Rom - Die US-Schauspielerin und Komikerin Sarah Silverman ist bekannt für derbe Sprüche. Kaum ein Tabu, das sie nicht bricht. Sonst macht die 38-Jährige bevorzugt Witze über Schwule, Schwarze, Juden oder Behinderte. Diesmal ist der Papst dran: Silverman schlägt ihm vor, aus dem Vatikan auszuziehen.
Mit dem Geld aus dem Verkauf könnte man Essen für die Armen der Welt bezahlen, so die Schauspielerin, deren Vorschlag pünktlich zum Welternährungstag am Freitag kommt. In einer respektlosen Ansprache auf YouTube sagt Silverman über das Oberhaupt der Katholiken: "Er würde zum größten Helden aller Zeiten."
Im Vatikan hielt sich die Begeisterung über den Vorschlag in Grenzen. Ein Sprecher lehnte am Donnerstag jegliche Stellungnahme ab. Die Catholic League in den USA griff Silverman hart an und sprach von "unverschämten" und "üblen Tiraden".
Hingegen findet der Jesuitenpater und Kulturredakteur des Magazins "America", James Martin, Silvermans Idee gar nicht so schlecht. In einem Online-Artikel schreibt er, auch Jesus habe seine Anhänger geheißen, ihren Besitz zu verkaufen und den Armen zu geben.
"Natürlich könnte Papst Benedikt XVI. keine Schätze des Vatikans 'verkaufen', ebensowenig wie unser hiesiger Erzbischof den Dom nach Belieben verscherbeln könnte. Sie gehören nicht ihm, sie gehören der Kirche", schrieb Martin. Doch er fügte hinzu: "Vielleicht ist Frau Silverman auf ihre postmoderne, vulgäre Art da an etwas dran. Wie Jesus. Den Vatikan verkaufen? Na ja, vielleicht nicht ganz, aber möglicherweise ein oder zwei Statuen?"
Doch selbst wenn der Papst den Vatikan verkaufte - es würde nicht reichen. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen bräuchte man jährlich 83 Milliarden Dollar, um alle Menschen zu ernähren. Der Vatikan bezifferte den Immobilienbesitz des Heiligen Stuhls 2004 jedoch nur auf 700 Millionen Euro. Allerdings sind der Petersdom und die Sixtinische Kapelle nicht eingeschlossen. Diese bewertete der Vatikan nämlich als unbezahlbar und setzte ihren Wert mit einem symbolischen Euro an.
Zwar sind auch die Kunstschätze des Vatikans noch einige Millionen wert, die Institution selbst bringt aber nicht viel Bares ein. 2008 schloss sie mit einem Defizit von 900.000 Euro ab, das zweite Jahr nacheinander mit Verlust. Die Einnahmen betrugen 253,9 Millionen, die Ausgaben 254,8 Millionen Euro. Die Finanzen des Vatikans werden seit 1981 offengelegt. Das hatte Papst Johannes Paul II. damals so angeordnet, um die Vermutung zu widerlegen, der Vatikan schwimme im Geld.
cat/AP
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