rücksicht auf die Bezugsquellen", sagt Galip Yorgancioglu, Chef des größten türkischen Raki-Herstellers.
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