Berlin - Seit Tagen harren sie in Zelten und provisorischen Unterkünften aus, viele Menschen, die bei dem verheerenden Erdbeben in Mittelitalien ihr Dach über dem Kopf verloren haben, schlafen in Autos - aus Angst vor Nachbeben.
Freiwillige Helfer des Zivilschutzes verteilen warme Decken und heiße Getränke. Nachts fallen die Temperaturen stark, in den Zelten ist es bei vier bis sechs Grad empfindlich kalt. Die Situation ist durch Angst gekennzeichnet: Die Menschen wissen nicht, ob sie je in ihre Häuser zurückkehren können - sofern diese noch stehen.
Immer wieder erschüttern zudem heftige Nachbeben die Region, so dass viele es vorziehen, die Nacht im Auto zu verbringen. So können sie in der Nähe der beschädigten Häuser bleiben. In den vergangenen Tagen gab es immer wieder Meldungen von geplünderten Gebäuden. Auch bietet das Schlafen im Wagen die Möglichkeit, der Kälte durch die Heizung zu trotzen.
Im Laufe des Donnerstags soll sich für einen Teil der Menschen entscheiden, ob sie in ihre Häuser zurückkehren dürfen.
Italiens Ministerpräsident fand bei einem Besuch vor Ort in einem der Lager wenig einfühlsame Worte. Er verglich die Lage der obdachlos gewordenen Erdbebenopfer in den Abruzzen mit einem Campingurlaub. In den Ohren der Menschen müssen seine Worte zynisch geklungen haben.
Den in Zeltlagern untergebrachten Menschen fehle es an nichts, sagte er dem Fernsehsender NTV bei einem Besuch vor Ort. Sie hätten warmes Essen und medizinische Versorgung. "Natürlich" sei ihre Unterbringung "absolut provisorisch, aber man muss es eben nehmen wie ein Camping-Wochenende".
Durch das schwere Beben in der Nacht zum Montag mit mindestens 250 Toten verloren rund 17.000 Menschen ihr Zuhause. Die meisten wurden in Zeltlagern in der Nähe der schwer zerstörten Regionalhauptstadt L'Aquila untergebracht.
Die italienische Nachrichtenagentur Ansa meldet unterdessen, dass die Staatsanwaltschaft von L'Aquila erste Ermittlungen aufgenommen hat, um die mögliche Verantwortung für die Schäden infolge des Erdbebens zu überprüfen.
Die Annahme eines Verschuldens würde den Straftatbestand der Fahrlässigkeit beinhalten, jedoch gibt es derzeit noch keine konkreten Untersuchungen. Bislang wird noch gegen Unbekannt ermittelt. "Sollten sich Anzeichen für konkrete Verantwortlichkeiten ergeben, werden wir weitere Schritte einleiten", so Staatsanwalt Alfredo Rossini.
han/AFP
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