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30.01.2010
 

Chaos durch Wintersturm

"Keziban" hat den Norden im Griff

Schon wieder eingeschlossene Autos, schon wieder gesperrte Straßen und Bahnlinien: Der Wintersturm "Keziban" sorgt im Norden Deutschlands für Chaos. In Teilen Mecklenburg-Vorpommerns brach der Verkehr komplett zusammen - und auch in anderen Bundesländern gab es Behinderungen.


Hamburg - Der Wintersturm "Keziban" hat vor allem im Norden Deutschlands für massive Behinderungen gesorgt. Schneefälle von mehr als 25 Zentimetern und Windböen von über hundert Kilometer in der Stunde führten erneut zu meterhohen Schneeverwehungen. Zahlreiche Fahrzeuge blieben darin stecken. Der Sturm sollte am Samstagnachmittag Richtung Südfinnland ziehen - und damit für etwas Entspannung sorgen. Doch am Dienstag wird schon das nächste Schneetief in Deutschland erwartet.

Einstweilen haben die Helfer alle Hände voll zu tun: Die Lage sei teilweise noch dramatischer als nach dem Sturmtief "Daisy" vor drei Wochen, sagte ein Sprecher im Lagezentrum von Mecklenburg-Vorpommern. In vielen Teilen des Bundeslandes steckten Autos stundenlang in den Schneemassen fest - ohne Aussicht auf Hilfe, weil Räumfahrzeuge und Abschleppdienste ebenfalls nicht mehr durchkamen. Betroffen waren allein auf Bundesstraßen mindestens 70 Fahrzeuge. Die Autobahn 20 war am Morgen an mehreren Stellen gesperrt. Feststeckende Autofahrer baten bei der Polizei um Hilfe. "Aber das geht gerade nicht. Das kann Stunden dauern, bis die Hilfe eintrifft", sagte ein Polizeisprecher. In Rostock sei der öffentliche Nahverkehr komplett eingestellt worden. Auch die Brücke nach Rügen wurde geschlossen. Die betroffenen Landkreise richteten Krisenstäbe ein. Die Menschen wurden aufgefordert, ihr Auto nur in dringenden Fällen zu benutzen. "Die Leute sollen bloß zu Hause bleiben", warnten Polizisten. Für die Fans des FC Hansa Rostock gab es ohnehin keinen Grund mehr zum Rausgehen: Das Zweitligaspiel gegen den 1. FC Union Berlin wurde abgesagt.

Auf 16 Strecken in Mecklenburg-Vorpommern brach der Zugbetrieb zusammen, unter anderem zwischen Bad Kleinen und Lübeck, Stralsund und Greifswald. Schienenersatzverkehr ist laut einer Bahnsprecherin nicht möglich.

Auch in Hamburg und Schleswig-Holstein behinderten Glätte und Schnee den Verkehr. Der Winterdienst in Hamburg war seit Freitagnachmittag im Dauereinsatz, in der Nacht seien bis zu 170 Fahrer mit Schneepflügen sowie weitere tausend Einsatzkräfte zum Streuen unterwegs gewesen, erklärte die Stadtreinigung. Die Hamburger Feuerwehr kam Dutzenden gestürzten Fußgängern zu Hilfe, mehrere von ihnen hatten Knochenbrüche.

Am Morgen waren einige Buslinien eingestellt worden. Bei der Bahn gab es nach Angaben einer Sprecherin ebenfalls Probleme - wegen der Sperrung zwischen Lübeck und Bad Kleinen. Auch auf der Strecke Kiel-Husum ging zeitweise nichts mehr. Auf anderen Strecken gab es Verspätungen. Auf dem Flughafen Lübeck waren zeitweise keine Starts und Landungen möglich. Bei Unfällen blieb es meist bei Blechschäden. Auf der A7 und der A21 sorgten LKW-Unfälle für Behinderungen. Auf Fehmarn waren einige kleinere Straßen wegen Schneeverwehungen nicht befahrbar. Schon am Freitag musste die Feuerwehr in den Hamburger Hafen ausrücken. Dort war in der Billwerder Bucht ein Ponton mit einem Restaurant darauf vermutlich durch Eisgang beschädigt worden und gesunken. Zuvor hatten zwei losgerissene Binnenschiffe andere Boote beschädigt. Ihre Haltetaue waren von Eisschollen zerrissen worden.

Im Norden Brandenburgs blieben einige Autos in Schneeverwehungen stecken. Menschen seien aber nicht in Gefahr oder verletzt worden, sagte eine Polizeisprecherin in Potsdam.

In Nordrhein-Westfalen zählte die Polizei bis zum Morgen 300 wetterbedingte Unfälle, auf der A61 bei Bedburg starb ein Autofahrer. Der Mann sei wahrscheinlich überfahren worden, hieß es. Bei weiteren Unfällen seien mehrere Menschen schwer verletzt worden. Der entstandene Schaden wurde auf mehr als 1,3 Millionen Euro geschätzt. Auf mehreren Autobahnen kam es zu Staus und Sperrungen. Betroffen war etwa die A1 in Richtung Köln in Höhe Bad Münstereifel.

Auch in Bayern gab es etliche Unfälle, mindestens zwei Menschen kamen ums Leben. Beide Fahrer waren mit entgegenkommenden Autos zusammengestoßen. Vereiste Nebenstrecken mussten komplett gesperrt werden, Gefahrguttransporter wurden gebeten, den nächsten Rastplatz anzusteuern. Auf den Autobahnen kam es zu Staus und Sperrungen. Am Münchner Flughafen normalisierte sich der Verkehr am Samstag nach rund 30 wetterbedingten Ausfällen und 160 Verspätungen am Vorabend.

chs/dpa/ddp/apn

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