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20.01.2010
 

Zwischenfall bei Sicherheitskontrolle

Sprengstoffverdacht legt Münchner Flughafen-Terminal lahm

Flüge wurden gestrichen, tausend Passagiere saßen fest: Weil beim Laptop eines Passagiers die Sicherheitsgeräte Sprengstoffalarm auslösten, wurden Teile des Münchner Flughafens München stundenlang gesperrt. Am Abend gab die Bundespolizei Entwarnung.


München - Für drei Stunden herrschte an diesem Mittwoch Ausnahmezustand am Flughafen München: Beim Check eines Computers hatten Sicherheitsgeräte im Terminal 2 Sprengstoffalarm ausgelöst. Die Polizei sperrte vorübergehend große Teile des Gebäudes und stoppte Flugzeuge vor dem Start. Am Abend gab die Bundespolizei dann Entwarnung und den Airport wieder frei: "Rein prophylaktisch" seien so harte Maßnahmen ergriffen worden, sagte ein Sprecher.

Der Zwischenfall bedeutete für etliche Fluggäste erhebliche Beeinträchtigungen. 33 Flüge wurden nach Angaben eines Flughafensprechers annulliert, bei 100 weiteren kam es zu Verspätungen. Am Abend warteten noch immer rund 1000 Passagiere auf ihren Abflug. Zwanzig Flugzeuge seien ohne die im Flughafengebäude wartenden Passagiere aufgebrochen, da die Maschinen wieder in Umlauf gebracht werden mussten, so ein Sprecher. Der Flugverkehr werde sich im Laufe des Abends erst langsam wieder normalisieren, hieß es.

Die Fahndung nach dem Verdächtigen verlief bisher erfolglos. "Wir konnten den Mann bisher trotz Auswertungen eines Überwachungsvideos nicht identifizieren", sagte ein Sprecher der Bundespolizei SPIEGEL ONLINE. Sprengstoffexperten und Spürhunde waren im Einsatz. "Wir haben alles überprüft, und alles ist sicher", sagte der Sprecher. Es habe sich zu keinem Zeitpunkt tatsächlich ein Objekt mit Sprengstoff auf dem Flughafengelände befunden. Das Gerät reagiert nach Angaben der Bundespolizei bei den Sicherheitskontrollen durchaus auch auf andere Stoffe, etwa Parfums. Die Polizei hielt auch einen Fehlalarm für wahrscheinlich.

Zu dem Zwischenfall war es gegen 15.30 Uhr gekommen. Vermutlich habe es sich bei dem Passagier mit dem Laptop um einen Geschäftsmann gehandelt, der wohl auf den letzten Drücker sein Flugzeug erreichen wollte, sagte der Sprecher der Bundespolizei am Münchner Flughafen, Albert Poerschke. Der Mann habe nach dem Anschlagen der Sicherheitskontrolle wahrscheinlich nicht mitbekommen, dass er zum Bleiben und einer näheren Kontrolle aufgefordert wurde.

Poerschke sagte, der bisher nicht identifizierte Mann habe sich zwar eilig von den Kontrollen entfernt. Er sei aber keineswegs wie ein Flüchtender unterwegs gewesen, sondern habe wohl schlicht sein Flugzeug erreichen wollen. Entgegen erster Angaben nahm er den Computer mit, so dass dieser auch nicht weiter kontrolliert werden konnte.

Seit dem vereitelten Anschlag auf eine Maschine der North West Airlines nach Detroit an Weihnachten sind die Sicherheitskräfte an Flughäfen alarmiert. Anfang Januar hatte eine Sicherheitspanne den Flughafen Newark lahm gelegt: Ein Unbekannter war unbefugt in die Sicherheitszone vorgedrungen. Der Hintergrund entpuppte sich schließlich als harmlos: Der Mann wollte einer Frau einen Abschiedskuss geben.

