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27.02.2010
 

Erdbeben vor Chile

Tsunami bedroht Osterinsel

Ein enorm schweres Erdbeben der Stärke 8,8 hat den Westen Südamerikas heimgesucht. In Chiles Hauptstadt Santiago wankten die Häuser, mindestens 78 Menschen wurden getötet. Jetzt rast ein Tsunami durch den Pazifik - und überspülte bereits erste Inseln.


Santiago de Chile - Es war am frühen Samstagmorgen, als ein schweres Erdeben Chile erschütterte. Der Erdstoß vor der Küste nahe der Stadt Concepcion (200.000 Einwohner) im Süden des Landes erreichte nach Angaben des Geologischen Instituts der USA (USGS) eine Stärke von 8,8 auf der Richterskala.

In der Hauptstadt Santiago schwankten die Gebäude eineinhalb Minuten lang. Einige Häuser sollen eingestürzt sein. Das Erdbeben ereignete sich zu einem Zeitpunkt, als sich noch viele Menschen in Discotheken und Lokalen aufhielten.

Für Chile, Peru und Ecuador wurde eine Tsunami-Warnung ausgegeben, teilte die US-Regierung mit. Auch Australien könnte am Sonntag von der Flutwelle getroffen werden.

1,30 Meter hohe Flutwelle

Nach Angaben des US-Tsunami-Warnzentrums für den Pazifik hat sich aufgrund des Bebens vor der chilenischen Küste eine bis zu 1,30 Meter hohe Flutwelle gebildet. Ersten Berichten zufolge soll sie bereits die Inselgruppe Juan Fernández getroffen und verwüstet haben. Nach offiziellen Angaben bedroht der Tsunami nun auch die Osterinsel, deren teilweise Evakuierung nun angeordnet wurde.

Ein Erdbeben dieser Stärke habe das "Potential eines zerstörerischen Tsunamis", hieß es in einer offiziellen Warnung. Die örtlichen Behörden sollten angesichts dieser Möglichkeit die geeigneten Maßnahmen ergreifen.

Das Zentrum des Bebens lag den Angaben zufolge 115 Kilometer nordöstlich von Concepcion in einer Tiefe von 60 Kilometern. Nach offiziellen Angaben kamen bei der Katastrophe mindestens 78 Menschen ums Leben.

Unübersichtliche Lage

Bislang ist die Lage noch unübersichtlich. CNN berichtete eine Hotelangestellte telefonisch, es habe in Santiago keine größeren Schäden gegeben, von denen sie wissen. Im Hotel selbst seien nur ein paar Lampen beschädigt. Gleichzeitig zeigte der Nachrichtensender jedoch alarmierende Bilder aus Concepcion. Darauf zu sehen: brennende Häuser und Rettungskräfte im Dauereinsatz.

Die Nachrichtenagentur dpa meldete, in weiten Teilen des Landes sei der Strom ausgefallen. Auch die Versorgung mit Wasser und Erdgas sowie die Telefonverbindungen seien gestört gewesen. An Straßen, Brücken und Gebäuden habe es ebenfalls erhebliche Schäden gegeben. Demnach wurde auch der internationale Flughafen in Santiago erheblich beschädigt und muss nun für mindestens eine Woche geschlossen werden.

"Das ist wie der Weltuntergang", sagte ein Mann dem örtlichen Fernsehen in der Stadt Temuco, wo Häuser beschädigt wurden und das Krankenhaus evakuiert werden musste. "Ich habe noch nie in meinem Leben ein solches Erdbeben erlebt."

Katastrophenzustand ausgerufen

Chiles Präsidentin Michelle Bachelet rief am frühen Morgen Ortszeit den Katastrophenzustand aus. Der Unterstaatssekretär im Innenministerium, Patricio Rosende, bat im chilenischen Fernsehen die Bevölkerung, Ruhe zu bewahren. Niemand solle ohne Not sein Haus verlassen, betonte der Sprecher. Am Samstagmorgen wurden die Region von einem Nachbeben der Stärke 6,2 erschüttert.

