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26.12.2009
 

Terrorangst

US-Flüge werden nach Attentatsversuch schärfer kontrolliert

Ein lauter Knall, dann ging alles sehr schnell: Beim Landeanflug auf Detroit hat ein Nigerianer an Bord eines Northwest-Airlines-Jets versucht, eine Bombe zu zünden. Die Maschine aus Amsterdam konnte sicher landen, doch die Sorge ist groß. Viele Fluggesellschaften verschärfen jetzt ihre Sicherheitsvorkehrungen, in London durchsucht Scotland Yard Häuser.


Detroit - Northwest-Airlines-Flug 253 befand sich am Freitagmittag bereits im Landeanflug auf die US-Metropole Detroit, als sich die Ereignisse überstürzten: Der 23-jährige Nigerianer Umar Faruk Abdulmutallab entzündete eine Substanz, die er offenbar unter seiner Hose versteckt am Körper getragen hatte. Ein Knall, Rauch, Feuer - dann stürzte sich einer der Passagiere auf den mutmaßlichen Terroristen und überwältigte ihn.

Fluggast Syed Jafri, ein US-Bürger, der aus den Emiraten heimflog, sagte Reportern, er habe drei Sitze hinter dem Mann gesessen und ein Glühen gesehen. Es habe nach Rauch gerochen, "dann sprang ein junger Mann von hinter mir auf ihn". Als nächstes habe es "sehr viel Panik gegeben". Als Abdulmutallab überwältigt wurde, habe er sich kaum gewehrt: "Er schien fassungslos, eher überrascht." Anderen Zeugen zufolge eilten Flugbegleiter mit Feuerlöschern heran, ein Mann versuchte, Flammen an Abdulmutallabs Fuß mit einer Decke zu löschen. "Es war schrecklich", sagte Richelle Keepman, die ebenfalls an Bord war. "Ich glaube, wir alle dachten, dass wir nicht landen würden, dass wir es nicht schaffen würden." Der Nigerianer erlitt schwere Verbrennungen, einige Passagiere wurden leicht verletzt.

Auch etliche Stunden nach dem Zwischenfall, der vom Weißen Haus als versuchter Terroranschlag gewertet wird, sind viele Fragen offen: Um was handelt es sich bei dem explosiven Gemisch genau? Stand der Mann tatsächlich auf einer Verdächtigenliste der Behörden, wie zunächst berichtet wurde - und wieso wurde dann nicht genauer auf ihn geachtet? Handelt es sich um einen Alleintäter oder war er im Auftrag der Qaida unterwegs? Und wie konnte er explosive Stoffe an Bord bringen? Haben die Kontrollen am Flughafen Schiphol in Amsterdam versagt? Erste Konsequenzen wurden in Schiphol bereits gezogen: Nach Angaben einer Sprecherin werden US-Reisende nun zusätzlich durchsucht.

Auch in Großbritannien wurden sämtliche britischen Fluggesellschaften, die in die USA fliegen, angewiesen, zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen zu treffen. Passagiere müssen sich auf verschärfte Kontrollen einstellen - und auf mögliche Verspätungen.

Umar Faruk Abdulmutallab soll als Ingenieursstudent am University College in London eingeschrieben gewesen sein - dafür spricht, dass Scotland Yard am Samstagmittag in der britischen Hauptstadt Häuser durchsuchte. Die Reise in die USA trat er in seiner Heimat Nigeria an. In Amsterdam wechselte er das Flugzeug, mit ihm gingen 288 Menschen an Bord des Airbus nach Detroit. Er habe lediglich ein One-Way-Ticket gehabt, heißt es. Sein Visum, bereits am 16. Juni 2008 ausgestellt, sei bis zum Juni 2010 gültig gewesen. Sein Name soll bereits in mindestens einer Datenbank des Geheimdienstes geführt worden sein, berichteten US-Medien, er habe aber nicht unter besonderer Beobachtung gestanden.

Nach dem langen Transatlantikflug versuchte Umar Faruk Abdulmutallab etwa 20 Minuten vor der Landung, den Sprengsatz zu zünden. Nach Erkenntnissen der Ermittler mischte der Mann zwei Komponenten zusammen: Puder und eine Flüssigkeit, die er offenbar in einer Spritze bei sich trug.

