London - Bei dem Sprengversuch auf der Militärbasis Porton Down in der südwestenglischen Grafschaft Wiltshire wurden 18 Versuchstiere zunächst in spezielle Brandschutzdecken gehüllt. Dann zündeten die Wissenschaftler rund zwei Meter entfernt Sprengstoff.
Vor Beginn des Experiments hatten die Forscher dem britischen "Telegraph" zufolge wichtige Arterien so präpariert, dass ihre Zerstörung während der Explosion als gesichert gelten konnte. Man habe so herausfinden wollen, wie lange ein Schwein überleben könne, nachdem es mehr als ein Drittel seines Blutes verloren hat. Zwar wurden die Tiere vor der Explosion betäubt. Überlebt hat den versuch allerdings keines.
Laut "Telegraph" sollen die Forschungsergebnisse möglichen Opfern von Terrorattacken zugute kommen - britischen Soldaten in Afghanistan ebenso wie Zivilisten. Anhand der neuen Erkenntnisse könne man neue Wege finden, schwere Blutungen besser zu kontrollieren, hieß es. Die Labors auf dem Militärstützpunkt Porton Down wurden bereits während des ersten Weltkriegs für die Forschung in Sachen chemische Kriegsführung genutzt.
Norman Baker, Abgeordneter der britischen Liberaldemokraten, nannte solche Experimente in der "Sunday Times" "widerlich und überflüssig". Es sei sehr gut möglich, "unbekannte Dinge herauszufinden, auch ohne Schweine in die Luft zu jagen". Auch der britische Verband gegen Tierversuche, die British Union for the Abolition of Vivisection, stellte den Test infrage. Die Wirkung einer Bombe auf betäubte Schweine würde sich "wesentlich" von der auf Menschen, die bei Bewusstsein seien, unterscheiden.
Es ist bereits das zweite Mal innerhalb kurzer Zeit, dass Forscher mit umstrittenen Tierversuchen von sich reden machen. In Österreich hatten Wissenschaftler bei einem Lawinenexperiment Schweine lebendig im Schnee vergraben und beobachtet, wie sie langsam erstickten und erfroren. Eine landesweite Protestwelle führte schließlich dazu, dass die Forscher von der Medizinischen Universität Innsbruck die Studie nach 10 von 29 geplanten Experimenten abbrachen.
ala/dpa
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