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06.06.2009
 

Verschollenes Flugzeug

Airbus warnte Air France vor technischen Problemen

Datenchaos und ein inaktiver Autopilot: Das über dem Atlantik abgestürzte Flugzeug der Air France hatte offenbar massive technische Probleme. Der Flugzeugkonzern Airbus gab an, vor Problemen mit einem Geschwindigkeitsmessgerät gewarnt zu haben. Einige Sensoren hätten ausgetauscht werden sollen.

Paris - Airbus habe seine Kunden, darunter auch Air France, in den vergangenen Wochen dazu aufgefordert, ein Bauteil des A330 auszuwechseln, um Probleme bei der Geschwindigkeitsmessung zu beheben, sagte der Chef der französischen Untersuchungsbehörde für Luftfahrtunglücke, Paul Louis Arslanian, am Samstag.

Ein Airbus A330 der Air France beim Start: Rätsel um Absturzursache
REUTERS

Ein Airbus A330 der Air France beim Start: Rätsel um Absturzursache

Entgegen der Empfehlung des Herstellers habe Air France die betreffenden Teile bei der Unglücksmaschine nicht ausgetauscht. Es sei jedoch noch zu früh zu sagen, ob die Probleme mit den Geschwindigkeitssensoren in irgendeiner Weise zu dem Unglück beigetragen hätten. "Einige der Sensoren sollten ausgewechselt werden", sagte Arslanian. "Das heißt jedoch nicht, dass die Maschine ohne die Ersatzteile schadhaft gewesen wäre."

Air France hatte am Freitag angekündigt, an allen Mittel- und Langstreckenflugzeugen von Airbus die betreffenden Sensoren zu ersetzen.

Letzte Signale des abgestürzten Flugzeugs belegen nach Erkenntnissen der Ermittler die bisher nur als Mutmaßung bekannten Informationen, dass der Airbus ohne Autopilot flog. Es sei aber unklar, ob die Piloten von Flug AF 447 den Autopiloten ausschalteten oder ob sich das Gerät wegen widersprüchlicher Informationen des Computersystems über die Fluggeschwindigkeit selbst abschaltete, erklärte Arslanian.

Die Ermittler untersuchten 24 automatisch gesandte Signale aus den letzten Minuten des Fluges. Die Ermittlungen ergaben nach Angaben von Airbus, dass sich widersprechende Anzeigen verschiedener Instrumente vorlagen. Zu diesem Zeitpunkt flog die Maschine durch eine riesige tropische Gewitterfront.

Die These von der extremen Wetterlage als Unglücksursache scheint jedoch zunächst entkräftet zu sein. Das Unwetter auf der Flugstrecke sei für die Jahreszeit überhaupt nicht extrem gewesen, erklärte der Wetterdienst Météo France am Samstag.

Beim Absturz des Airbus auf dem Weg von Rio de Janeiro nach Paris in der Nacht zum Montag sind aller Wahrscheinlichkeit nach alle 228 Insassen ums Leben gekommen. Unter den Opfern sind offiziellen Angaben zufolge auch 28 Deutsche. Bislang ist es nicht gelungen, Teile der Unglücksmaschine zu bergen.

Bergungsmannschaften durchkämmen derzeit ein riesiges Gebiet rund 1100 Kilometer nordöstlich der brasilianischen Küste, in dem das Flugzeug Experten zufolge abgestürzt sein dürfte. Frankreich hat ein Atom-U-Boot mit hochentwickelten Unterwasserschallgeräten in die Region entsandt, um bei der Suche nach der Black Box und versunkenen Wrackteilen zu helfen.

Da die Chancen nach fünf Tagen gering sind, in den stark von Haien frequentierten Gewässern noch Leichen zu finden, konzentriert sich die Suche mittlerweile auf die Bergung von Trümmern und der Black Box. Nach Angaben aus Militärkreisen gehen die Suchmannschaften davon aus, dass ein Großteil des Flugzeugs mitsamt den Insassen versunken sein könnte, wenn die Maschine relativ intakt ins Meer gestürzt ist.

Chefermittler Arslanian gab zu bedenken, dass selbst der Fund des an den Flugschreiber gekoppelten akustischen Signalgebers nicht unbedingt der Durchbruch wäre. Es gebe keine Garantie, dass der Sender, der 30 Tage lang funkt, noch an der Black Box befestigt sei.

Angesichts der schwierigen Suche nach dem Flugschreiber fordern Luftfahrtexperten jetzt, dass das Bordsystem künftig alle Flugdaten, die in der Black Box festgehalten werden, über ein Satellitensystem direkt an die Leitzentralen der Fluggesellschaften melden soll. Laut SPIEGEL-Informationen existiert bereits heute ein einfaches Kommunikationssystem namens Acars, das dem Wartungspersonal am Boden Fehlermeldungen übermittelt.

Die USA haben unterdessen angekündigt, Frankreich und Brasilien bei der Suche zu helfen. US-Präsident Barack Obama sicherte am Samstag die Unterstützung seines Landes zu. Auch die Gedanken und Gebete der Amerikaner gälten den Hinterbliebenen, sagte er bei seinem Besuch anlässlich der Feierlichkeiten zur Landung der Alliierten in Frankreich. Unter den 228 Opfern waren auch zwei Amerikaner.

Protokoll: Die letzten Signale des Unglücks-Airbus

23 Uhr (Ortszeit)

Der Pilot meldet der Zeitung "O Estado de S. Paulo" zufolge, dass er durch "CBs" fliege - schwarze, elektrisch aufgeladene Wolken, die mit starken Winden und Blitzen einhergehen. Satellitendaten haben gezeigt, dass Gewitterwolken zu dieser Zeit bis zu 160 Kilometer pro Stunde schnelle Sturmböen gegen die Flugrichtung der Maschine schickten.

23.10 Uhr

23.13 Uhr

23.14 Uhr

bor/Reuters/AP/dpa

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