Nach Informationen von ABCNews und dem "Wall Street Journal" gab der Nigerianer bei Verhören an, im Auftrag des Terrornetzwerks zu handeln. Er habe den Sprengsatz im Jemen erhalten, ebenso die Anweisungen, wie und wo die Substanz zu mischen sei. Die Behörden haben die Informationen bislang nicht bestätigt. "Wer weiß, ob das stimmt", wird ein hochrangiger Behördenvertreter im "Wall Street Journal" zitiert. CNN berichtet, dass es nach ersten Verhören eher nach dem Werk eines Einzeltäters aussehe. Abdulmutallab erzähle dem FBI "eine Menge", zitierte der Sender einen namentlich nicht genannten Regierungsvertreter. Es gebe aber bisher keine Hinweise, dass der Mann wirklich Kontakte zu organisierten Terrorgruppen habe. "Es ist noch zu früh, zu sagen, welche Verbindungen er hat", zitierte die "New York Times" einen Anti-Terror-Fahnder. "Zum jetzigen Zeitpunkt sieht es so aus, als habe er allein gehandelt, aber wir sind uns noch nicht sicher." Die Behauptung des Nigerianers, mit der Qaida in Verbindung zu stehen, "könnte auch einem Wunschdenken entsprechen".

Das Intel-Institut in Washington, das sich auf die Auswertung von terroristischen Internetseiten beschäftigt, sprach von einem "ernsthaften terroristischen Anschlagversuch". Der Täter habe offensichtlich Verbindungen zu Qaida-Organisationen im Jemen und in Nordafrika unterhalten, hieß es. Falls sich dies bestätigten sollte, wäre es der zweite Anschlagsversuch auf ein US-Flugzeug zu Weihnachten seit 2001. Damals hatte der später als "Turnschuhbomber" bekannt gewordene Brite Richard Reid auf dem Flug von Paris nach Miami versucht, einen in seinem Schuh versteckten Sprengsatz zu zünden. Er wurde von der Flugzeugbesatzung und Passagieren überwältigt und im Januar 2003 von einem US-Gericht zu lebenslanger Haft verurteilt.

US-Präsident Barack Obama ordnete von seinem Ferienort auf Hawaii aus verstärkte Sicherheitsmaßnahmen an. Am internationalen Flughafen von Los Angeles, einem der größten in den USA, wurde der Ablauf nach dem Bekanntwerden des versuchten Anschlags nicht beeinflusst. Es seien keine zusätzlichen Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden, sagte ein Sicherheitsbeauftragter des Flughafens. Die Flugzeuge starteten und landeten ohne Verspätung.

jul

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insgesamt 42 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
26.12.2009 von Berta: Na na

Das sagen sie mal den 8500 Quellemitarbeitern,denen per Telefon gekündigt wurde. Sie selbst sitzen wohl in ner warmen Amtstube. mehr...

26.12.2009 von ischrock:

Ja natürlich fliegt Northwest seit Jahren diese Strecke, im Verbund mit KLM. Das ändert nichts an der Tatsache, dass Delta auf dem Flugzeug steht und Delta eigentlich keine Airbusse fliegt, das Nortzwest-Flugzeug also zielsicher [...] mehr...

26.12.2009 von gaga007:

Da wird nichts "zugeschoben" - es wird nur die Wahrheit ausgesprochen ! mehr...

26.12.2009 von TheBear: Verschiedene Arten von Terrorismus

Nicht ganz neu, aber der Artikel zeigt ja, dass der hier erwähnte Nigerianer ein recht harmloser Bursche war, im Vergleich zu den Oel-Multis. Ich will hier keinesfalls "echten" Terrorismus verteidigen (schon weil [...] mehr...

26.12.2009 von Berta: Quatsch

- Leistung - Qualifikation - Flexibilität Das habe ich schon mal irgendwo gelesen. Das wird doch jeden Tag in den Medien runtergeleiert. So schiebt man den schwarzen Peter den Arbeitlosen zu. mehr...

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