Hamburg - Das gewaltige Sturmtief "Xynthia" legt Deutschland lahm. In Nordrhein-Westfalen geht auf Schienen nichts mehr. Sowohl der Regional- als auch der Fernverkehr würden eingestellt, sagte ein Sprecher der Bahn am Sonntagabend. Die Züge führen zum Teil noch bis an ihr Ziel, es würden aber keine neuen Züge mehr eingesetzt. Man wolle einfach kein Risiko eingehen, sagte der Sprecher. Wie lang die Unterbrechung dauern werde, sei im Moment noch nicht abzusehen.
Auch andernorts herrschten im Bahnverkehr chaotische Verhältnisse. Wegen umgestürzter Bäume und herabfallender Äste mussten viele Züge stehen bleiben, wie das Unternehmen mitteilte. In Rheinland-Pfalz und im Saarland wurde der gesamte Bahnverkehr eingestellt, in Hessen stoppten etliche Züge. Der Bahnhof Stuttgart konnte am Nachmittag nicht mehr von ICE- und InterCity-Zügen angefahren werden. Der Fernbahnhof am Frankfurter Flughafen sowie der dortige Hauptbahnhof wurden geschlossen.
Die Bahn gibt Reisenden im Internet unter www.bahn.de/aktuell über die Störungen Auskunft. Zudem konnten sich Zugreisende unter der kostenlosen Service-Nummer 0800-0996633 über die aktuelle Situation informieren.
In Baden-Württemberg und Hessen hat der Sturm zwei Menschenleben gekostet. Auf der Schwarzwaldhochstraße nahe der Gemeinde Feldberg stürzte am Sonntag ein Baum auf ein Auto. Dabei wurde ein Mensch getötet und ein Insasse des Fahrzeugs schwer verletzt.
Ein 69 Jahre alter Mann wurde wenig später im Wald bei Taunusstein nahe Wiesbaden von einem umstürzenden Baum erschlagen. Wie die hessische Polizei berichtete, war der Mann mit einer Wandergruppe unterwegs, als der Baum entwurzelt wurde. Der 69-Jährige starb noch an der Unfallstelle.
In Landau wurde eine etwa 30 Jahre alte Frau sehr schwer verletzt, als sie ein Eisentor schließen wollte und der Sturm die Tür aus der Verankerung riss. Bei Frankfurt musste die Autobahn 3 komplett gesperrt und der Verkehr umgeleitet werden. Auch auf der A5 in der Nähe von Rastatt blockierte ein Baum die Fahrbahn.
Für weite Teile West- und Südwestdeutschlands hat der Deutsche Wetterdienst (DWD) eine Unwetterwarnung herausgegeben. Auch der Wetterdienst Meteomedia rief für einen Großteil des Landes Warnstufe rot aus - wegen des "ausgeprägten und sehr kräftigen Sturmfelds".
Zuvor hatte "Xynthia" bereits in Frankreich und Spanien und Portugal für Chaos gesorgt.Am Vormittag setzten bereits im Westen und Süden Deutschlands zum Teil heftige Regenfälle ein. Diese werden sich, so warnen Meteorologen, auf weite Teile Deutschlands bis hin zur Oder ausweiten.
Bis Sonntagabend soll Tief "Xynthia" im Westen, höheren Mittelgebirgslagen und den Alpen Sturmböen bringen, im Westen und Südwesten sogar orkanartige Böen. Am stärksten wüteten die Sturm- und Orkanböen bisher in der Eifel und im Hunsrück. Zahlreiche Straßen mussten wegen entwurzelter Bäume gesperrt werden. "Die Bäume knicken um wie die Streichhölzer", hieß es beim Lagezentrum in Mainz. Mancherorts fiel der Strom aus.
Im Saarland wurden zahlreiche Fahrzeuge von umgefallenen Bäumen beschädigt. "Wir haben noch keinen Überblick", sagte ein Polizeisprecher. Verletzt worden sei hier aber bislang niemand. Auf dem Frankfurter Flughafen kam es wegen heftiger Sturmböen zu zahlreichen Verspätungen und Ausfällen. Am frühen Nachmittag waren bereits 22 Starts und Landungen gestrichen worden. "Das wird noch zunehmen", sagte ein Sprecher. Bei starkem Wind dürfen aus Sicherheitsgründen deutlich weniger Flugzeuge pro Minute landen als normalerweise. Daher waren auch viele Maschinen verspätet.
Von der Iberischen Halbinsel kommend zieht das Tief mit seinem Zentrum vom Ärmelkanal entlang der Nordseeküste in Richtung Schleswig-Holstein. An seiner Flanke erfasst ein Sturmfeld den Südwesten und Westen Deutschlands. Im weiteren Verlauf zieht das Tief samt Sturmfeld über den Mittelgebirgsraum weiter ostnordostwärts über Deutschland hinweg.
"Autofahrten vermeiden"
"Einen Teil Westdeutschlands erwischt es in der gleichen Stärke wie Frankreich", sagte der DWD-Meteorologe Peter Hartmann. Dies gelte insbesondere für das Saarland, den Westen von Rheinland-Pfalz und den Süden von Nordrhein-Westfalen und Hessen. Er warnte vor Spaziergängen im Wald. Bewegliche Sachen sollten nicht draußen herumliegen. "Und wer nicht Auto fahren muss, sollte es besser vermeiden", so Hartmann.
Die Meteorologen erwarten im Westen und Süden Windspitzengeschwindigkeiten von 110 bis 130 Stundenkilometer, ebenso in den Höhenlagen des Harz. Westlich des Rheins könnten orkanartige Böen bis 115 Stundenkilometer auftreten. Im Alpenraum bestehe die Gefahr von unwetterartigen Böen zwischen 100 und 120 Stundenkilometern, auf exponierten Gipfeln auch Böen über 120 Stundenkilometer.
cib/jdl/apn/ddp/AFP
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Panorama | Twitter | RSS |
| alles zum Thema Wetter | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH