Hamburg - Irgendwann zwischen dem 5. und dem 14. Oktober muss es passiert sein. Langfinger, und der Begriff muss in diesem Kontext wörtlich verstanden werden, haben vom Turm der historischen Göttinger Jacobikirche die Spitze gestohlen. In 72 Meter Höhe prangten einst das Kreuz und die Wetterfahne aus vergoldetem Kupfer. Nun sind sie, wie auch zwei Verbindungsstangen, verschwunden.
Das Diebesgut ist rund vier Meter hoch und etwa 30 Kilogramm schwer. Es hat einen Wert von rund 10.000 Euro. Wie die Räuber ihre sperrige Beute zu Boden transportierten, ist allerdings auch für die Ermittler derzeit noch ein Rätsel. Bei der Polizei spricht man von einem "kuriosen Vorfall".
Das evangelische Gotteshaus aus dem 15. Jahrhundert wird derzeit saniert und ist deshalb eingerüstet. Vermutlich, so mutmaßt die Polizei, sind die Diebe über das Gerüst auf den Turm geklettert.
Der Diebstahl wurde erst verspätet entdeckt, als eine Firma die Spitze abbauen wollte. Andere Handwerker hatten zuvor gedacht, Kreuz und Wetterfahne seien wegen der Renovierung bereits entfernt worden. Erst jetzt sei klar geworden, dass Diebe am Werk waren, sagte ein Polizeisprecher.
Den Zeitraum des Diebstahls konnten die Ermittler anhand von Fotos eingrenzen. Ein Hobby-Fotograf hatte Aufnahmen des Turms gemacht: Auf einem Bild vom 5. Oktober war die Spitze noch zu sehen - auf einem Bild vom 14. Oktober war sie verschwunden.
Der Turm, das höchste Bauwerk in der Göttinger Innenstadt, muss wegen erheblicher Schäden durch Verwitterung vollständig saniert werden. Die Arbeiten, die mehrere Jahre dauern werden, sollen nach Angaben der Kirchenleitung insgesamt voraussichtlich sieben Millionen Euro kosten.
han/dpa/reuters
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