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26.12.2009
 

Vereiteltes Flugzeugattentat

Brüssel überprüft Sicherheitsregeln in Europa

US-Regierung, Fluggesellschaften und die EU-Kommission sind zutiefst besorgt: Beim Landeanflug auf Detroit hat ein Passagier versucht, ein Flugzeug in die Luft zu sprengen. Sein Plan scheiterte, doch viele Airports verschärfen nun ihre Sicherheitsvorkehrungen.


Detroit/Brüssel/Washington - Am Mittag des ersten Weihnachtstages hat ein 23-jähriger Student aus Nigeria versucht, einen Airbus von Northwest Airlines zum Absturz zu bringen. Er zündete eine explosive Substanz, die er unter seinen Kleidern verborgen hatte. Passagiere konnten den Mann überwältigen - der Plan misslang.

Der Nigerianer war zunächst von Lagos mit der niederländischen Fluglinie KLM nach Amsterdam und dann mit der US-Airline auf Flug 253 weiter Richtung Detroit geflogen - und hat damit zweimal Sicherheitskontrollen passiert. "Ich bin entsetzt über die versuchte Terrorattacke", erklärte EU-Innen- und Justizkommissar Jacques Barrot in einer am Samstag in Brüssel verbreiteten Mitteilung.

Die EU-Kommission untersucht jetzt, ob alle Sicherheitsregeln in Europa eingehalten wurden. Die EU-Behörde sei mit den verantwortlichen Stellen in den Niederlanden und in den USA in Kontakt. Der Vorfall zeige, dass man im Kampf gegen den Terrorismus wachsam bleiben müsse. Am Flughafen Amsterdam-Schiphol wollte eine Polizeisprecherin keinen Kommentar zu dem Sicherheitskontrollen für den Flug 253 abgeben. Schiphol ist einer der größten Verkehrsdrehkreuze Europas.

Ein Sprecher der Flughafenbehörde von Nigeria sagte, alle Passagiere und ihr Gepäck würden vor dem Boarding internationaler Flüge überprüft. Der Flughafen von Lagos habe gerade im November eine Überprüfung durch die US-Verkehrssicherheitsbehörde bestanden: "Wir sind auf dem neuesten Standard in allen Bereichen."

US-Präsident Barack Obama ordnete von seinem Ferienort auf Hawaii aus verstärkte Sicherheitsmaßnahmen an. Am internationalen Flughafen von Los Angeles, einem der größten in den USA, wurde der Ablauf nach dem Bekanntwerden des versuchten Anschlags nicht beeinflusst. Es seien keine zusätzlichen Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden, sagte ein Sicherheitsbeauftragter des Flughafens.

Flughäfen in Großbritannien, Frankreich, Italien, Spanien und den Niederlanden haben auf eine formale Aufforderung der US-Behörden hin inzwischen ihre Sicherheitsvorkehrungen verschärft oder planen, es im neuen Jahr zu tun. Passagiere müssen sich auf verschärfte Kontrollen einstellen - und auf mögliche Verspätungen. Die Fluglinie Air Canada teilte mit, Passagieren dürften künftig in der letzten Stunde vor der Landung nicht mehr ihre Sitze verlassen. Das deutsche Innenministerium teilte mit, dass zusätzliche Maßnahmen erwogen werden, aber bisher nicht angeordnet wurden.

Augenzeuge: Er erschien eher fassungslos

Northwest-Airlines-Flug 253 befand sich am Freitagmittag (Ortszeit) bereits im Landeanflug auf die US-Metropole Detroit, als sich die Ereignisse überstürzten: Der Nigerianer Umar Farouk Abdulmutallab entzündete eine Substanz, die er offenbar unter seiner Hose versteckt am Körper getragen hatte. Ein Knall, Rauch, Feuer - dann stürzte sich einer der Passagiere auf den mutmaßlichen Terroristen und überwältigte ihn.

Nach Erkenntnissen der Ermittler mischte der Mann 20 Minuten vor der geplanten Landung zwei Komponenten zusammen: ein Puder und eine Flüssigkeit, die er offenbar in einer Spritze bei sich trug. Wie ein Mitarbeiter des Heimatschutzministeriums sagte, sei die Substanz "eher brennbar als explosiv" gewesen. Offenbar habe der Täter das Flugzeug in Brand stecken wollen.

Fluggast Syed Jafri, ein US-Bürger, der aus den Emiraten heimflog, sagte Reportern, er habe drei Sitze hinter dem Mann gesessen und ein Glühen gesehen. Es habe nach Rauch gerochen, "dann sprang ein junger Mann von hinter mir auf ihn". Als nächstes habe es "sehr viel Panik gegeben". Als Abdulmutallab überwältigt wurde, habe er sich kaum gewehrt: "Er schien fassungslos, eher überrascht."

Anderen Zeugen zufolge eilten Flugbegleiter mit Feuerlöschern heran, ein Mann versuchte, Flammen an Abdulmutallabs Körper mit einer Decke zu ersticken. "Es war schrecklich", sagte Richelle Keepman, die ebenfalls an Bord war. "Ich glaube, wir alle dachten, dass wir nicht landen würden, dass wir es nicht schaffen würden." Der Nigerianer erlitt schwere Verbrennungen, einige Passagiere wurden leicht verletzt.

Umar Farouk Abdulmutallab soll als Ingenieursstudent am University College in London eingeschrieben gewesen sein - Scotland Yard durchsuchte am Samstagmittag in der britischen Hauptstadt ein Haus, in dem der junge Mann gewohnt haben soll. Er habe lediglich ein One-Way-Ticket gehabt, heißt es. Sein Visum, bereits am 16. Juni 2008 ausgestellt, sei bis zum Juni 2010 gültig gewesen.

Sein Name soll in mindestens einer Datenbank des Geheimdienstes geführt worden sein, berichteten US-Medien, er habe aber nicht unter besonderer Beobachtung gestanden. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur AP war der US-Anti-Terror-Behörde seit mindestens zwei Jahren bekannt, dass Abdulmutallab im Verdacht steht, terroristische Verbindungen zu haben. Auf der Liste stünden insgesamt gut 550.000 Namen.

Abdulmutallab: Im Auftrag eines Terrornetzwerkes

Nach Informationen von ABCNews und dem "Wall Street Journal" gab der Nigerianer bei Verhören an, im Auftrag des Terrornetzwerks al-Qaida zu handeln. Er habe den Sprengsatz im Jemen erhalten, ebenso die Anweisungen, wie und wo die Substanz zu mischen sei. Die Behörden haben die Informationen bislang nicht bestätigt. "Wer weiß, ob das stimmt", wird ein hochrangiger Behördenvertreter im "Wall Street Journal" zitiert. CNN berichtet, dass es nach ersten Verhören eher nach dem Werk eines Einzeltäters aussehe. Abdulmutallab erzähle dem FBI "eine Menge", zitierte der Sender einen namentlich nicht genannten Regierungsvertreter. Es gebe aber bisher keine Hinweise, dass der Mann wirklich Kontakte zu organisierten Terrorgruppen habe.

"Es ist noch zu früh, zu sagen, welche Verbindungen er hat", zitierte die "New York Times" einen Anti-Terror-Fahnder. "Zum jetzigen Zeitpunkt sieht es so aus, als habe er allein gehandelt, aber wir sind uns noch nicht sicher." Die Behauptung des Nigerianers, mit der Qaida in Verbindung zu stehen, "könnte auch einem Wunschdenken entsprechen".

jul/abl/ssu/APD/AFP/dpa

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