São Paulo/Paris - Unterlagen belegen, dass die Fluggesellschaft ihren Kapitänen zu Vorsicht riet, was ihre A 330-Maschinen angeht: Air France soll die Piloten vor Problemen mit den Geschwindigkeitsmessern bei diesem Flugzeugtyp gewarnt haben. Das geht aus einem auf den 6. November 2008 datierten Memo hervor, das der Nachrichtenagentur AFP vorliegt.
Darin ist von einer "beträchtlichen Zahl von Zwischenfällen" in Verbindung mit Tempomessern an Airbus A 330 und A 340 die Rede. Die Zwischenfälle seien auf Anomalien an diesen Messgeräten zurückzuführen. Das zweiseitige Dokument listet falsche Geschwindigkeitsmessungen, unterschiedliche Tempoangaben auf den Kontrollschirmen von Pilot und Kopilot und das Abschalten des Autopiloten auf.
Zwei Air-France-Piloten, die nicht namentlich genannt werden wollten, bestätigten AFP die Echtheit des Dokuments. Einer von ihnen sagte, das Memo belege, dass die Fluggesellschaft schon seit November vergangenen Jahres von den Problemen gewusst habe, "die die Katastrophe von Flug AF 447 zu erklären scheinen".
Der Airbus war am 1. Juni mit 228 Menschen an Bord auf dem Weg von Rio de Janeiro nach Paris über dem Atlantik abgestürzt. Air France hatte am Samstag mitgeteilt, die fraglichen Sensoren würden an allen A 330 und A 340 schneller als vorgesehen ausgetauscht, weil es seit Mai 2008 zu mehreren Zwischenfällen bei der Datenübertragung gekommen sei.
Die Suchmannschaften haben inzwischen mindestens 29 Tote geborgen. Das teilten die französischen und brasilianischen Bergungshelfer in der Nacht zum Dienstag mit. Der brasilianische Luftwaffensprecher Henry Munhoz sagte, seit Samstag seien 24 Opfer des Flugzeugabsturzes geborgen worden. Vertreter der französischen Seite teilten später mit, an Bord einer französischen Fregatte seien mindestens fünf weitere Leichname.
Zudem wurde mit einem Heckstück ein Trümmerteil entdeckt, von dem sich die Ermittler wichtige Hinweise bei der Suche nach der Ursache der Katastrophe erhoffen. Dieses Teil des Leitwerks könnte die Suchmannschaften derweil auf die Spur der Flugschreiber bringen, denn die sogenannten Black Boxes sind bei diesem Flugzeugtyp am Heck angebracht. Die Geräte werden in mehreren tausend Metern Tiefe auf dem Meeresgrund vermutet. Sie zeichnen während des Flugs Daten auf und könnten damit Rückschlüsse auf die Geschehnisse in den letzten Minuten vor dem Absturz ermöglichen.
Am Mittwoch soll das französische Atom-U-Boot "Emeraude" vor Ort eintreffen, demnächst soll auch das französische Meeresforschungsschiff "Pourquoi pas?" mit Tauchrobotern dazustoßen. Ebenfalls erwartet wurden zwei Schiffe der US-Marine mit speziellen Suchvorrichtungen. Sollten die Black Boxes gefunden werden, wird ein französisches Forschungs-U-Boot zur Bergung losgeschickt. Bei der "Nautile" handelt es sich um dasselbe Schiff, das auch das "Titanic"-Wrack untersuchte.
Eine Air-France-Gewerkschaft drängt derweil die Piloten dazu, sich zu weigern, mit einem Airbus A 330 oder A 340 zu starten, wenn nicht die externen Geschwindigkeits- und Höhenmesser zuvor ersetzt worden sind. Das geht aus einem Memorandum der Gewerkschaft Alter hervor, die rund zwölf Prozent aller Air-France-Piloten als Mitglieder hat, und das der Nachrichtenagentur AP vorliegt. In den Mittelpunkt der Ermittlungen zur Absturzursache war die Vermutung aufgetaucht, dass außenliegende Instrumente des Airbus vereist waren und Sensoren daher unrichtige Informationen anzeigten.
jjc/AFP/AP/dpa
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