Von Julia Jüttner
Hamburg - Thomas Jung glaubte zunächst an einen Scherz. Eine Frau hatte den Oberbürgermeister von Fürth angerufen und gefragt, ob sie ihm ein paar Goldbarren schenken dürfe. Jung, ein gewissenhafter, nüchterner Jurist, informierte vorsorglich die örtliche Sparkasse, die solle zum vereinbarten Übergabetermin einen Mitarbeiter schicken.
Und tatsächlich spazierte am vergangenen Mittwoch um 13 Uhr eine Fürtherin in Begleitung ihres Sohnes ins Rathaus der mittelfränkischen Stadt, in der Hand eine schmale, schwarze Aktentasche, darin vier Kilo Gold. Die glänzenden Barren - fünf à 500 Gramm, sechs à 250 Gramm - legte sie auf Jungs Tisch und bat ihn um Geheimhaltung, was ihre Person angeht.
Es sei "der richtige Zeitpunkt", der Stadt das Gold zu spenden, sagten die aus Hessen zugezogenen Wahl-Fürther. Man fühle sich seit Jahren wohl in der neuen Heimat. Nun sei es an der Zeit, etwas zurückzugeben. Der Goldwert sei in den vergangenen zehn Jahren um 280 Prozent gestiegen, so dass man es nun ideal dazu verwenden könne, im Rahmen sozialer Projekte Notlagen zu mildern oder es zur Förderung der Baukultur einzusetzen.
Jung war zunächst sprachlos. "Ich war verblüfft. Ich hatte die Chance, dass die Anrufer tatsächlich mit Gold hier erscheinen würden, für nicht übertrieben hoch eingeschätzt", sagt der 48-Jährige. Er habe sich gefreut, sich "höflich" bedankt und natürlich gefragt, ob sich die Stadt mit einer Ehrung erkenntlich zeigen könne. Doch die Spender wollen anonym bleiben.
Es handle sich um eine "ganz normale Familie aus einem ganz normalen Wohngebiet", sagt der Bürgermeister, "unauffällige, bescheidene, sympathische Leute". Wie viele Goldbarren sie noch besitzen und woher sie stammten, weiß Jung nicht. "So etwas fragt man ja auch nicht."
100.000 Euro in Gold - für "Familien, die es hart getroffen hat"
Ein Kilo habe derzeit einen Marktwert von rund 27.000 Euro. Die Barren lagern nun im Safe der Fürther Sparkasse und sollen im Februar zum Marktpreis verkauft werden. Dann, so haben ihm sowohl die Spender als auch Finanzexperten geraten, sei der Zeitpunkt für einen Verkauf optimal, sagt Oberbürgermeister Jung.
Das Geld soll in gemeinnützige Einrichtungen investiert werden. Die Insolvenz von Quelle habe in Fürth 2000 Menschen den Arbeitsplatz genommen, konstatiert Jung. "Viele Familien hat es äußerst hart getroffen, denen soll das Geld zugute kommen."
Mit der letzten Spende in dieser Höhe, von einer Baufirma aus Fürth anlässlich deren 60. Betriebsjubiläums, habe man Kindern, deren Eltern Hartz IV beziehen, die Mitgliedschaft in Sportvereinen ermöglichen können.
Spenden von Privatleuten dagegen seien selten, sagt Jung. Und dass im Rathaus Gold abgegeben worden sei, sei wohl zuletzt kurz nach dem Zweiten Weltkrieg passiert. Doch außergewöhnliche Subventionen kämen durchaus alle paar Jahre vor.
So habe 2007 ein Mann einen Scheck über mehr als 2000 Euro - die genaue Zahl liegt dem Bürgermeister gerade nicht vor - vorbeigebracht. Er wolle pünktlich zu seinem 80. Geburtstag seine Schulden bei der Stadt begleichen, begründete er seinen finanziellen Beitrag. Die Summe sei nach seiner Berechnung sein persönlicher Anteil am Schuldenaufkommen der Stadt. Er habe den Betrag durch die Anzahl an Einwohnern geteilt und wolle mit der Stadt "im Reinen" sein.
Ein pensionierter Schulrektor überließ der Stadt 100.000 Euro für die Ausstattung des neuen Museums. Ein älteres Ehepaar habe bereits angekündigt, im Fall seines Ablebens Fürth eine Summe in ähnlicher Größenordnung für den Stadtpark zu hinterlassen.
Dennoch handle es sich bei der Goldbarren-Übergabe mit Abstand um "eine der bisher ungewöhnlichsten privaten Gaben", so Jung. Glückliches Fürth.
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Falsch, Sie Unwissender! Sicher ist der eigentliche Besitz bzw Eigentum von Gold nicht steuerpflichtig, wohl aber interessiert es die Finanzbehörden, woher das Gold stammt und aus welchen Finanzmitteln es erworben wurde. Ich [...] mehr...
Laut Finanzministerium de facto alle. Bei den Spitzenverdienern konvergiert der Grenzsteuersatz gegen den Spitzensteursatz. Man muß mal mit den Legenden aufhören und sich den Tatsachen zuwenden. mehr...
Goldvermögen muß nicht registriert werden, genauso wenig wie anderes Vermögen. Wer von versteuertem Einkommen Gold kauft, kann damit tun, was er will. mehr...
Wie viele der Bürger mit gehobenen Einkommen zahlen denn netto wirklich 42% Lohnsteuer? Oft gibt es schließlich gerade bei den gehobenen Einkommen viele Möglichkeiten, gewisse Ausgaben steuerlich abzusetzen. Und wer zwar einen [...] mehr...
Ich bin überzeugt, daß es nun im Fürther Finanzamt ein paar Steuereintreiber gibt, die sich fragen, woher stammt das Gold und wieviel unregistriertes Goldvermögen hat der anonyme Spender noch. Es würde mich nicht wundern, wenn [...] mehr...
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