Recife - Es sind Geräte, die die entscheidende Hilfe bringen könnten: Die US-Marine unterstützt die Franzosen mit zwei hoch sensiblen Geräten, die Signale aus den gesuchten Flugschreibern auch aus rund 6000 Metern Tiefe empfangen können. Das teilte ein Mitarbeiter des US-Verteidigungsministeriums mit. Die Instrumente sollten bereits am Montag nach Brasilien geflogen werden. Zuvor hatte Präsident Barack Obama in Frankreich die Hilfe der USA zugesichert.
Fünf Tage nach dem Verschwinden der Air-France-Maschine wird damit die Suche nach den Flugschreibern, aber auch nach dem Wrack, verstärkt - auch, weil am Samstag zwei männliche Leichen aus dem Meer geborgen wurden. Außerdem wurden ein Teil der Tragfläche und Flugzeugsitze gefunden. Der Fundort liegt nach Angaben der brasilianischen Luftwaffe etwa 650 Kilometer nordöstlich der Inselgruppe Fernando de Noronha und etwa 70 Kilometer südlich der Stelle, von der die letzten Signale des Flugs AF 447 empfangen wurden. Die Leichen wurden zur Identifizierung nach Fernando de Noronha gebracht.
Daneben wurde auch ein Koffer mit einem Ticket für den Flug AF 447 gefunden. Air France habe inzwischen bestätigt, dass die Nummer auf einen Passagier an Bord der Unglücksmaschine zutreffe. Später sei dann auch noch ein Rucksack mit einem Impfpass angeschwemmt worden, hieß es. Der Airbus, der auf dem Weg von Rio de Janeiro nach Paris war, verschwand in der Nacht zum vergangenen Montag rund 1000 Kilometer vor der brasilianischen Küste. Dabei kamen 228 Menschen ums Leben, darunter 28 Deutsche.
Bergungsmannschaften haben in den vergangenen Tagen ein riesiges, rund 6000 Quadratkilometer großes Gebiet nordöstlich der brasilianischen Küste durchkämmt, in dem das Flugzeug Experten zufolge abgestürzt sein dürfte. Frankreich hat ein Atom-U-Boot mit hochentwickelten Unterwasserschallgeräten in die Region entsandt, um bei der Suche nach der Black Box und versunkenen Wrackteilen zu helfen.
Fluggesellschaft tauschte Sensoren aus
Über die Unglücksursache herrscht weiter Unklarheit. Allerdings wurde inzwischen auch bekannt, dass an der abgestürzten Maschine entgegen einer Empfehlung des Herstellers Airbus die Sensoren zur Ermittlung der Fluggeschwindigkeit nicht ausgetauscht wurden. Mit diesen Instrumenten für den A330 - dem Modell des Unglücksflugzeugs - habe es Probleme gegeben, sagte Ermittlungsleiter Paul-Louis Arslanian am Samstag in Paris. Dies bedeute aber nicht, dass der Airbus deshalb nicht sicher gewesen sei.
Die Fluggesellschaft hat nach eigenen Angaben fünf Wochen vor dem Absturz der Maschine dem Austausch von Geschwindigkeitssensoren an Airbus-Langstreckenflugzeugen begonnen. Ermittler untersuchen derzeit, ob eine falsche Fluggeschwindigkeit zu der Katastrophe geführt hat. Das verunglückte Flugzeug hatte kurz vor dem Absturz eine Geschwindigkeitsfehlermeldung ausgesandt. Bereits zuvor habe es ähnliche Probleme gegeben, erklärten Ermittler. Nach der Katastrophe beschleunigt Air France jetzt das Austausch-Programm.
Die Fluggesellschaft betonte, dass mit diesem Schritt keinerlei Urteil über die mögliche Absturzursache verbunden sei. Die Flugunfallermittler hatten am Samstag allerdings bestätigt, dass der Bordcomputer des Unglücksairbus A330 den Autopiloten ausschaltete, weil die Daten von drei Sonden zur Geschwindigkeitsmessung um 50 Stundenkilometer voneinander abwichen.
Air France teilte weiter mit, die Vereisungsprobleme sowohl an Airbus A330 wie auch A340 seien schon im Mai vergangenen Jahres aufgetaucht. Daraufhin habe man vom Hersteller Airbus Abhilfe gefordert. Der Flugzeughersteller habe Tests mit anderen Sensoren vorgeschlagen, obwohl es Zweifel an der Wirksamkeit dieser Maßnahme gegeben habe. Air France habe es deshalb abgelehnt, weiter zu warten und von sich aus Ende April diesen Jahres mit der Umrüstung begonnen. Airbus war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.
Angesichts der schwierigen Suche nach dem Flugschreiber der abgestürzten Air-France-Maschine im Atlantik fordern Luftfahrtexperten nach SPIEGEL-Informationen künftig eine Satellitenübertragung von Flugdaten. Die Fachleute wollen, dass das Bordsystem alle Daten, die in der Black Box festgehalten werden, über ein Satellitensystem direkt an die Leitzentralen der Fluggesellschaften meldet.
Dazu sei es technisch nicht notwendig, die Flugzeuge groß aufzurüsten, sagte der US-Sicherheitsexperte und ehemalige Vizechef des National Transportation Safety Board, der Untersuchungsbehörde für Flugunfälle in den USA, Robert Francis, dem SPIEGEL. Es reiche, die Software des bereits existierenden Kommunikationssystems Acars umzuschreiben, und schon verwandle sich das System in eine Art Online-Black-Box.
sam/AP/AFP/ddp/dpa
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