Das stärkste jemals registrierte Beben wurde am 22. Mai 1960 in derselben Region gemessen. Bei dem Erdstoß der Stärke 9,5 kamen damals 1655 Menschen ums Leben, zwei Millionen wurden obdachlos. Der durch die Erschütterungen ausgelöste Tsunami tötete Menschen in Hawaii, Japan und auf den Philippinen, an der Westküste der USA richtete er Schäden an.

sev/mak/dpa/AFP/Reuters

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Erdbebenstärken

Die Richterskala

Die Stärke eines Erdbebens wird mit Hilfe der Richterskala und anderer Skalen beschrieben. Der jeweils angegebene Wert, die Magnitude , kennzeichnet dabei die freigesetzte Energie.

Mittels Seismografen werden die Maximal amplituden (also die Ausschläge der Nadel) bestimmt, die umgerechnet von Erdbeben in 100 km Entfernung erzeugt worden wären. Der dekadische Logarithmus der gemessenen Maximalamplituden ergibt die Magnitude. Die Erhöhung der Magnitude um 1 bedeutet dabei eine 33-fach höhere Energiefreisetzung – ein Erdbeben der Magnitude 5,0 ist also 33-mal so stark wie eines der Magnitude 4,0. Die Skala wurde 1935 von Charles Francis Richter und Beno Gutenberg am California Institute of Technology entwickelt.

Genau genommen werden Erdbebenstärken jedoch heute in der Moment-Magnituden-Skala angegeben. Sie berücksichtigt neben der Energie auch die Größe des gebrochenen Gesteins. Die Bruchfläche lässt sich aus der Erdbebenmessung vieler Seismografen berechnen.

Die Auswirkungen


Tsunami

Erdbebenwelle

Als Tsunami wird eine hauptsächlich durch Seebeben ausgelöste Meereswelle bezeichnet, die auch durch küstennahe oder untermeerische Hangrutschungen, durch Vulkanausbrüche, in ganz seltenen Fällen auch durch Meteoriteneinschlag entsteht.

Ausbreitung

Tsunami-Katastrophe 2004

Frühwarnsystem


Die stärksten Erdbeben seit 1900
Ort Datum Stärke
Valdivia, Chile 22.05.1960 9,5
Prince William Sound, Alaska 28.03.1964 9,2
Westlich Sumatra 26.12.2004 9,1
Japan, östlich von Honshu 11.03.2011 9,0
Kamtschatka 04.11.1952 9,0
Vor Maule, Chile 27.02.2010 8,8
Vor der Küste Ecuadors 31.01.1906 8,8
Rat Islands, Alaska 04.02.1965 8,7
Nordsumatra 28.03.2005 8,6
Assam 15.08.1950 8,6
Südsumatra 09.03.1957 8,6
Quelle: USGS National Earthquake Information Center
Die Erbeben mit den meisten Todesopfern
Ort Datum Stärke Tote
Shensi, China 23.1.1556 ca. 8 830.000
Tangshan, China 27.07.1976 7,5 255.000
Aleppo, Syrien 9.8.1138 k.A. 230.000
Sumatra 23.12.2004 9,1 227.898
Haiti 12.01.2010 7 222.521
Damghan, Iran 22.12.856 k.A. 200.000
Ningshia, China 16.12.1920 7,8 200.000
Ardabil, Iran 23.3.893 k.A. 150.000
Kwanto, Japan 01.09.1923 7,9 142.800
Ashkhabad, Turkmenistan 05.10.1948 7,3 110.000
Chihili, China 27.9.1290 k.A. 100.000
Ost-Sichuan, China 12.05.2008 7,9 87.587
Pakistan 08.10.2005 7,6 86.000
Shemaka, Kaukasien 24.07.1904 k.A. 80.000
Täbris, Iran 18.11.1727 k.A. 77.000
Messina, Italien 28.12.1908 7,2 72.000
Chimbote, Peru 31.05.1970 7,9 70.000
Lissabon, Portugal 1.11.1755 8,7 70.000
Sizilien, Italien 11.1.1693 7,5 60.000
Quelle: USGS

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