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27.02.2010
 

Unwetter

Gewaltiger Sturm tobt über Spanien

Windgeschwindigkeiten von bis zu 190 Stundenkilometern, entwurzelte Bäume, umgeworfene Ampelmasten - und erste Todesopfer: Ein schwerer Sturm ist über die Iberische Halbinsel gefegt und hat Frankreich erreicht. Hunderttausende sind dort ohne Strom.


Madrid - Ein gewaltiges Sturmtief hatte am Samstag die Iberische Halbinsel erreicht und beträchtliche Schäden an der nordspanischen Atlantikküste angerichtet. Der Sturm fegte über Portugal und Spanien hinweg und zog nach Frankreich weiter.

Dort waren am Sonntagmorgen 800.000 Haushalte ohne Strom. Durch den Sturm "Xynthia" sei die Versorgung der Haushalte gekappt worden, teilte der zuständige Stromversorger ERDF mit. Betroffen seien Haushalte in verschiedenen Regionen Frankreichs.

Am schlimmsten betroffen waren den Angaben zufolge Zentralfrankreich mit 325.000 Haushalten ohne Strom sowie der Westen des Landes, wo 300.000 Haushalte betroffen waren. In verschiedenen Regionen kam es zudem zu schweren Überschwemmungen, unter anderem in der Küstenstadt La Rochelle.

Zuvor hatte der Sturm in Spanien in der Gegend von Ourense (Region Galicien) gewütet. Dort wurde eine 82-jährige Frau von einer umstürzenden Mauer erschlagen. Im Norden Portugals starb ein zehn Jahre alter Junge, der beim Fußballspielen von einem umstürzenden Baum getroffen wurde, wie der Zivilschutz mitteilte. Auch in Frankreich wurde ein Mann in den südlichen Pyrenäen durch einen umfallenden Baum getötet.

Orkanböen entwurzelten zahllose Bäume, rissen Strommasten um und deckten Dächer ab. Im Baskenland erreichte der Sturm nach Angaben der Behörden Geschwindigkeiten von bis zu 170 Stundenkilometern. Die Regionalregierung hatte die baskische Bevölkerung aufgerufen, nach Möglichkeit in den Wohnungen zu bleiben. In der Stadt Abaltzisketa kippte ein Baukran auf ein dreistöckiges Haus, wobei nach Behördenangaben jedoch niemand verletzt wurde.

In mehreren Orten in Nordwesten Spaniens fiel die Stromversorgung aus, nachdem Bäume auf Hochspannungsleitungen gestürzt waren. Der Bahnverkehr wurde auf mehreren Strecken unterbrochen.

Frankreich erreichte der Sturm am Samstagabend, in Dutzenden Departements sowie im Fürstentum Andorra waren die Behörden in erhöhter Alarmbereitschaft.

Meteorologen warnen vor "explosiver Wetterlage"

Das Unwetter war in der Nacht zum Samstag über die Kanarischen Inseln hinweggezogen. Dort waren aber keine größeren Schäden registriert worden. Die Orkanböen erreichten dort Geschwindigkeiten von 120 Stundenkilometern. Über die Bergspitzen der Insel La Palma rasten die Böen gar mit bis zu 190 Stundenkilometern hinweg. Auf den Flughäfen von La Palma, La Gomera und Teneriffa-Nord wurden zahlreiche Flüge abgesagt.

Vom Atlantischen Ozean her griff das Sturmtief auf das Festland der Iberischen Halbinsel über. In Spanien hatten die Behörden praktisch für das ganze Land Unwetteralarm gegeben. Für die Regionen an der Atlantikküste wurde die höchste Alarmstufe ausgelöst. Für Lastwagen war ein Fahrverbot verhängt worden. Die spanische Regierung richtete ein Krisenkomitee unter dem Vorsitz von Innenminister Alfredo Pérez Rubalcaba ein.

Meteorologen hatten von einer "explosiven Wetterlage" und einer "meteorologischen Bombe" gesprochen. Sie warnten, dass die Orkanstürme von kurzer Dauer, aber sehr intensiv sein würden. Das Unwetter war durch ein relativ ungewöhnliches Aufeinandertreffen von zwei Sturmtiefs ausgelöst worden.

Mit einem Sturm vom Ausmaß des Orkans "Lothar" rechneten die Wetterdienste jedoch nicht. Der Orkan war Weihnachten 1999 von der Biskaya kommend über Frankreich, die Schweiz und Süddeutschland hinweggezogen und hatte einen Schaden von etwa fünf Milliarden Euro angerichtet. Rund hundert Menschen wurden europaweit durch den "Jahrhundertsturm" getötet.

otr/dpa/AFP

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