"Es ging darum auszuschließen, dass andere gefährdet werden"

"Obwohl die Fakten nicht allzu hart sind, hat man sich entschieden, die Maßnahmen so hart zu treffen", sagte Poerschke zur Begründung für die Sperrung. "Es ging darum auszuschließen, dass andere gefährdet werden." Es gebe auch Videoaufnahmen von dem Mann, die nun ausgewertet werden sollten. Laut Beschreibung der Sicherheitskräfte habe es sich aber um einen "typischen Geschäftsmann" gehandelt.

Der Passagier sei bei der ersten Überprüfung am Flughafen aufgefallen, sagte ein Sprecher der Bundespolizei München. Üblich seien zwei. Bei der ersten würden mit einer Art Staubsauger sogenannte Staubpartikel des Gegenstands - in diesem Fall des Laptops - abgesaugt und anschließend chemisch analysiert. "Wenn sich dann herausstellt, dass Substanzen dabei sind, die auch in Sprengstoff enthalten sind, wird eine zweite Überprüfung durchgeführt", so der Sprecher. Als einer der Sicherheitsbeamten die zweite Überprüfung beginnen wollte, habe sich der Passagier "entfernt".

Einsatzkräfte suchten mit Spürhunden nach dem Mann, die Bundespolizei löste Großalarm aus und sperrte die Ebene 4 des Terminals 2. Diese Ebene dient der Abfertigung sogenannter Schengen-Flüge. Für diese Ziele innerhalb Europas muss der Fluggast nach Angaben der Bundespolizei nicht durch eine Passkontrolle, sondern lediglich durch die Sicherheitsschleuse.

Für die Fluggast-Kontrolle ist die Regierung Oberbayern zuständig. Der Sicherheitscheck wird allerdings von einer externen Firma durchgeführt. Üblich ist, dass dabei nur die Zugangsberechtigung in Form eines Flugtickets samt Ausweis hochgehalten wird, eine intensive Passkontrolle jedoch nicht stattfindet. Daher waren die Identität des Mannes und sein Flugziel am Abend noch unklar.

han/jjc/dpa/AFP/apn

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insgesamt 87 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
23.01.2010 von Bernd.Brincken: 30 Flüge

"Checken" ist gut, es wurden dreißig Flüge _gestrichen_. Dreißig. Das sind tausende geplatzte Termine, gescheiterte Abschlüsse, gestresste Menschen, Kinder, die ohne den Papa ins Bett gehen usw. Völlig asoziales [...] mehr...

21.01.2010 von Frau Wutz: Laptops und Lederhosen :-)

Na klar, das passiert ja alle paar Minuten, dass eine Kontrolleurin einem Fluggast hinterher rennt. Und wenn kein offizieller Alarm ausgelöst wird, bleibt der Herr Bundespolizist selbstredend in strammer Haltung stehen, schaut [...] mehr...

21.01.2010 von hman2:

Die haben aber nichts mit dem Securitycheck zu tun. Das macht eine Privatfirma, wie auf jedem deutschen Airport. ---Zitat--- und zweitens; dann eben das innenministerium: wenn dieses hoheitliche aufgaben an dritte vergibt [...] mehr...

21.01.2010 von Tommi16: Ja, wenn es so wär....

Irrtum, die sind von großen Privatwachfirmen, in HH z.B. von der Firma FIS, mal googeln. Die haben (teil)hoheitliche Aufgaben von der Bundespolizei bekommen, z.B. in die Tasche gucken uns so. Nur Waffen tragen dürfen sie [...] mehr...

21.01.2010 von Paul Max: ja ja

bleibe im lande und nähre dich redlich die angesprochenen probleme existieren tatsächlich, aber sie haben nichts, aber auch nichts mit dem s.g. und aufgebauschten sicherheitsproblem zu tun, das hier zelebriert wird mehr...

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Terminal 2 des Münchner Flughafens: Ebene 4 war gesperrt - vor den Eingängen sind die Sicherheitskontrollen (türkis eingefärbt)Zur Großansicht
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Terminal 2 des Münchner Flughafens: Ebene 4 war gesperrt - vor den Eingängen sind die Sicherheitskontrollen (türkis eingefärbt)






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