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08.06.2009
 

Abgestürzte AF 447

Airbus-Heckteil im Atlantik entdeckt

Elf Soldaten bargen das Trümmerteil aus dem Atlantik: Die Bergungsmannschaften haben nun ein Heckteil des abgestürzten Air-France-Airbus entdeckt. Die Suche nach dem Flugschreiber gestaltet sich weiterhin schwierig - 24 Leichen sind inzwischen geborgen.

São Paulo/Paris - Der mehrere Meter große rot-weiß-blaue Flügel ragt aus dem Meer: Nach dem Absturz der Air-France-Maschine über dem Atlantik hat das brasilianische Militär eine Höhenflosse vom Heck des verunglückten Airbus A330 geborgen. Vermutlich das komplette Seitenleitwerk inklusive Flosse und Ruder ist bislang das auffälligste Wrackteil der abgestürzten Air-France-Maschine, das geborgen werden konnte.

Luftwaffensprecher Henry Munhoz zeigte Journalisten am Montag Fotos, auf denen zu sehen war, wie ein Schlauchboot der Marine ansetzte, das trapezförmige Trümmerteil hinter sich her zu ziehen. Auf der Höhenflosse waren die Farben Blau, Weiß und Rot des Air-France-Logos zu sehen. Elf Soldaten waren an der Aktion beteiligt. Zuvor hatte das Militär bereits etliche Wrackteile der Air-France-Maschine geborgen, darunter ein Teil der Tragfläche und Flugzeugsitze.

Bislang bargen die brasilianische und die französische Marine 24 der 228 Flugzeug-Insassen. Allerdings seien mehrere Punkte von Flugzeugen ausgemacht worden, die auf im Wasser treibende Leichen hinwiesen. Dies müsse aber erst durch Schiffe der Marine geprüft werden und sei noch nicht sicher. An Bord der Maschine waren auch 28 Deutsche.

Die französische Fregatte "Ventôse" habe nur begrenzte Möglichkeiten zur Aufnahme von Leichen, und die Besatzung habe deshalb entschieden, dem Transport der gefundenen toten Passagiere Vorrang einzuräumen, sagte ein Sprecher. Alle geborgenen Leichen sind mittlerweile an Bord einer brasilianischen Fregatte auf dem Weg zur Atlantik-Insel Fernando de Noronha rund 350 Kilometer von der Festlandküste Brasiliens, wo sie einer ersten Untersuchung unterzogen werden sollen. Anschließend werden die Leichen nach Recife zur Identifizierung geflogen. In Rio wurden von den Verwandten der Opfer Speichel-, Blut- und Haarproben entnommen, die für einen DNA-Vergleich genutzt werden sollen.

Ein Atom-U-Boot der französischen Marine soll am Mittwoch im Absturzgebiet rund 1200 Kilometer vor Brasilien eintreffen. Seine empfindlichen Messgeräte könnten die Signale der Flugschreiber orten, so die Hoffnung. Die 74 Meter lange "Emeraude" (Smaragd) hat 68 Mann Besatzung an Bord und kann etwa 300 Meter tief tauchen.

Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva versprach den Angehörigen, alles nur Erdenkliche zu tun, damit möglichst alle 228 Opfer des Flugzeugabsturzes gefunden werden. "In diesem Moment des Schmerzes wird das zwar nicht das Problem lösen, aber es ist doch ein Trost für die Familien, zu wissen, dass sie ihre Lieben beisetzen können", sagte Lula. "Wir wissen, was es für eine Familie bedeutet, wenn sie ihre verschwundenen geliebten Angehörigen zurückbekommt."

Die Diskussion um die Absturzursache drehte sich verstärkt um möglicherweise fehlerhafte Geschwindigkeitsmesser. Vor dem Unglück hatten drei der sogenannten Pitot-Sonden um 50 Kilometer pro Stunde abweichende Werte angezeigt. Airbus hatte bereits 2007 dazu geraten, die Sonden auszutauschen. Die Empfehlung galt nach Angaben von Air France aber für einen anderen Flugzeugtyp.

Die Airbus-Flugzeuge der deutschen Fluggesellschaften Lufthansa und Air Berlin sind den Unternehmen zufolge mit zuverlässigen Geschwindigkeitsmessern ausgestattet. Die Sonden stammten von einem anderen Hersteller als die des verunglückten Air-France-Airbus, sagte eine Air-Berlin-Sprecherin. Auch bei Lufthansa hieß es, es würden die Systeme einer anderen Firma verwendet.

Mit Beibooten fischten die Bergungsteams Taschen, Laptops, Video- und Fotokameras, Passagiersitze und Plastikteile aus der Kabine aus dem Wasser. Auch mehrere LCD-Bildschirme, über die die Passagiere während des Fluges Filme ansehen können, wurden gefunden. Wo das Flugzeugwrack genau liegt, ist weiterhin unklar: Die Trümmer und Leichen wurden mit der Strömung weggetragen.

Protokoll: Die letzten Signale des Unglücks-Airbus

23 Uhr (Ortszeit)

Der Pilot meldet der Zeitung "O Estado de S. Paulo" zufolge, dass er durch "CBs" fliege - schwarze, elektrisch aufgeladene Wolken, die mit starken Winden und Blitzen einhergehen. Satellitendaten haben gezeigt, dass Gewitterwolken zu dieser Zeit bis zu 160 Kilometer pro Stunde schnelle Sturmböen gegen die Flugrichtung der Maschine schickten.

23.10 Uhr

23.13 Uhr

23.14 Uhr

In den letzten Minuten des Fluges hatte die Unglücksmaschine vom Typ A330-200 automatisch 24 Fehlermeldungen an das Wartungszentrum der Air France geschickt. Aus ihnen lässt sich aber nicht ableiten, ob das Flugzeug in der Luft auseinanderbrach oder äußerlich intakt auf das Wasser prallte. "Wir wissen nichts", hieß es weiter bei den französischen Flugunfallermittlern.

Das Wetter war zur Zeit des Absturzes sehr schlecht, aber für die Gegend nicht außergewöhnlich. Die drei Sonden des Fliegers gaben aber widersprüchliche Geschwindigkeitsdaten an. Deswegen wurde automatisch der Autopilot ausgeschaltet. Mehrfach fielen die Bildschirme in der Pilotenkanzel aus. Das Flugzeug gab nicht mehr automatisch Gas. Die Piloten flogen möglicherweise in der Dunkelheit "blind" durch die Turbulenzen und hatten keine Möglichkeit mehr, Flughöhe, Geschwindigkeit und Richtung zu bestimmen. Die letzte Meldung "cabin vertical speed" zeigt einen Abfall des Luftdrucks in der Kabine an.

jjc/Reuters/dpa/AP/AFP

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