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28.02.2010
 

Chile nach dem Beben

Mehr als hundert Überlebende unter Hochhaus-Trümmern begraben

Ein 14-stöckiges Hochhaus wurde für sie zur Falle: Mehr als 100 Menschen sind nach dem schweren Erdbeben in Chile in den Trümmern eines Gebäudes in der Stadt Concepción gefangen - und hoffen auf Hilfe. Doch die Zeit wird knapp.


Berlin - "Es ist eine Schande, dass die Rettungsmannschaften nicht schon gestern nach Concepción gekommen sind", empörte sich die Bürgermeisterin der Hafenstadt, Jacqueline van Rysselberghe. Nun werde allmählich die Zeit knapp. Ihren Angaben zufolge liegen noch mindestens hundert Überlebende unter den Trümmern eines Hochhauses mit ehemals 14 Stockwerken begraben.

Die Metropole im Süden, mit rund 216.000 Einwohnern eine der größten des Landes, ist schwer beschädigt. Menschen übernachteten auf den Straßen, aus Angst vor weiteren Nachbeben. Es kam zu ersten Plünderungen. In der Nacht brach die Stromversorgung zusammen, Einwohner zündeten Feuer auf den Straßen an. Die Brücke über den Fluss Bío-Bío stürzte zur Hälfte ein.

Eine Reporterin des chilenischen Fernsehens berichtete am Sonntagmorgen telefonisch aus der Stadt. In den Straßen seien die Rufe von Männern, Frauen und Kindern zu hören, die noch unter den Trümmern eingestürzter Häuser lägen. Gebäude, die das große Erdbeben in den sechziger Jahren überstanden hätten, seien beschädigt oder zerstört. Besonders auffällig seien aber die Zerstörungen an Häusern, die erst vor kurzem errichtet worden seien, so die Reporterin weiter.

Ökologische Schäden

Die gesamte Region hat es schwer getroffen. Die Hafenanlagen der nahegelegenen Stadt Talcahuano wurden durch die Wellen, die das Erdbeben auslöste, zum Teil überflutet. In den Straßen waren Stahlcontainer zu sehen, die aus ihren Verankerungen gerissen worden waren und umhertrieben. Fischereiboote wurden an Land gespült.

Die ökologischen Schäden sind ebenfalls noch nicht absehbar, in der Umgebung Talcahuanos wurden Industriebetriebe und Ölanlagen unter Wasser gesetzt. Auch die Stadt Vichato in der Region wurde von einem Tsunami getroffen, Hunderte Häuser wurden überflutet.


Auch der Ort Iloca im Süden Chiles ist fast vollständig zerstört. "Es bebte und dann kam das Meer in unser Haus, es reichte uns bis zum Hals. Ich habe meine Tochter umarmt und ihr gesagt: 'Durchhalten'", erzählt Eloísa Fuenzalida, eine Einwohnerin. Die Frau hatte Glück. Andere offenbar nicht. "Als wir konnten, sind wir durch den Morast in Richtung Berge. Ich weiß nicht, wie viele gestorben sind", sagte sie.

"Das Meer hat die Autos weggeschwemmt, die Häuser, alles, alles", sagte ein Hörer einem Radiosender in Curicó, einem Ort etwa 120 Kilometer von Iloca entfernt. Der historische Stadtkern ist dem Erdboden gleichgemacht. Die Lehmhäuser stürzten ein, in den Rinnsteinen sitzen Kinder über und über mit Staub bedeckt und halten ihre Kuscheltiere fest.

Die Behörden haben vorsorglich eine Ausgangssperre verhängt, um Plünderungen zu verhindern. "Neunzig Prozent von Curicós Altstadt sind zusammengefallen, das sind fast 60 Prozent der gesamten Stadt", sagt Marcelo Vasquez, Reporter der lokalen Radiostation Radio Estación Uno.

Viele Häuser weggespült

Erste Bilder des chilenischen Fernsehens, aufgenommen am Sonntag bei einem Hubschrauberflug entlang der Küste, zeigten schwere Schäden und Überschwemmungen. Teile der direkt am Pazifik gelegenen Siedlungen der Hafenstadt Constitución stehen unter Wasser. Die Stadt liegt rund 60 Kilometer nördlich des Epizentrums. Die gesamte Region ist schwer mitgenommen. Entlang des Küstenstreifens Richtung Süden sind viele Häuser weggespült worden.

