Hongkong - Richter Johnson Lam vom High Court in der früheren britischen Kronkolonie befand am Dienstag, das von dem Feng-Shui-Meister Tony Chan vorgelegte angebliche Testament der Milliarden-Erbin Nina Wang sei eine Fälschung. Die exzentrische Dame war im April 2007 im Alter von 69 Jahren an Krebs gestorben. Zuvor hatte Wang, die einstmals reichste Frau Hongkongs, eine Liebesbeziehung zu dem heute 50-jährigen Tony Chan unterhalten.
Die Geschichte von Nina Wang, ihrem früheren Ehemann Teddy und dem Milliardenvermögen beherrscht in Hongkong seit Jahren die Schlagzeilen. Wang wird in Anlehnung an eine japanische Figur liebevoll als "Little Sweetie" bezeichnet. An den Feng-Shui-Meister, einen Weisen der taoistischen Philosophie, wandte sie sich unter anderem, um das Schicksal ihres 1990 entführten Mannes aufzuklären, vom dem seither jede Spur fehlt. Nina Wang war dafür bekannt, dass sie sich trotz ihres umfangreichen Besitzes am liebsten von Fast Food ernährte und billige Kleidung trug.
Die 2002 begonnene Liebesbeziehung zwischen Nina Wang und Tony Chan sei hinreichend belegt, sagte der Richter. Dagegen beweise nichts, dass sie ihr Vermögen dem Feng-Shui-Meister vermacht habe. Sie habe Wohltätigkeit als weit höheres Gut betrachtet. Das Milliardenerbe werde daher der Chinachem-Stiftung zuerkannt. Die Liebesbeziehung habe die alte Dame geheimhalten wollen. "Sie sollte mit ihr zusammen beigesetzt werden." In dem Prozess in Hongkong waren 36 Zeugen einvernommen worden.
Die Chinachem-Stiftung wird von Nina Wangs Hinterbliebenen verwaltet. Gemeinsam mit ihrem Mann Teddy hatte Nina Wang das Firmenimperium Chinachem aufgebaut, nach dem nun die Stiftung benannt ist. Zu dem Vermögen gehören hunderte Immobilien und Unternehmen. Teddy Wang wurde Ende der neunziger Jahre für tot erklärt. Nina Wang setzte in einem schon damals viel beachteten Prozess durch, dass ihr das Vermögen übertragen wurde. Ihr Schwiegervater hatte die Ansicht vertreten, sie habe das Testament ihres Mannes gefälscht.
jjc/AFP
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