Montag, 23. November 2009

Panorama



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08.04.2009
 

Erdbeben in Italien

Berlusconi vergleicht Notlager mit "Wochenend-Camping"

Rund 17.000 Menschen sind nach dem Erdbeben in Mittelitalien obdachlos, Angst geht um in den Notlagern - die Worte des Ministerpräsidenten müssen ihnen da wie Hohn erscheinen. Silvio Berlusconi fand bei einem Besuch wenig einfühlsame Worte: "Man muss es eben nehmen wie ein Camping-Wochenende."

Berlin - Seit Tagen harren sie in Zelten und provisorischen Unterkünften aus, viele Menschen, die bei dem verheerenden Erdbeben in Mittelitalien ihr Dach über dem Kopf verloren haben, schlafen in Autos - aus Angst vor Nachbeben.

Freiwillige Helfer des Zivilschutzes verteilen warme Decken und heiße Getränke. Nachts fallen die Temperaturen stark, in den Zelten ist es bei vier bis sechs Grad empfindlich kalt. Die Situation ist durch Angst gekennzeichnet: Die Menschen wissen nicht, ob sie je in ihre Häuser zurückkehren können - sofern diese noch stehen.

Immer wieder erschüttern zudem heftige Nachbeben die Region, so dass viele es vorziehen, die Nacht im Auto zu verbringen. So können sie in der Nähe der beschädigten Häuser bleiben. In den vergangenen Tagen gab es immer wieder Meldungen von geplünderten Gebäuden. Auch bietet das Schlafen im Wagen die Möglichkeit, der Kälte durch die Heizung zu trotzen.

Im Laufe des Donnerstags soll sich für einen Teil der Menschen entscheiden, ob sie in ihre Häuser zurückkehren dürfen.

Italiens Ministerpräsident fand bei einem Besuch vor Ort in einem der Lager wenig einfühlsame Worte. Er verglich die Lage der obdachlos gewordenen Erdbebenopfer in den Abruzzen mit einem Campingurlaub. In den Ohren der Menschen müssen seine Worte zynisch geklungen haben.

Den in Zeltlagern untergebrachten Menschen fehle es an nichts, sagte er dem Fernsehsender NTV bei einem Besuch vor Ort. Sie hätten warmes Essen und medizinische Versorgung. "Natürlich" sei ihre Unterbringung "absolut provisorisch, aber man muss es eben nehmen wie ein Camping-Wochenende".

Durch das schwere Beben in der Nacht zum Montag mit mindestens 250 Toten verloren rund 17.000 Menschen ihr Zuhause. Die meisten wurden in Zeltlagern in der Nähe der schwer zerstörten Regionalhauptstadt L'Aquila untergebracht.

Die italienische Nachrichtenagentur Ansa meldet unterdessen, dass die Staatsanwaltschaft von L'Aquila erste Ermittlungen aufgenommen hat, um die mögliche Verantwortung für die Schäden infolge des Erdbebens zu überprüfen.

Die Annahme eines Verschuldens würde den Straftatbestand der Fahrlässigkeit beinhalten, jedoch gibt es derzeit noch keine konkreten Untersuchungen. Bislang wird noch gegen Unbekannt ermittelt. "Sollten sich Anzeichen für konkrete Verantwortlichkeiten ergeben, werden wir weitere Schritte einleiten", so Staatsanwalt Alfredo Rossini.

SPIEGEL WISSEN: ERDBEBEN IN ITALIEN

Erdbeben 2009 in L‘Aquila

Am 6. April 2009 bebte in der Region Abruzzen um die mittelalterliche Stadt L‘Aquila nachts um 3.32 Uhr die Erde. Das Beben hatte nach verschiedenen Messungen eine Stärke von 5,8 bis 6,3 auf der Richter- Skala. Mehr als 290 Menschen kamen ums Leben, Schätzungen zufolge wurden rund 17.000 Menschen obdachlos.

2002 in San Giuliano di Puglia (Region Molise)

1997 in Umbrien und Marken

1980 in Irpinia

1976 in Friaul

1915 in Avezzano

1908 in Messina (Sizilien)

han/AFP

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