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Flugzeugabsturz 14-Jährige überlebte an ein Wrackstück geklammert

Es ist wie ein Wunder: Ein 14-jähriges Mädchen hat den Absturz eines jemenitischen Flugzeuges vor den Komoren überlebt. Der Airbus A310 war am Dienstag kurz vor der Landung mit 153 Menschen an Bord in den Indischen Ozean gefallen. Die Jugendliche ist wahrscheinlich die einzige Überlebende.

Johannesburg/Moroni - Stundenlang hatte sich die 14-Jährige verzweifelt an ein Wrackstück geklammert. Dann wurde sie von einem der Boote gerettet, die vor der komorischen Hauptstadt Moroni im Indischen Ozean nach Überlebenden suchten. Das Mädchen sei erschöpft, aber weitgehend unverletzt, sagte der komorische Regierungssprecher Abdourahim Said Bacar der Presse-Agentur dpa: "Das ist wirklich ein Wunder."

Die Jugendliche, die nach offiziell nicht bestätigten Berichten eine Rettungsweste getragen haben soll, wurde umgehend in ein Krankenhaus gebracht und untersucht. Bakar bezeichnete frühere Informationen als falsch, denen zufolge es sich bei dem Überlebenden um ein fünf Jahre altes Kind handelte. Das Mädchen sei wahrscheinlich die einzige Überlebende des Unglücks.

Bis zum Abend wurden fünf Leichen aus dem Wasser geborgen, außerdem wurden ein Ölteppich, Wrackteile und Gepäckstücke entdeckt. Frankreich schickte Boote und Militärflugzeuge, um die Bergungsarbeiten zu unterstützen.

Der Airbus A310 der Fluggesellschaft Yemenia Air war in der Nacht zum Dienstag beim Landeanflug auf die Komoren vor Afrika in den Indischen Ozean gestürzt. An Bord waren 153 Menschen, darunter 66 Franzosen. Die meisten der 142 Passagiere waren auf dem Weg in die Ferien bei Freunden und Verwandten. Viele von ihnen waren Komorer, die in Frankreich lebten und in dem Archipel im Indischen Ozean, einem der ärmsten und kleinsten Staaten der Welt, ihren Heimaturlaub verbringen wollten. Außerdem waren Kanadier, Äthiopier, Indonesier, Marokkaner, Palästinenser, Philippiner und Jemeniten an Bord.

Ein Teil der Passagiere war zunächst mit einem Airbus A330 von Paris über Marseille nach Sanaa geflogen. Dort stiegen sie in den 19 Jahre alten A310 um, der nach einer Zwischenlandung in Dschibuti um ein Uhr früh (MESZ) in der Hauptstadt Moroni landen sollte. Fünf Minuten vor der geplanten Landung auf der Hauptinsel Grande Comore stürzte der Airbus bei böigem Wind in den Indischen Ozean.

Laut dem französischen Verkehrsstaatssekretär Dominique Bussereau waren zuvor zwei Landeversuche gescheitert. Ein Fischer will gesehen haben, wie das Flugzeug taumelnd in die Tiefe fiel, eine Dorfbewohnerin sprach von Flammen, die aus der Maschine schlugen.

Die Unfallursache war zunächst unklar. Die 1990 gebaute Unglücksmaschine hatte laut Airbus 51.900 Flugstunden absolviert. Nach Angaben der französischen Regierung war die Maschine schon vor zwei Jahren negativ aufgefallen. Eine Überprüfung der zivilen französischen Luftfahrtbehörde 2007 hatte mehrere Mängel aufgedeckt, so dass der Jet Frankreich seitdem nicht mehr anfliegen durfte.

Dies war Anlass für die EU, die Sicherheitsstandards von Yemenia unter die Lupe zu nehmen. Damals habe die Fluglinie allerdings die Überprüfungen bestanden. Bislang stand die Fluggesellschaft nicht auf der Schwarzen Liste der EU. Nun wird überprüft, ob Yemenia Air das Fliegen in der EU verboten werde, teilte EU-Verkehrskommissar Antonio Tajani mit. Außerdem fordert Brüssel eine weltweite schwarze Liste für bedenkliche Airlines.

Die komorische Gemeinde in Marseille erhob massive Vorwürfe gegen Yemenia Air, aber auch gegen die komorischen Behörden, die trotz Hinweisen auf Sicherheitsmängel nichts unternommen hätten. "Man setzt uns in Schrottmaschinen, die den Normen nicht entsprechen", sagte Farid Soilihi, Präsident der Organisation SOS-Voyages mit Sitz in der französischen Hafenstadt. "Zum großen Unglück hat der komorische Staat nicht auf uns gehört. Nun ist geschehen, was wir vorhergesagt haben."

Die Fluggesellschaft selbst hat die Kritik am Zustand des abgestürzten Airbus A310 unterdessen zurückgewiesen. "Das Flugzeug war technisch einwandfrei", sagte Ali Sumari, Vizedirektor der Yemenia Airlines, dem französischen Nachrichtensender France24. "Es ist ohne irgendwelche technischen Probleme abgeflogen."

Yemenia gehört zu 51 Prozent dem jemenitischen Staat und zu 49 Prozent Saudi-Arabien. Zu ihrer Flotte gehören zwei Airbus A330-200, vier Airbus A310-330 und vier Boeing 737-80.Auch der jemenitische Verkehrsminister Chalid Ibrahim al-Wasir sagte Reuters, die Unglücksmaschine sei erst im Mai unter Aufsicht von Airbus überprüft worden. "Alles entsprach internationalen Standards."

Auch das Wetter wurde als mögliche Absturzursache genannt: Zum Zeitpunkt des Unglücks herrschte auf den Komoren nach Angaben von Yemenia schlechtes Wetter mit starkem Wind und hohem Seegang. "Das Wetter war eher ungemütlich, die See war sehr rau", ergänzte Ibrahim Kassim von der regionalen Flugsicherungsbehörde.

Der Inselstaat ist bekannt für Tornados. Erst vergangenen Montag hatte ein derartiger Tropensturm auf der Nachbarinsel Madagaskar mit Windgeschwindigkeiten von über 180 Stundenkilometern in der Stadt Tulear gewütet und vier Menschen in den Tod gerissen. Am Dienstag erschwerte starker Wind mit Geschwindigkeiten bis zu 60 km/h die Suche nach Opfern.

Der französische Verkehrsstaatssekretär Dominique Bussereau, der Kritik an den mangelnden Sicherheitsstandards der Fluggesellschaft übte, warnte jedoch vor Spekulationen. Man rede von "schlechtem Wetter" und von "einem missratenen Landeanflug", sagte er. "Das ist noch etwas unscharf. Im Augenblick müssen wir vorsichtig sein."

Dies ist der zweite Absturz eines Airbus innerhalb eines Monats. Erst am 1. Juni war ein Airbus A330 der Air France auf dem Flug von Rio de Janeiro nach Paris über dem Atlantik mit 228 Menschen an Bord aus noch ungeklärter Ursache im Atlantik versunken. Die französischen Ermittler wollen am Donnerstag einen ersten Zwischenbericht über diese Katastrophe vorlegen.

Die beiden Airbustypen sind jedoch kaum vergleichbar - der seit 1985 gebaute Airbus A310 ist technologisch sozusagen ein Urahn des weitaus moderneren A330. Airbus reagierte unmittelbar nach Bekanntwerden des schweren Unglücks und schickte ein Untersuchungsteam auf die Insel.

Komoren-Inseln im Indischen Ozean

siu/dpa/AP/Reuters/AFP

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