Die Menschen in den betroffenen Regionen im Zentrum Chiles sind verunsichert. "Immer wieder bebt die Erde in dieser Nacht und am Morgen, sie kommt einfach nicht zur Ruhe - und wir auch nicht", schreibt der Augenzeuge und SPIEGEL-ONLINE-Mitarbeiter Benjamin Loy.

Die Behörden fürchten, dass sich das volle Ausmaß der Katastrophe erst in den kommenden Tagen zeigen wird. Wassermangel, Kommunikationsprobleme und die Isolierung der Küstenregionen könnten die Lage nach und nach verschlimmern. Verteidigungsminister Francisco Vidal sprach von einer Tragödie. Nach Schätzungen der nationalen Notfallbehörde sind bislang mehr als 700 Menschen ums Leben gekommen.

Sechs Notstandsgebiete

Die Leiterin des Amts, Carmen Fernandez, sagte am Samstagabend, die Opferzahl werde vermutlich noch steigen. Präsidentin Michelle Bachelet erklärte, 1,5 Millionen Menschen der rund 16 Millionen Einwohner seien von dem Beben der Stärke 8,8 am frühen Samstagmorgen betroffen, 500.000 Häuser und Wohnungen schwer beschädigt. Von den 15 Regionen Chiles wurden von der Präsidentin sechs zu Notstandsgebieten erklärt.

Das wirtschaftliche Ausmaß der Schäden ist noch nicht abzusehen. "Der Aufbau wird nicht einfach", erklärte die Präsidentin, die am 11. März ihr Amt an den konservativen Gewinner der vergangenen Wahl, Sebastián Piñera, übergibt. Auch Piñera, ein Unternehmer, zeigte sich von den Schäden beeindruckt, rief zu einer gemeinsamen Kraftanstrengung auf und bot Bachelet seine Zusammenarbeit an. Bislang hat die chilenische Präsidentin noch keine Hilfe ausländischer Staaten angefordert.

EU stellt drei Millionen Euro Soforthilfe

US-Präsident Barack Obama bot Unterstützung an, ebenso wie Australien und Südkorea. Die Europäische Union will drei Millionen Euro Soforthilfe zur Verfügung stellen. Die möglicherweise milliardenschweren Aufbaukosten könnten das Land teuer zu stehen kommen, so Analysten in Chile. Über eine Abwertung des Peso, der nationalen Währung, wird bereits spekuliert.

Kritisch war die Lage auch in der Stadt Chillán - auf halbem Wege zwischen Concepción und den Anden. Dort flohen 269 Häftlinge nach dem Erdbeben aus dem Gefängnis. 28 von ihnen wurden gefasst, mindestens drei auf der Flucht erschossen.

Unterdessen erreichten rund ein Meter hohe Tsunami-Wellen, die das Beben in Chile ausgelöst hatten, die Küste Japans. 320.000 Menschen wurden evakuiert. Vor Hawaii, Australien und Russland wurden die Tsunami-Warnungen wieder aufgehoben, nachdem die Wellen kleiner als befürchtet geblieben waren.

jdl/sev/Reuters/AFP

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01.03.2010 von Irek: Physiker und die Verantwortung

Auf der anderer Seite der Erde in dem eigentlichen Schattenbereich ereigneten sich auch einige Erdbeben. http://www.emsc-csem.org/index.php?page=current&sub=detail&id=152730 [...] mehr...

01.03.2010 von altais: Möglicherweise

ist er selbst in den "Schattenstrahl des Mondes" geraten und es konnten sich Hohlräume im Kopf bilden, die jetzt zusammen gestürzt sind. mehr...

28.02.2010 von simpelkopp: hoher Unfug

... umso gravierende waren die Folgen ... ... labiales Gleichgewicht ... ... schmaelzten ... ... jede Atom und jede Molekuele begann ... ... das Magma hat den Weg gefunden den sie schon nicht zum ersten Mal genutzt hat ... [...] mehr...

