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26.12.2009
 

Anschlag auf Northwest-Airlines-Jet

Terrorplot mit Fragezeichen

Von Yassin Musharbash

Umar Farouk Abdulmutallab behauptet, er habe im Auftrag der Terrorgruppe al-Qaida Sprengstoff in einem US-Jet gezündet. Doch wie plausibel sind seine Aussagen? Eine erste Analyse.


Berlin - Auf den ersten Blick scheint es, als passten alle Puzzleteile zusammen: Wenige Tage nachdem ein Qaida-Führer im Jemen versichert hat, der "Feind Nummer eins" des Terrornetzwerks seien die USA, versucht ein 23-jähriger Mann, ein US-Flugzeug während des Anfluges auf Detroit in die Luft zu sprengen. Den Sprengstoff, so heißt es unter Berufung auf einen anonymen US-Ermittler, will er im Jemen bekommen haben - ebenso wie die Instruktionen für den gerade noch vereitelten Anschlag.

Handelte der junge Nigerianer Umar Farouk Abdulmutallab also im Auftrag al-Qaidas? War der Plot damit ein weiterer Versuch wie der des "Schuhbombers" Richard Reed, den zivilen Luftverkehr zu attackieren? Und ist er zugleich ein weiteres Indiz dafür, dass al-Qaida danach trachtet, Flugzeuge zu sprengen oder als Waffen zu benutzen?

Sicher ist zu diesem Zeitpunkt nur eines: Dass gar nichts sicher ist.

Es ist zu früh, um sich darauf festzulegen, dass Abdulmutallab in irgendjemandes Auftrag handelte - oder ein Einzeltäter war. Der nach seinem Zündungsversuch festgenommene Nigerianer erzähle dem FBI "eine Menge", sagte ein US-Beamter laut CNN am Samstag. Das kann auch heißen: eine Menge Unsinn.

Jemen-Connection ist plausibel - aber unbewiesen

Zweifelsohne würde ein von al-Qaida beorderter Anschlagsversuch auf eine US-Passagiermaschine ins Muster passen. Die Parallelen zum Plot des "Schuhbombers" Reed, der 2001 ebenfalls in der Weihnachtszeit ein Flugzeug zum Absturz bringen wollte, sind unverkennbar.

Es wäre auch vorstellbar, dass zu diesem Zweck die Qaida-Filiale im Jemen eingeschaltet wird. Vor einem Jahr hat sie sich mit der Filiale in Saudi-Arabien vereinigt. Sie verfügt über erfahrene Kader, die zum Teil noch zur ersten Generation von Afghanistan-Veteranen zählen. Sie hat bereits mehrfach westliche Geiseln genommen, zudem die US-Botschaft in Sanaa angegriffen und sich in ihren zahlreichen Publikationen den äußerst aggressiven anti-amerikanischen Spin der saudischen Kampfgefährten zu eigen gemacht.

Erst Mitte Dezember wurden mutmaßliche Trainingslager al-Qaidas im Jemen mit Cruise Missiles beschossen - die USA haben das zwar nicht offiziell kommentiert, aber es ist klar, dass sie dahinter steckten. Etliche Terroristen sollen dabei getötet worden sein. Ein Motiv für Vergeltung gäbe es also in jedem Fall.

Offene Fragen zuhauf

Aber es gibt auch Fragezeichen:

Zum einen schickt al-Qaida für derartig bedeutende Operationen, wie es der Absturz eines Passagierjets wäre, in aller Regel keinen einzelnen Attentäter. Das widerspricht den bestehenden Regeln für Terroranschläge - und ist ein mögliches Indiz für einen Einzeltäter.

Zum zweiten weiß man noch zu wenig über die Vergangenheit des mutmaßlichen Attentäters. Es gebe keine Hinweise darauf, dass er ein ausgebildeter Terrorist sei, heißt es aus US-Geheimdienstkreisen. Wohl aber tauche sein Name in Datenbanken auf, in denen Personen geführt werden, die dubioser Kontakte zu Extremisten bezichtigt werden.

Die Jemen-Connection ist auf den ersten Blick einleuchtender als auf den zweiten. Denn solch ein Anschlagsversuch bedarf eines zeitlichen Vorlaufs, und der dürfte etliche Wochen, wenn nicht Monate betragen.

Zudem ist unklar, ob die Tatsache, dass Abdulmutallab seine Reise in Nigeria begann und selbst dorther stammt, womöglich eine Rolle spielt. In Nigeria gibt es islamistische Bewegungen, die sich al-Qaida nahe fühlen. Innerhalb der Qaida haben Nigerianer aber bislang praktisch keine Rolle gespielt.

