Moskau - Bei einem schweren Zugunglück nordwestlich von Moskau sind Dutzende Menschen ums Leben gekommen. Die Zahl der Todesopfer schwankt zwischen 25 und 39, fast hundert Reisende wurden verletzt. Nach Angaben von Rettungskräften werden in den zerstörten Waggons noch mindestens 19 Menschen vermisst.
Der Leiter des Ministeriums für Notfälle, Sergej Schoigu, erklärte, die letzten drei Waggons des mit mehreren hundert Passagieren besetzten Zuges seien in der Provinz Twer entgleist. Der Newski Express von Moskau nach St. Petersburg wird häufig von Touristen, Geschäftsleuten und Regierungsmitarbeitern genutzt. Der Zug bestand aus insgesamt 14 Waggons, an Bord waren nach Behördenangaben 633 Passagiere und 20 Bahnmitarbeiter.
Nach Mitteilung des Innenministeriums waren in dem Zug auch Ausländer. Mindestens ein italienischer Staatsbürger werde in einer Klinik behandelt, hieß es. Hinweise auf deutsche Reisende gab es nicht.
Zwei Flugzeuge des Katastrophenschutzministeriums brachten ein mobiles Krankenhaus an den Unglücksort sowie Ärzte, Rettungshelfer und Polizisten. "Ich habe Schreie und Stöhnen gehört", sagte Polizeioffizier Andrej Abramenko, der sich an Bord des Zuges befand, dem Fernsehsender Westi 24. Der Sender zeigte Bilder, wie Rettungskräfte im Scheinwerferlicht unter den Trümmern der Waggons nach weiteren Überlebenden suchten.
Bekennerschreiben im Internet?
Als Ursache wurden Sabotage oder auch ein Terroranschlag nicht ausgeschlossen. Laut der Nachrichtenagentur Interfax wurde nahe der Gleise ein Krater mit einem Meter Durchmesser entdeckt. Augenzeugen hätten kurz vor dem Entgleisen der Waggons einen Knall gehört. Allerdings habe man Zweifel, dass ein im Internet aufgetauchtes "Bekennerschreiben" einer rechtsradikalen Organisation authentisch sei, sagte ein Polizeisprecher.
Die Nachrichtenagentur Ria-Nowosti zitierte eine andere Sicherheitsquelle, wonach möglicherweise ein Sprengsatz unter einem der Waggons angebracht war. Ein Sprecher der russischen Eisenbahngesellschaft (RJD) sagte Itar-Tass, die Polizei prüfe einen Anschlag als eine mögliche Unglücksursache.
Staatspräsident Dmitrij Medwedew beauftragte dem Pressedienst des Kreml zufolge den Inlandsgeheimdienst FSB und die Generalstaatsanwaltschaft mit Ermittlungen. Laut Interfax kamen mehrere Minister zu einer Krisensitzung in Moskau zusammen. Die USA zeigten sich in einer Erklärung des Weißen Hauses "zutiefst betrübt" über den Verlust von Menschenleben.
Die ermittelnde Generalstaatsanwaltschaft warnte davor, voreilige Schlüsse zu ziehen. "Wir werden erst dann sagen können, was geschehen ist, wenn erste Ergebnisse der Ermittlungen vorliegen", sagte ein Sprecher.
Im August 2007 hatte es auf der gleichen Strecke schon einmal einen Bombenschlag gegeben, bei dem ein Personenzug entgleiste. Damals wurden 60 Passagiere verletzt. Im Zusammenhang mit dem Attentat sind in Nowgorod mehrere Verdächtige angeklagt. Sie sollen Verbindungen zum Anführer der tschetschenischen Rebellen, Doku Umarow, haben.
amz/lgr/otr/dpa/Reuters/AFP
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