28.02.2010 von Irek: Die Physiker und die Verantwortung

Langsam kam die Ruhe in diese Region der Erde. Nur die Synchronisation der Raumoszillationen der Erde und der Sonne in Perihelium und Abhelium der Orbits führte zu neuen Erdbeben. [...] mehr...

28.02.2010 von Irek: Die Physik und die Verantwortung

Man kann nichts gegen Naturgewalten unternehmen aber man kann versuchen die Natur zu verstehen und so sich auf das Unausweichliche Unglück vorzubereiten. Auch in diesem Falle waren die Anzeichen klar sie wurden aber übersehen [...] mehr...

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Erdbebenstärken

Die Richterskala

Die Stärke eines Erdbebens wird mit Hilfe der Richterskala und anderer Skalen beschrieben. Der jeweils angegebene Wert, die Magnitude , kennzeichnet dabei die freigesetzte Energie.

Mittels Seismografen werden die Maximal amplituden (also die Ausschläge der Nadel) bestimmt, die umgerechnet von Erdbeben in 100 km Entfernung erzeugt worden wären. Der dekadische Logarithmus der gemessenen Maximalamplituden ergibt die Magnitude. Die Erhöhung der Magnitude um 1 bedeutet dabei eine 33-fach höhere Energiefreisetzung – ein Erdbeben der Magnitude 5,0 ist also 33-mal so stark wie eines der Magnitude 4,0. Die Skala wurde 1935 von Charles Francis Richter und Beno Gutenberg am California Institute of Technology entwickelt.

Genau genommen werden Erdbebenstärken jedoch heute in der Moment-Magnituden-Skala angegeben. Sie berücksichtigt neben der Energie auch die Größe des gebrochenen Gesteins. Die Bruchfläche lässt sich aus der Erdbebenmessung vieler Seismografen berechnen.

Die Auswirkungen

Tsunami

Erdbebenwelle

Als Tsunami wird eine hauptsächlich durch Seebeben ausgelöste Meereswelle bezeichnet, die auch durch küstennahe oder untermeerische Hangrutschungen, durch Vulkanausbrüche, in ganz seltenen Fällen auch durch Meteoriteneinschlag entsteht.

Ausbreitung

Tsunami-Katastrophe 2004

Frühwarnsystem


Die stärksten Erdbeben seit 1900
Ort Datum Stärke
Valdivia, Chile 22.05.1960 9,5
Prince William Sound, Alaska 28.03.1964 9,2
Westlich Sumatra 26.12.2004 9,1
Japan, östlich von Honshu 11.03.2011 9,0
Kamtschatka 04.11.1952 9,0
Vor Maule, Chile 27.02.2010 8,8
Vor der Küste Ecuadors 31.01.1906 8,8
Rat Islands, Alaska 04.02.1965 8,7
Nordsumatra 28.03.2005 8,6
Assam 15.08.1950 8,6
Südsumatra 09.03.1957 8,6
Quelle: USGS National Earthquake Information Center

Die Erbeben mit den meisten Todesopfern
Ort Datum Stärke Tote
Shensi, China 23.1.1556 ca. 8 830.000
Tangshan, China 27.07.1976 7,5 255.000
Aleppo, Syrien 9.8.1138 k.A. 230.000
Sumatra 23.12.2004 9,1 227.898
Haiti 12.01.2010 7 222.521
Damghan, Iran 22.12.856 k.A. 200.000
Ningshia, China 16.12.1920 7,8 200.000
Ardabil, Iran 23.3.893 k.A. 150.000
Kwanto, Japan 01.09.1923 7,9 142.800
Ashkhabad, Turkmenistan 05.10.1948 7,3 110.000
Chihili, China 27.9.1290 k.A. 100.000
Ost-Sichuan, China 12.05.2008 7,9 87.587
Pakistan 08.10.2005 7,6 86.000
Shemaka, Kaukasien 24.07.1904 k.A. 80.000
Täbris, Iran 18.11.1727 k.A. 77.000
Messina, Italien 28.12.1908 7,2 72.000
Chimbote, Peru 31.05.1970 7,9 70.000
Lissabon, Portugal 1.11.1755 8,7 70.000
Sizilien, Italien 11.1.1693 7,5 60.000
Quelle: USGS



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