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07.02.2010
 

Ostsee-Insel

Erstes Schiff seit zehn Tagen erreicht Hiddensee

Im Schritttempo kämpfte sich der Eisbrecher zur Insel durch: Erstmals seit zehn Tagen hat wieder ein Schiff Hiddensee in der Ostsee erreicht. Die "Görmitz" brachte tonnenweise Lebensmittel und Heizöl - und die Hoffnung auf eine Normalisierung der Situation.


Vitte - Aufatmen auf Hiddensee: Erstmals seit zehn Tagen hat wieder ein Schiff die vom Eis eingeschlossene Ostseeinsel erreicht. Am Nachmittag lief der Eisbrecher "Görmitz" mehrere Stunden später als geplant den Hafen von Vitte an, wo er ungeduldig erwartet wurde. Der Tonnenleger - ein Spezialschiff zum Auslegen und Einholen von Seezeichen - brach sich nur im Schritttempo Meter um Meter durch das Eis, wie Augenzeugen berichteten.

Regulär erreichbar ist die Insel damit noch lange nicht. Die Fahrrinne werde wieder zufrieren, wenn die Kälte andauere, sagte die Geschäftsführerin der Reederei Hiddensee, Sabine Schmidt. "Es wird auch in der nächsten Woche kein Schiff zum Personentransport fahren."

Die "Görmitz" brachte mehrere Tonnen Lebensmittel und Heizöl in Spezialbehältern auf die Insel, wie der Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes Stralsund, Holger Brydda, berichtete. Das Schiff soll am Montag erneut eine Ladung Lebensmittel nach Hiddensee schaffen. Danach werde der Eisbrecher andernorts gebraucht. "Er wird nicht die Fähre "Vitte" ersetzen", stellte Brydda klar.

Grundversorgung per Hubschrauber

Nach derzeitigen Plänen soll die "Görmitz" abhängig von der Witterung einmal pro Woche Lebensmittel zur Insel bringen. Sollte es weiter kalt bleiben, müsste sie aber erneut mit den schwierigen Eisverhältnissen kämpfen. Die Möglichkeit, auch einen Hubschrauber der Bundespolizei einzusetzen, sei daher nicht vom Tisch. "Wenn es nicht anders geht, muss die Bundespolizei einspringen", sagte Brydda. Hubschrauber und Eisbrecher würden aber garantiert "keine Sofagarnituren" transportieren. Es gehe um die Grundversorgung.

Für die rund 1000 Inselbewohner ist die Schiffsankunft dennoch ein erster Schritt zu einer Normalisierung. Zuletzt war am 28. Januar ein Schiff nach Hiddensee durchgekommen. Seit vorigem Dienstag wird das Eiland per Hubschrauber mit Lebensmitteln versorgt, Urlauber wurden ausgeflogen. Im Einsatz waren Hubschrauber der Bundeswehr und der Usedomer Fluggesellschaft, die in Vitte seitdem einen kleinen Helikopter stationiert hat.

Seit dem Wochenende kommen mit ihm auch Post und Medikamente zur Insel. "Heute gab es zum ersten Mal wieder Zeitungen zu kaufen", sagte am Samstag der Hotelier Michael Kiesow. Die Lebensmittelläden aber seien "total leer". Es sei nicht gerade zu Hamsterkäufen gekommen, aber wer vorausschauend sei, habe schon mal eine Gurke oder ein Kilo Kartoffeln mehr mitgenommen. Neben der Ver- sei auch die Entsorgung schwierig. Die Müllabfuhr, die sonst drei- bis viermal pro Woche per Schiff auf die Insel komme, sei ausgeblieben.

Ausnahmewetter lockt Urlauber an

Trotz oder gerade wegen der abenteuerlichen Situation ist das Eiland westlich Rügens ein Anziehungspunkt für Urlauber. Wie der Pilot Thomas Bay von der Usedomer Fluggesellschaft berichtete, brachte der Hubschrauber am Wochenende etwa 60 Touristen auf die Insel. Sie zahlten 50 Euro pro Person. "Die Leute, die ich getroffen habe, waren sehr zufrieden", sagte Bay. Reederei-Chefin Schmidt meinte sogar, es seien mehr Urlauber auf der Insel als vor einem Jahr um diese Zeit.

Dagegen müssen die Vermieter nach Ansicht des Leiters des Hafen- und Kurbetriebes Hiddensee, Alfred Langemeyer, Einbußen hinnehmen. Hotels und Pensionen seien fast zur Hälfte ausgebucht gewesen, viele Urlauber hätten nun aber abgesagt.

Kiesow, der ein Hotel mit 30 Betten betreibt, hätte sein Restaurant zwar jetzt ohnehin nicht geöffnet, doch stecke er mitten in der Saisonvorbereitung, sagte er. "In einem Gastraum ist der Fußbodenbelag herausgerissen. Das neue Material liegt in Schaprode." Ein anderer Gastronom warte auf eine neue Küche. Viele ärgern sich über das Wasser- und Schifffahrtsamt, das die Bundeswasserstraße nicht freihalten konnte.

Hotelier Kiesow ist auf die Reederei Hiddensee nicht gut zu sprechen. Sie habe einen Versorgungsauftrag übernommen und mache für sich Sonderrechte geltend, weil die Fähre auch im wenig lukrativen Wintergeschäft fahre. So gebe es für sie keinen Wettbewerber auf der Strecke. Dafür dürfte sie nicht mit einem uralten, störanfälligen Schiff fahren, kritisierte Kiesow.

Birgit Sander, dpa

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