Und schließlich darf nicht unterschlagen werden, dass zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal der unterstellte islamistische Hintergrund des Plots belegt ist. Außer einigen kolportierten Äußerungen Abdulmutallabs liegen keine öffentlich bekannten Hinweise dafür vor. Auf den Websites, auf denen sich Dschihadisten und Qaida-Fans austauschen, reagieren die Terrorfans bisher noch entsprechend verhalten. Ein Bekennerschreiben gibt es nicht.

Welche Schlüsse lassen sich also ziehen?

Relativ zügig dürfte sich nun überprüfen lassen, ob der Nigerianer selbst im Jemen war. Danach wird man seine übrigen Aussagen besser einschätzen können.

Stellt sich heraus, dass er ein islamistisch motivierter Einzeltäter war, wirft der Fall zwei Schlaglichter: Zum einen kann man ihn dann als weiteren Fall eines "leaderless Jihad" werten, ein Phänomen, dass einige Analysten als die größte Bedrohung sehen. Zum zweiten würde der Fall eindrucksvoll belegen, wie ein solcher Plot über Kontinente hinweg geboren werden kann: Ein Student in London, der sich im Jemen Sprengstoff besorgt, um dann von Nigeria aus über Amsterdam in die USA zu reisen.

Ergeben sich hingegen harte Hinweise darauf, dass Abdulmutallab tatsächlich im Auftrag al-Qaidas, der jemenitischen Filiale oder einer anderen militanten Organisation handelte, würde der vereitelte Plot eine Reihe anderer Thesen stärken: Es wäre ein neuer Beleg für al-Qaidas Flugzeugbesessenheit; zweitens ein Hinweis auf deutlich gesunkene Kapazitäten der Terroristen, was internationale Operationen angeht, denn für einen echten Anschlag der Qaida-Zentrale wäre er ziemlich dilettantisch; drittens freilich wäre es zugleich ein beunruhigender Vorgang, wenn al-Qaida unbemerkt einen nigerianischen Studenten in London rekrutieren und mit Sprengstoff versorgen könnte.

Peter Neumann, Terrorexperte am Londoner King's College, fasst die Ungereimtheiten des Falles in seinem Blog so zusammen: "Es bleibt das (mittlerweile bereits bekannte) Dilemma zu entscheiden, ob es ein Qaida-Anschlagsversuch war oder nicht. Wer hat ihn rekrutiert und ausgestattet? Wer dirigierte die Operation? Es scheint einigermaßen unwahrscheinlich, dass er all dies alleine organisiert hat, aber der Grad und das Ausmaß, zu dem al-Qaida beteiligt war, wird noch eine Weile eine umstrittene Frage bleiben."

Es bleibt freilich noch eine letzte Option: dass der mutmaßliche Attentäter geistig verwirrt ist. Dann wäre die entscheidende Frage vermutlich die, wie konnte er Sprengstoff überhaupt in das Flugzeug schmuggeln. Allerdings besteht noch keine Klarheit darüber, wie gefährlich der Stoff tatsächlich war - und ob die Maschine überhaupt hätte vom Himmel geholt werden können.

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10.01.2010 von cosmo72: Widersprüche - sehr lesenswert!

irgendwie stank da von Anfang an einiges ... http://hintergrund.de/index.php/globales/terrorismus/ist-der-taeter-ein-opfer-der-geheimdienste-zum-vereitelten-anschlag-auf-den-flug-253.html Ist der Täter ein Opfer der [...] mehr...

10.01.2010 von Rainer Helmbrecht: .

Sie können den Staatlichen Stellen schon glauben. Wenn da etwas nicht stimmt, dann werden diese Ermittlungsergebnisse einfach als Geheim eingestuft und nicht veröffentlicht. Denken Sie mal an die Ermittlungsakten über die RAF [...] mehr...

10.01.2010 von aldano: Ereignis mit Synergieeffekt

Yassin Musharbash fordert auf zum Zweifel, an dem Ereignis, das den Synergieeffekt in sich birgt, als Verdaungshilfe für die Ausweitung des Kriegs auf den Jemen zu wirken. Das, obwohl ein Bekennerschreiben vorliegt, das als [...] mehr...

27.12.2009 von ofelas: how bizarr

Er kommt aus einer reichen Familie, wohnte in einer Wohnung die 2 Millionen Pfund gekostet hat, studierte an eine renommierten Univeristaet (Ingeniuer). Sein eigener Vater hatte die Behoerden mehrfach auf die Wandlung zum [...] mehr...

27.12.2009 von ischrock: *

Der Nigerianer soll Einreiseverbot nach Großbritannien gehabt haben. In den USA stand er auf einer "schwarzen Liste". Kann man von einem Deal mit ihm ausgehen? Du spielst den nützlichen Idioten - wir verschaffen Dir ein [...] mehr...

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