Port-au-Prince - "Unser Haus ist eines der besten in Haiti", heißt es auf der Webseite des "Montana"-Hotels, "es ist die erste Wahl, wenn Sie eine Unterkunft suchen, die alle Ihre Wünsche vollauf befriedigt."
Seit drei Tagen ist das "Montana" eine Trümmerwüste. Das einstige Luxushotel mit Blick auf grüne Hügel und das Panorama von Port-au-Prince, das seinen Gästen großzügig geschnittene Suiten, Marmorbäder und Frühstücksarrangements auf Balkonen mit atemberaubender Aussicht bot, begrub 200 Menschen unter sich, als am Dienstag in Haiti die Erde bebte.
Einem chilenischen Einsatzteam gelang es nun, drei Tage später, 23 Menschen lebend unter dem Schutt hervorzuziehen.
Die Gruppe aus Chile sei in der Nacht zum Freitag mit Spürhunden in Port-au-Prince eingetroffen und habe dort zusammen mit anderen ausländischen Helfern am Hotel Montana nach Überlebenden gesucht, sagte der Leiter der chilenischen Einsatzkräfte, Juan Gabriel Valdes, dem Radiosender Cooperativa. Die Rettung der 23 Menschen sei "zweifellos ziemlich außergewöhnlich", sagte er.
Rettungskräfte aus Frankreich und den USA konnten bereits zuvor ein dutzend Menschen aus den Trümmern befreien.
Den internationalen Hilfsorganisationen gelingt es allmählich, sich einen Überblick über das Ausmaß der Zerstörung zu verschaffen. 50 Prozent der Gebäude in der Hauptstadt Port-au-Prince seien zerstört, sagte Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon.
Wie viele Opfer es gegeben hat, ist weiter unklar. Nach offiziellen haitianischen Angaben sind bis zu 140.000 Menschen ums Leben gekommen. Etwa 50.000 Leichen seien bereits bestattet worden, teilte die Regierung mit. Weitere 100.000 Tote würden noch unter den Trümmern befürchtet. Der haitianische Innenminister Paul Antoine Bien-Aimé sprach davon, dass die Zahl der Todesopfer bei über 200.000 liegen könnte.
Die größte Sorge der Regierung sei ein Anstieg der Gewalt. Es würden immer mehr Straßenbanden durch die verwüstete Hauptstadt Port-au-Prince ziehen. Drei Tage nach dem verheerenden Erdbeben ist die Verzweiflung der Menschen über die nur schleppend anlaufende Hilfe in offene Wut umgeschlagen. In Port-au-Prince errichteten Haitianer Straßensperren aus Leichen, um auf ihre Lage aufmerksam zu machen.
USA entsenden 10.000 Soldaten nach Haiti, Clinton am Wochenende erwartet
560 Millionen Dollar, umgerechnet rund 389 Millionen Euro, würden benötigt, sagte Uno-Nothilfekoordinator John Holmes, um den Erdbebenopfern Nahrungsmittel, medizinische Hilfe, Wasser und Zelte zukommen zulassen.
Die Sicherheitslage in Haiti ist prekär, die Menschen hungern, viele plündern, es kommt zu Tumulten. Die US-Regierung reagiert - und verstärkt die Truppenpräsenz in dem verwüsteten Land erheblich.
Bis Montag sollen 10.000 Soldaten in das Krisengebiet geschickt werden - dieses Kontingent könne nochmals aufgestockt werden, sagte Generalstabchef Michael Mullen am Freitag in Washington. Zusätzlich zu den bislang schon in Haiti eingesetzten Soldaten seien sechs Schiffe nach Haiti unterwegs, um Personal und Hilfsgüter anzuliefern. Zunächst würden aber nicht alle Soldaten haitianischen Boden betreten, betonte Admiral Mullen: Ein Teil von ihnen werde auf Schiffen vor der Küste der Karibikrepublik verbleiben.
Bisher sind erst 4200 US-Soldaten in Haiti angekommen, übers Wochenende soll sich diese Zahl auf rund 8500 verdoppeln, hieß es beim Briefing des US-Südkommandos Southcom in Miami. SPIEGEL ONLINE erfuhr außerdem aus Militärkreisen, dass das Lazarettschiff "Comfort", das am Samstag in Baltimore abfährt, erst ungefähr in einer Woche vor Haiti ankommen dürfte.
"Dies ist wirklich eine monumentale Herausforderung", sagte Southcom-Kommandeur US-General Douglas Fraser SPIEGEL ONLINE. "Wir werden uns ihr stellen, wie es nötig ist." Zur Stunde würden die ersten Hilfsgüter und Medikamente von Helikopter in Port-au-Prince abgesetzt. Fraser widersprach Aufruhr-Meldungen und sagte, dass die Sicherheitslage in Haiti stabil sei: "Die Situation ist weiter ruhig."
