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27.02.2010
 

Köln

Flutung der U-Bahn-Baustelle fällt aus

Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit und den stetig steigenden Grundwasserspiegel - doch in Köln können die Behörden erst einmal aufatmen. Die geplante Flutung einer U-Bahn-Haltestelle in der Innenstadt war zunächst doch nicht nötig.


Köln - In Köln wird die Sicherung einer durch Baupfusch gefährdeten U-Bahn-Baustelle zu einem Wettlauf mit der Zeit. Eine geplante Flutung der Baugrube wurde am Samstag zunächst abgesagt, weil sich der Anstieg des Rheinpegels und damit des Grundwassers deutlich verlangsamte.

Nun soll ganz schnell eine Zwischendecke aus Beton eingezogen werden, was die Stabilität der Baustelle verstärken könnte. Bis Mittwochabend wäre die Decke ausgehärtet. Solange allerdings darf der Grundwasserstand in der Baugrube nicht auf 39,5 Meter steigen - denn dann müsste doch noch geflutet werden.

Am Samstagmittag lag der Grundwasserstand in der Baustelle Heumarkt bei 38,59 Metern. Man habe also noch 91 Zentimeter Luft, sagte Stadtdirektor Guido Kahlen am Samstag bei einer Pressekonferenz im Rathaus. "Die Natur gibt uns Zeit - ohne Abstriche an der Sicherheit. Eine Gefahr für die Anwohner, Gewerbetreibenden und Verkehrsteilnehmer kann ausgeschlossen werden."

Druck ausgleichen

Ein Vollpumpen der Baugrube könnte erforderlich werden, um den Druck des steigenden Grundwassers auszugleichen. Das Grundwasser drückt von außen auf die Baustellenwände. Eigentlich müssten sie das aushalten, aber in den Betonwänden der Skandalbaustelle fehlen mehr als 80 Prozent der stabilisierenden Eisenbügel. Am Samstag stieg das Grundwasser nur noch um einen Zentimeter pro Stunde. Sollte das so bleiben, würde sich eine Flutung erübrigen. Für Sonntag waren jedoch starke Regenfälle angesagt.

Nach SPIEGEL-Informationen wurde der Pfusch beim Kölner U-Bahn-Bau möglicherweise von höherer Stelle einkalkuliert, um Geld zu sparen. Für die Ermittler verdichten sich die Hinweise, dass der Baupfusch nicht nur das Werk einzelner Mitarbeiter gewesen sein kann. Inzwischen sind auch gefälschte Protokolle von einer Baustelle aufgetaucht, auf der die bisher verdächtigten Arbeiter gar nicht tätig waren. Flächendeckende Schlamperei bei der Bauausführung kann nach Expertenmeinung ein Hinweis darauf sein, dass hier "systematisch mit Rückendeckung" gehandelt wurde. Der federführende Baukonzern Bilfinger Berger bestreitet dies.

"Ganzes System beteiligt"

Auch IG-Bau-Chef Klaus Wiesehügel glaubt, dass für die gravierenden Mängel beim Kölner U-Bahn-Bau nicht nur einzelne Arbeiter verantwortlich gewesen sein können. In einem Interview mit dem "Mannheimer Morgen" sagte der Gewerkschaftschef, ein solcher Pfusch wie in Köln sei nur denkbar, "wenn ein ganzes System beteiligt ist".

Die skandalumwitterte Nord-Süd-Stadtbahn wird seit 2003 parallel zum Rhein unter der 2000 Jahre alten Kölner Altstadt gebaut. An der Baustelle Waidmarkt stürzte vor einem Jahr das Historische Archiv der Stadt ein, zwei junge Anwohner starben.

Die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) sind Bauherr des Projekts, das sich inzwischen auf gut eine Milliarde Euro verteuert hat. Im Zusammenhang mit dem Pfusch ermittelt die Kölner Staatsanwaltschaft in drei Verfahren gegen insgesamt zwölf Verdächtige.

jdl/dpa

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