Barcelona - Es waren Riesenwellen, die am Mittwoch die "Louis Majesty" vor der spanischen Küste trafen. Ein Sprecher der Reederei Louis Cruise Line sagte, das Kreuzfahrtschiff sei von drei "abnormal hohen" Wellen mit einer Höhe von bis zu acht Metern getroffen worden. Sie seien gegen das Schiff geschlagen und hätten die Scheiben eines Salons zertrümmert, berichtete die Küstenwache.
Zwei Passagiere wurden getötet, mehrere Menschen verletzt.
Bei den Toten handelt es sich um einen Deutschen und einen Italiener. Das Auswärtige Amt in Berlin bestätigte am Donnerstagvormittag auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE den Tod eines deutschen Staatsbürgers. Es handele sich um einen 69-jährigen Mann aus Nordrhein-Westfalen, sagte eine Sprecherin. Das italienische Außenministerium hatte bereits am Mittwochabend den Tod eines Italieners bestätigt. Der italienischen Nachrichtenagentur Ansa zufolge handelt es sich dabei um einen 52-jährigen Mann aus Genua, der mit Frau und Kind unterwegs war.
Das Unglück ereignete sich am Mittwochnachmittag gegen 16.30 Uhr vor der Küste Spaniens, rund 130 Kilometer nordöstlich von Barcelona. Nach Informationen des katalanischen Wetterdienstes kam die unter zyprischer Flagge fahrende, 207 Meter lange "Louis Majesty" in ein Unwetter und hohen Seegang. Die Wellen waren demnach durchschnittlich drei Meter hoch, einige bauten sich auf einer Höhe von bis zu acht Metern auf. In dem Gebiet habe ein Sturm mit Windgeschwindigkeiten von mehr als hundert Kilometern gewütet, erklärte ein Sprecher der französischen Meeresbehörde in Toulon.
Die drei extrem hohen Wellen trafen dann laut "El Periodico" die Scheiben eines Salons, der am Bug des Schiffes im fünften Stock liegt. Die dritte und letzte Welle habe das Glas zum Bersten gebracht.
Um sogenannte Monsterwellen ("Freak Waves" oder "Rogue Waves") dürfte es sich jedoch nicht gehandelt haben. Die sind etwa dreimal höher als durchschnittliche Wellen, erheben sich urplötzlich aus dem Meer. In den seltenen Fällen, in denen sie bisher gemessen wurden, bäumten sie sich auf bis zu 20 Meter auf - was in etwa der Höhe eines sechsstöckigen Hauses entspricht.
"Dann herrschte nur noch Chaos"
"Ich habe Schreie gehört und dann das Wasser aus einem der Säle im fünften Stock stürzen sehen", zitierten italienische Medien am Abend Ervino Curtis, einen 63-jährigen Italiener aus Triest, der auf dem Schiff Augenzeuge des Unglücks wurde. "In dem Moment, als ich den Salon betreten habe, ist ein Fenster zerbrochen und das Wasser hat alle überflutet. Dann herrschte nur noch Chaos."
Der Kapitän drehte laut "El Periodico" unmittelbar nach dem Unglück um und steuerte das nahe gelegene Barcelona an, das das Schiff erst am Morgen passiert hatte. Gegen 20.30 Uhr traf die "Louis Majesty" dort ein. Im Hafen warteten bereits Krankenwagen, die die beiden Leichen und die Verletzten in eine Klinik brachten.
Die Zahl der Verletzten war zunächst unklar. Die griechische Küstenwache, die von dem aus Griechenland stammenden Kapitän verständigt worden war, sprach von bis zu 14 Personen. Die katalanische Tageszeitung "El Periodico" berichtete auf ihrer Website von 16 Verletzten, von denen 14 Personen leichtere und zwei schwere Verletzungen erlitten hätten. Darunter soll eine 62 Jahre alte Frau mit gebrochenen Beinen sein. Alle Opfer sollen Touristen gewesen sein.
Spanische Behörden ermitteln
Die "Louis Majesty" gehört der zyprischen Reederei Louis Cruises und befand sich auf einer Kreuzfahrt im westlichen Mittelmeer. Sie war elf Tage zuvor in Genua gestartet und war nach Stationen in Marseille, Tanger, Casablanca, Teneriffa, Lanzarote, Cadiz und Cartagena auf dem Heimweg nach Italien. An Bord befanden sich 1350 Passagiere und 580 Besatzungsmitglieder.
Die spanischen Behörden leiteten Ermittlungen ein, hieß es in einer schriftlichen Erklärung der Küstenwache der griechischen Hafenstadt Piräus. Der Kapitän sei Grieche und habe die Zentrale der Küstenwache in Piräus über die Ereignisse informiert.
Das 1992 gebaute Schiff fährt erst seit vergangenen Dezember für die griechisch-zyprische Reederei Louis Cruises Lines. Zuvor war die damalige "Norwegian Majesty" für die Reederei Norwegian Cruise Line vor dem amerikanischen Kontinent unterwegs.
siu/ddp/apn
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