Der riesige US-Flugzeugträger "Carl Vinson" hat Haiti bereits erreicht. Das Kriegsschiff hat 5700 Mann Besatzung, 19 Hubschrauber, eine Trinkwasseraufbereitungsanlage und tonnenweise Versorgungsgüter an Bord. Am Wochenende sollen schon mehr als 6000 Angehörige der US-Streitkräfte in Haiti oder zumindest in Küstennähe sein.
Auch US-Außenministerin Hillary Clinton kündigte an, am Wochenende nach Haiti zu fliegen, um sich selbst ein Bild vom Ausmaß der Erdbebenkatastrophe zu machen. Außerdem wolle sie sich über den Stand der amerikanischen Hilfsbemühungen informieren. Geplant ist demnach auch ein Gespräch mit dem haitianischen Präsidenten René Préval. Clinton hatte wegen des verheerenden Erdbebens am Dienstag eine Asien- und Pazifikreise abgebrochen und war nach Washington zurückgekehrt, um die US-Hilfe zu koordinieren.
Die US-Regierung hat außerdem die Abschiebung von illegal eingereisten Flüchtlingen aus dem Karibikstaat gestoppt. Heimatschutzministerin Janet Napolitano teilte mit, die Duldung gelte für alle Menschen aus Haiti, die sich bereits in den USA befänden. Sie haben damit das Recht, 18 Monate lang in den USA zu bleiben und dort zu arbeiten. Die Entscheidung sei aus humanitären Gründen getroffen worden, sagte Napolitano. Nach Angaben ihres Ministeriums gibt es 30.000 Haitianer, die sich illegal in den USA aufhalten.
Tote mit Radladern in Lastwagen gekippt
In Haiti sind nach Angaben von Unicef insbesondere Kinder von Krankheiten wie Typhus und Cholera, Malaria und Dengue-Fieber bedroht. "Drei Tage und noch immer keine Hilfe. Ich verstehe einfach nicht, was da los ist", sagte ein aufgebrachter Mann einem Fernsehsender.
Nach Uno-Angaben werden vor allem Ärzte und Krankenschwestern, aber auch Leichensäcke dringend benötigt.
Als Nadelöhr für die Helfer erwies sich erneut der völlig überlastete Flughafen von Port-au-Prince, wo einige Flugzeuge mit Helfern und Hilfsgütern abgewiesen werden mussten. So musste unter anderem eine mexikanische Maschine mit einer Trinkwasseraufbereitungsanlage wieder umkehren. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, dass Haiti die Kontrolle über den Flughafen vorübergehend an die USA übertragen habe, um die Hilfsarbeiten zu beschleunigen.
Korrespondenten internationaler Fernsehsender berichteten, selbst in unmittelbarer Nähe des Flughafens seien immer noch traumatisierte Menschen ohne Nahrung, Wasser oder medizinische Hilfe. Über die Lage außerhalb von Port-au-Prince gab es keine verlässlichen Angaben. Vor allem aus dem Süden des Landes wurden schwere Zerstörungen gemeldet.
Helfer befürchten wachsende Spannungen und Ausschreitungen, sollten Trinkwasser, Lebensmittel und Medikamente nicht unverzüglich die verzweifelten Überlebenden erreichen.
Nach Berichten des US-Senders CNN wurden massenweise Tote von den Straßen gesammelt und mit Radladern in große Lastwagen gekippt. Auch der Leiter der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen in Haiti, Stefano Zannini, sprach von "dramatischen Szenen". Den Verletzten müsse dringend geholfen werden. Sie suchten zu Tausenden medizinische Hilfe, sagte Zannini. Da es an Lebensmitteln mangele und auch Benzin für den Transport fehle, verschlimmere sich die Lage.
pad/mpi/otr/AFP/dpa/Reuters
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Die Bojen sind für die Funktion des Systems nicht essentiell, wie hier schon festgestellt wurde. Um es nochmal zu erklären: ein seismisches Messnetz, das völlig unabhängig von den Bojen ist, entscheidet, ob eine Tsunami [...] mehr...
kein Alarm-ohne Bojen ist das System nutzlos, die Boje sind die Datenübermittler, aber ein solches SYstem zu installieren ist Käse, wenn man nicht entsprechendes Wartungspersonal hat, bei 100.000.000 € hät ich neben jeder Boje [...] mehr...
Da das Schaubild nur die Bojen zeigt und nicht den wesentlich größeren Rest des Systems ist das ein wenig schwierig. Im Prinzip wird anhand verschiedener seismischer Messungen die Bewegung des Meeresbodens abgeleitet und daraus [...] mehr...
wenn Sie an hand des Schaubildes mal erklären würden, wie das System ohne Bojen funktioniert ! [...] mehr...
Ist aber nicht so schlimm wie es sich anhört. Das System funktioniert auch ohne die Bojen. Möglicherweise gibt es mehr Fehlalarme. mehr...
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