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19.09.2009
 

Oktoberfest-Eröffnung

Bier, Brezn, weiß-blaue Riesengaudi

176. Oktoberfest: O'zapft is
Fotos
dpa

O'zapft is: In München hat Oberbürgermeister Ude das 176. Oktoberfest eröffnet, das Bier fließt in Strömen. Allein: Auf blanke Brüste und volltrunkene Festbesucher wird man in diesem Jahr verzichten müssen - nach dem Willen des Hofbräuhauses wird das Fest züchtiger denn je.

Hamburg - Für viele Besucher war der Spaß schon vorbei, bevor er überhaupt richtig angefangen hatte. Mehr als eine Stunde bevor Münchens Oberbürgermeister Christian Ude das 176. Oktoberfest mit den Worten "O'zapft is" eröffnete, wurden die Bierzelte geschlossen: Es war zu voll.

Besucher brauchten am Eröffnungswochenende viel Glück oder Durchhaltevermögen, um einen der begehrten Plätze in den Bierzelten zu ergattern. Schon am Morgen hatten Hunderte Schaulustige den Einzug der Wiesn-Wirte verfolgt.

Um Punkt zwölf Uhr stach Bürgermeister Ude das erste Fass an. Und, zur Erleichterung der Traditionalisten, machte Ministerpräsidenten-Gattin Karin Seehofer wett, womit ihre Vorgängerin Marga Beckstein im vergangenen Jahr für Unmut gesorgt hatte. Sie erschien in einem blauen Dirndl mit rot-weiß-karierter Schürze. Marga Beckstein war 2008 etwas lustlos wirkend in einem geblümten Blazer erschienen - ein glatter Skandal.

Für den bayerischen Regierungschef Seehofer, der seit Oktober 2008 im Amt ist, war es seine Anzapf-Premiere. Im vergangenen Jahr hatte Ude dem Franken Günther Beckstein die erste Maß gereicht, 2007 noch Edmund Stoiber.

"Jetzt sind wir wieder unter uns Oberbayern", sagte Oberbürgermeister Ude an Seehofer gerichtet. "Ich genieße es, die Chance zu haben, jedes Jahr einen neuen Ministerpräsidenten kennenzulernen", frotzelte er mit Blick auf den raschen Wechsel an der Spitze der bayerischen Staatsregierung in den vergangenen drei Jahren. "Wo ist so viel Abwechslung geboten?"

Nach 2005 und 2008 gelang es dem SPD-Bürgermeister auch in seinem 17. Wiesn-Jahr, das erste Fass mit nur zwei Schlägen anzuzapfen.

"Sie dürfen das machen, was ich zulasse"

Horst Seehofer zeigte sich zuversichtlich, auch im kommenden Jahr wieder beim Anstich dabei zu sein. "Das ist ziemlich sicher. Das Rotationsprinzip ist beendet." Allerdings wird er auch 2010 wohl wieder ohne Lederhosen erscheinen. Seine Waden seien einfach nicht so schön wie die von Ude, sagte der Ministerpräsident.

Als erstes Ministerpräsidentenpaar seit langem marschierten die Seehofers gemeinsam mit dem Ehepaar Ude ins Festzelt ein - auf ausdrücklichen Wunsch Seehofers. "Ich halte das für zeitgemäß", sagte er. "Politisch hat das nichts zu sagen", betonte Seehofer zwar, später fügte er allerdings noch hinzu, die Wiesn-Eröffnung sei ein großer Genuss: "Das ist mir lieber als zwei Kabinettssitzungen mit der FDP."

Die Wiesn hatten schon vor Beginn für Aufregung gesorgt, da ein Oktoberfestsprecher mit den wenig blumigen Worten "ich will keine Titten", angekündigt hatte, die Fotografen zu reglementieren.

Der Pressesprecher des staatlichen Hofbräuhauses, Stefan Hempl, macht die Akkreditierung von Fotografen für das Festzelt davon abhängig, dass nur Motive fotografiert werden, die ihm genehm sind. "Sie dürfen das machen, was ich zulasse", sagte Hempl. Fotografen dürften im Zelt auch nur in seiner Begleitung unterwegs sein. Er begründete dies damit, dass er um das Image des Hofbräuzelts und der Brauerei besorgt sei. "Es gibt ein paar Dinge, die will ich nicht sehen", sagte Hempl. Falls ein Fotograf in seiner Begleitung Motive ablichten wolle, die er nicht in Ordnung finde, "dann werde ich wahrscheinlich die Hand vor die Kamera halten", sagte er.

"Es möge eine friedliche Wiesn werden"

Er betonte zugleich mehrfach, dass er gerne bereit sei, kooperativen Journalisten Motive und Blickwinkel im Zelt zu bieten, die außergewöhnlich seien. Allerdings gehörten Fotos von stark betrunkenen Personen, Schlägereien oder Nackten im Zelt nicht dazu. "Ich will keine Nackten, ich will keine Titten. Dieses Recht steht mir zu", sagte Hempl und fügte hinzu: "Das ist meine Spielregel." Er fühle sich "verantwortlich für den Schutz der Persönlichkeitsrechte unserer Gäste", sagte Hempl. Diese Rechte nehme er stellvertretend wahr. Er habe das Hausrecht im Hofbräuzelt und könne insofern die Berichterstattung steuern.

"Pressefotografen und Fernsehteams werden dieses Jahr massiv an der Ausübung ihres Berufes gehindert", kritisiert der Bayerische Journalisten-Verband (BJV). Dem Münchner Tourismusamt und einigen Festzeltbetreibern gehe es dabei darum, dass in den Medien "keine Fotos oder Filme von Betrunkenen oder von Besucherinnen, die ihre T-Shirts hochziehen", erschienen. Das Tourismusamt wies die Vorwürfe zurück.

Rund sechs Millionen Menschen werden auch in diesem Jahr wieder zur Wiesn erwartet, die am 4. Oktober endet. "Mein Wunsch ist wirklich, es möge eine friedliche Wiesn werden", sagte Ude. Nach islamistischen Terror-Drohungen gegen Deutschland wurden die Sicherheitsvorkehrungen in ganz Deutschland verschärft - auch auf dem Münchner Oktoberfest.

han/dpa/ddp

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