Apia - "In einigen Dörfern ist kein Haus stehen geblieben", sagte der Ministerpräsident von Samoa, Tuila'epa Sailele Malielegaoi, vor Journalisten. Ein Tsunami hatte am Mittwoch weite Landesteile vernichtet, die Zahl der Todesopfer ist mittlerweile auf 150 gestiegen. Auch sein eigenes Heimatdorf Lesa, so Sailele, sei weggespült worden.
Darüber hinaus kamen im etwa tausend Kilometer entfernten Tonga mindestens sieben Menschen ums Leben.
Die Rettungskräfte würden wahrscheinlich erst am Wochenende in alle betroffenen Gebiete vordringen können, sagte der Chef der Hilfsorganisation Caritas Australia, Jack de Groot. Nach Angaben eines Vertreters der Uno-Organistaion für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) herrschten vielerorts chaotische Zustände.
In Pago Pago, der Hauptstadt von Amerikanisch-Samoa, wurden zahlreiche Geschäfte und Bürogebäude geplündert.
In der 90.000-Einwohner-Stadt seien nach seiner Einschätzung 90 Prozent der Geschäfte betroffen, sagte Aufage Fausia von den "Samoa News". Die Plünderer rissen Zigaretten und Alkoholika an sich, laut Fausia jedoch "vor allem Lebensmittel, gefrorene Hähnchen und so etwas". Die Polizei erklärte, sie müsse sich zunächst auf die Unterstützung der Hilfsbedürftigen konzentrieren.
Mehr Deutsche verletzt als bisher bekannt
In den verwüsteten Straßen und in den Trümmern eingestürzter Häusern suchten die Einsatzkräfte weiter nach Überlebenden und Opfern. Nach der von einem Seebeben der Stärke 8,0 bis 8,3 ausgelösten Flutwelle werden noch zahlreiche Bewohner vermisst. Es könne ein bis drei Wochen dauern, bis eine abschließende Bilanz gezogen werden könne, sagte Polizeichef Lilo Maiava.
Schockiert suchten Überlebende am Donnerstag nach den Resten ihrer Häuser. "Für mich war das wie ein Monster", sagte der Behördenangestellte Luana Tavala in Amerikanisch-Samoa. "Schwarzes Wasser kam direkt auf uns zu." Auf der Insel Upolu bot die Südostküste ein Bild der völligen Verwüstung. An Bäumen hingen Matratzen. Auch mehrere Touristensiedlungen wurden zerstört.
Militärmaschinen brachten am Donnerstag auch Ärzteteams auf die Samoa-Inseln. Aus Neuseeland trafen Gerichtsmediziner ein, die bei der Identifizierung von Toten helfen sollen.
Trotz einer Warnung des Pazifischen Tsunami-Zentrums auf Hawaii hatten die Menschen nur zehn Minuten Zeit, sich vor der Riesenwelle in Sicherheit zu bringen. In Amerikanisch-Samoa, im Osten der Inselgruppe, trafen eine Viertelstunde nach der Warnung vier Tsunamis ein, die vier bis sechs Meter hoch waren und bis zu 1,5 Kilometer weit die Küste überrollten.
In der Flutwelle wurden mehr Deutsche verletzt als bisher bekannt.
Neben einem Paar aus Berlin, das bereits aus dem Krankenhaus entlassen wurde, kamen auch eine Frau aus Bayern und ein Mann aus Bremen zu Schaden, wie eine Sprecherin des Auswärtigen Amts mitteilte. Die beiden befinden sich noch in Behandlung, sind aber nicht in Lebensgefahr.
Australische und neuseeländische Flugzeuge mit Ärzten und Katastrophenhelfern an Bord sind mittlerweile in Samoa eingetroffen. Sie brachten Trinkwasser, Nahrungsmittel, Zelte, Decken und medizinische Ausrüstung zu den Hilfsbedürftigen. Die EU stellte eine Soforthilfe von 150.000 Euro zur Verfügung. US-Präsident Barack Obama rief für Amerikanisch-Samoa den Notstand aus. Dadurch werden finanzielle Mittel für die Rettungsarbeiten und Notunterkünfte freigesetzt.
pad/AP/AFP
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