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03.02.2010
 

Luftbrücke

Bundeswehrhubschrauber versorgen Hiddensee mit Lebensmitteln

Hilfe für die von Eismassen eingeschlossene Ostsee-Insel Hiddensee: Mit Hubschraubern bringt die Bundeswehr dringend benötigte Vorräte zu den Menschen. Auch die 70 immer noch auf dem Eiland festsitzenden Urlauber können jetzt auf die Rückkehr nach Hause hoffen.


Hiddensee - "Die Maschinen sind seit 8 Uhr in der Luft", sagte Bundeswehrsprecher Werner Cavalleri SPIEGEL ONLINE. Der erste Helikopter sollte rund sieben Tonnen Lebensmittel und Medikamente nach Hiddensee bringen, ein zweiter die rund 70 Touristen plus Gepäck ausfliegen, die aufgrund der angespannten Wetterlage seit vergangener Woche auf der Insel festsitzen.

Zu diesem Zweck wurde ein Pendelverkehr zwischen dem Fähranleger in Schaprode und dem Sportplatz "Im Witte" auf Hiddensee eingerichtet. In sieben Flügen sollten die SAR-Maschinen (Search and Rescue) jeweils zehn Menschen plus Gepäck ausfliegen. Auf die Frage, wie gefährlich ein solcher Einsatz sei, sagte Cavalleri: "Die Maschinen sind Rettungshubschrauber, die sind robust, entscheidend ist allerdings die Sicht."

Trotz widriger Umstände wurde die Operation schnell durchgeführt. Marinesprecher Achim Winkler bestätigte SPIEGEL ONLINE, dass die Evakuierungsaktion bereits gegen Mittag beendet werden konnte. "123 Menschen wurden von Hiddensee nach Rügen gebracht", sagte der Fregattenkapitän. Der Hubschrauber würde jetzt zurück nach Warnemünde fliegen, der zweite Helikopter noch weitere Versorgungsflüge unternehmen.

"Wir wollen so viele Lebensmittel rüberschaffen, dass das Wochenende abgesichert ist", sagte der Leiter des Katastrophenschutzes im Landkreis Rügen, Karsten Lange. Die Versorgungsflüge sollen den rund 1050 Menschen auf Hiddensee über die Knappheit hinweghelfen.

Die Luftbrücke war bereits am Dienstag mit einem kleinen privaten Hubschrauber angelaufen. Die Aktion musste aber am Nachmittag wegen andauernder Schneefälle unterbrochen werden. Bürgermeister Manfred Gau sagte am späten Dienstagabend in der ARD, jetzt solle versucht werden, die Fahrrinne in der Ostsee freizubekommen. Die einzige Fähre mit Eisbrecher sitzt weiter fest und ist beschädigt.

Linienbusse bleiben in den Depots

Das Schneetief "Miriam" sorgte in ganz Mecklenburg-Vorpommern am Mittwochmorgen für Unfälle und schwere Verkehrsprobleme. Behinderungen traten durch Neuschnee und Verwehungen sowie extreme Straßenglätte auf. Besonders betroffen waren kleinere Straßen in den küstennahen Regionen, wie die Polizei mitteilte. Dort kamen Schüler in den Landkreisen Bad Doberan und Güstrow gar nicht und in vielen anderen Kreisen nur teilweise oder mit Verspätungen in ihre Schulen.

In Westmecklenburg verunglückten im Berufsverkehr mehrere Fahrzeuge auf der eisglatten Autobahn 24 im Kreis Ludwigslust. Sie rutschten von der Fahrbahn und landeten in den Leitplanken. Den Angaben zufolge blieb es bei Blechschäden.

Auch im Bahnverkehr setzten sich Ausfälle, Behinderungen und Verspätungen fort. Die Strecken Güstrow-Neubrandenburg-Pasewalk-Stettin, Malchow und Parchim, Velgast-Barth sowie Rostock-Wismar wurden nicht bedient. Auf offenen Bahnstrecken sei mit Verspätungen zu rechnen, hieß es.


In Schleswig-Holstein fiel die Schule am Mittwoch im ganzen Land aus. Auch hier gab es viele Unfälle auf glatten Straßen, meist landeten die Wagen im Graben oder der Leitplanke. Auf den Autobahnen gab es Staus. Wegen der schlechten Straßenverhältnisse blieb der Busverkehr in Schleswig-Holstein am Mittwoch stark eingeschränkt. Viele Linienbusse standen in den Depots oder waren verspätet. In den Kreisen Dithmarschen und Steinburg fuhren mit Ausnahme der Linie 2820 von Heide nach Rendsburg weiterhin keine Linienbusse. Bei den Flughafen-Bussen "Kielius" und "Traveliner" zwischen Kiel beziehungsweise Lübeck und Hamburg sowie bei den Schnellbuslinien kam es zu Verspätungen.

"Miriam" wütet im Frankenwald

Das Tief "Miriam" hat in der Nacht zum Mittwoch auch im Frankenwald seine Spuren hinterlassen. Im Landkreis Kronach mussten Schneeschleudern eingesetzt werden. Wegen Schneeverwehungen und unter der Schneelast gebrochener Bäume ist die Ortschaft Steinbach an der Haide von der Außenwelt abgeschnitten, berichtete die Polizei in Ludwigsstadt. An vielen Schulen wurde auch hier der Unterricht abgesagt. Beim Versuch, ihre Autos in der Nähe von Steinbach am Wald aus den Schneemassen zu schaufeln, verausgabten sich drei Autofahrer so sehr, dass sie vom Rettungsdienst geborgen werden mussten.

Tote und Verletzte auf Deutschlands Straßen

Im niedersächsischen Dannenberg kam ein 39 Jahre alter Autofahrer ums Leben, als er auf spiegelglatter Straße die Kontrolle über seinen Wagen verlor und in einen Lastwagen rutschte. Im bayerischen Sulzemoos (Landkreis Dachau) verlor eine 70-Jährige am Dienstagabend die Kontrolle über ihr Auto und fuhr gegen einen Baum. Sie starb kurz darauf in einer Klinik. Mindestens vier Menschen wurden bei Unfällen schwer verletzt, außerdem gab es mehrere Leichtverletzte.

Im nordhessischen Waldeck kam der Wagen eines 48-Jähriger auf der Bundesstraße 485 ins Rutschen und prallte gegen das entgegenkommende Fahrzeug, in dem eine 51-jährige Frau saß. Wie das Polizeipräsidium Kassel am Dienstagabend mitteilte, seien beide Fahrer in ihren Autos eingeklemmt worden und mussten mit der Rettungsschere befreit werden. Die 51-Jährige kam mit schweren Verletzungen ins Kasseler Klinikum. Für den 48-Jährigen aus dem nordhessischen Homberg an der Efze kam jede Hilfe zu spät. Beide Fahrzeuge wurden durch den Unfall völlig zerstört.

ala/apn

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