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11.03.2010
 

Chile

Erdbeben bei Amtseinführung des neuen Präsidenten

Chile: Nachbeben bei der Amtseinführung des Präsidenten
Fotos
REUTERS

Es waren nur noch Minuten bis zur Amtseinführung des Präsidenten - da bebte in Chile erneut die Erde. Die Staatsgäste blickten besorgt auf die schwankenden Kronleuchter und versuchten sich in Scherzen. Die Marine rief kurzzeitig eine Tsunami-Warnung aus.

Hamburg - Heftige Nachbeben haben Chile am Donnerstag erschüttert. Die Erde bebte wenige Minuten, bevor der neue Präsident Sebastián Piñera seinen Amtseid ablegte. Menschen rannten in Panik auf die Straßen. Die Kriegsmarine erließ eine Tsunami-Warnung. Das Tsunami-Warnzentrum der USA für den Pazifik erklärte jedoch, die Nachbeben seien zu schwach gewesen, um eine gefährliche Flutwelle auszulösen. Wenige Stunden später wurde die Warnung aufgehoben.

Tausende Menschen flohen aus küstennahen Orten in höher gelegene Regionen. Das Epizentrum des Bebens, dessen kräftigster Stoß nach korrigierten Angaben der US-Erdbebenwarte die Stärke 6,9 erreichte, lag etwa 145 Kilometer südlich der Hauptstadt Santiago und 105 Kilometer westlich der Stadt Rancagua.

In einigen Gegenden fiel vorübergehend der Strom aus und das Telefonnetz brach zusammen. Am 27. Februar waren bei einem Jahrhundertbeben der Stärke 8,8 fast 500 Menschen in dem südamerikanischen Land ums Leben gekommen.

Ausländische Gäste der Amtsübernahme von Präsident Piñera, darunter viele Staatschefs, betraten gerade das Parlamentsgebäude in Valparaiso, als die Erde heftig zu beben begann. Im Fernsehen waren Menschen zu sehen, die aus dem Gebäude ins Freie rannten. Nachrichtensprecher im Fernsehen blickten besorgt zur Studiodecke, während das Bild wackelte. Unmittelbar nach dem Amtseid Piñeras wurde das Gebäude geräumt.

Piñera rief in seiner ersten Erklärung als Präsident die Menschen auf, die Warnungen der Behörden vor einem Tsunami ernst zu nehmen. Über neue Opfer, Schäden oder eine solche Flutwelle im Meer wurde zunächst jedoch nichts bekannt. Der peruanische Präsident Alan Garcia zeigte sich angesichts der Erdbeben nervenstark: "Wir wollen ja nichts dramatisieren. Das war ein Erdstoß. So etwas haben wir in Lima dauernd", sagte er.

"Dieses Nachbeben liegt im Rahmen des Normalen"

Der Direktor der Abteilung Geodynamik am Deutschen Geoforschungszentrum Potsdam, Onno Oncken, sagte: "Dieses Nachbeben liegt im Rahmen des Normalen. (...) So eine Serie von Nachbeben kann ein, zwei Jahre dauern. Erst dann tritt wieder Normalität ein - falls man davon in diesem Gebiet mit dieser geologischen Situation überhaupt reden kann. Da schieben sich zwei geologische Platten übereinander - da rappelt es ständig."

Amtsvorgängerin Michelle Bachelet hinterlässt Piñera ein finanzielles Polster von knapp 15 Milliarden Dollar (etwa 11 Milliarden Euro). Dieses Geld steht Piñera zur Verfügung, um Erdbebenschäden in Milliardenhöhe zu beheben und den etwa zwei Millionen Opfern zu helfen. Piñera, der in der Forbesliste der reichsten Menschen der Welt mit einem Vermögen von 2,2 Milliarden Dollar auf Platz 437 liegt, löste die Mitte-Links-Koalition Concertación nach 20 Jahren ununterbrochener Regierungszeit ab.

Ende Februar hatte ein Beben der Stärke 8,8 mindestens 497 Menschen das Leben gekostet. Es handelte sich um eines der zehn stärksten Beben, die weltweit je gemessen wurden.

Das damalige Erdbeben richtete verheerende Zerstörungen an. Hunderte von Menschen kamen zu Tode, Zehntausende wurden verletzt oder obdachlos. Auch geologisch hatte das Beben immense Auswirkungen. Es verpasste der Erde nicht nur einen Drall und verschob die Erdachse - die Erschütterung hat zudem Teile des südamerikanischen Kontinents verrückt.

jjc/apn/dpa

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