Stuttgart/Düsseldorf/München - Die schwüle Sommerhitze hat sich im Südwesten Deutschlands und in Nordrhein-Westfalen am Freitagabend und in der Nacht zu Samstag mit heftigen Gewittern entladen. Im Porsche-Werk in Stuttgart fiel der Strom aus, der Düsseldorfer Flughafen musste zum Ferienbeginn in Nordrhein-Westfalen zeitweise gesperrt werden.
In Baden-Württemberg starben zwei Menschen. Eine Frau kam am Freitag nach einem Blitzeinschlag in Affalterbach bei Ludwigsburg ums Leben, wie die Polizei am Samstagmorgen mitteilte. In Korntal-Münchingen, ebenfalls bei Ludwigsburg, erlitt ein Feuerwehrmann bei Abpumparbeiten durch Blitzschlag einen tödlichen Stromschlag.
Über Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Bayern gingen Wassermassen nieder. Teilweise fielen mehr als hundert Liter Regen pro Quadratmeter. Unterführungen und Straßen wurden überflutet. Einige Straßen mussten gesperrt werden, es ereigneten sich zahlreiche Unfälle.
Ausgerechnet am verkehrsreichsten Tag des Jahres musste der Flughafen Düsseldorf für knapp eineinhalb Stunden geschlossen werden. Zwei Maschinen wurde zum Flughafen Köln-Bonn umgeleitet, die anderen kreisten über Düsseldorf und konnten verspätet landen. Wegen des ersten Ferienwochenendes in NRW erhielt der Flughafen eine Sondererlaubnis für Starts und Landungen bis spät in die Nacht. Einige Flüge verspäteten sich bis zu zwei Stunden.
450 Feuerwehreinsätze - allein in Düsseldorf
In Baden-Württemberg waren die Feuerwehren im Dauereinsatz.
Im Werk des Autoherstellers Porsche in Stuttgart-Zuffenhausen musste wegen Überflutungen und Stromausfall die Produktion gestoppt werden. Wie hoch der entstandene Schaden ist, war am Morgen noch unklar. Samstag und Sonntag soll nun daran gearbeitet werden, dass die Produktion am Montag fortgesetzt werden kann.
In weiten Teilen Baden-Württembergs mussten Straßen gesperrt werden, teilte das Innenministerium mit. Die Verkehrswege standen unter Wasser oder waren durch Erdrutsche blockiert.
Im saarländischen Sulzbach erfasste ein Feuerwehrauto einen 18-jährigen Fußgänger. Der 48-jährige Fahrer musste einem Fahrzeug des Technischen Hilfswerks (THW) ausweichen, das ebenfalls mit Blaulicht und Martinshorn fuhr und auf die Gegenfahrbahn geraten war. Der junge Mann wurde mit Kopfverletzungen in eine Klinik gebracht. Der 30-jährige Fahrer des THW-Wagens erlitt einen Schock.
"So etwas haben wir noch nicht erlebt"
Allein in Düsseldorf wurde die Feuerwehr zu rund 450 Einsätzen gerufen. Wegen der Überflutung mehrerer Tunnel wurde die A44 voll gesperrt. Vom Autobahnkreuz Meerbusch bis zur Ausfahrt Stadion/Messe konnte die Autobahn in beiden Fahrtrichtungen nicht mehr befahren werden. Auch im Zugverkehr kam es zu erheblichen Verspätungen durch überflutete Gleise, Äste, die auf Oberleitungen gefallen waren, und Blitzeinschlag, sagte ein Bahnsprecher. In einem Düsseldorfer Wohnhaus schlug der Blitz ein und verletzte einen Mann.
Fünf Jugendliche wurden leicht verletzt, als ein Blitz einen Zeltplatz im pfälzischen Hauenstein traf. Die Verletzten seien zur Kontrolle in verschiedene Krankenhäuser gebracht worden, die meisten hätten die Kliniken aber bereits wieder verlassen, sagte der Leiter der Rettungsleitstelle.
Bei Burg in Rheinland-Pfalz wurden ein 84 Jahre alter Autofahrer und seine 82 Jahre alte Beifahrerin schwer verletzt, als ihr Wagen im heftigen Regen von der Straße abkam. Das Auto prallte gegen eine Weinbergsmauer, überschlug sich und blieb auf dem Dach liegen. Die Beifahrerin musste von der Feuerwehr aus dem Wrack geschnitten werden.
Unwetter in Bayern
Auch in Bayern brachten die Gewitter enorme Regenfälle mit sich. Blitzeinschläge lösten mehrere Brände aus. Das Unwetter behinderte den S-Bahn-Verkehr im Großraum München. Auch die Bahnstrecken München-Garmisch-Partenkirchen und Murnau-Oberammergau waren betroffen.
Vor allem in Unterfranken kam es aufgrund starker Regenfälle zu Überflutungen, Straßen waren teilweise nicht passierbar, manche Autos standen bis zum Lenkrad im Wasser. Bei Weigendorf in der Oberpfalz wurde durch den Regen eine Gerölllawine ausgelöst, Steine auf der Fahrbahn blockierten nach Polizeiangaben stundenlang die Durchfahrt der angrenzenden Verkehrsstraße.
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnte unterdessen vor weiteren schweren Unwettern mit Starkregen, Hagel und Sturmböen am Samstag.
han/dpa/AP/ddp
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