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18.04.2010
 

Tiere als Konkursmasse

Problem-Paviane und Pleite-Tiger

Von Felix Rettberg

Erst verwahrlost, dann schwer vermittelbar: Jedes Jahr schließt in Deutschland mindestens ein Tierpark. Doch die Tiger, Paviane und Waschbären will dann kaum jemand haben. So wurden schon Löwen an eine Farm in Afrika verkauft, die Jagden für gutbetuchte Kundschaft anbietet.

Berlin - Ronny Schäfer träumte von einem eigenen Raubtier-Park, und als die Chance kam, griff er zu. Er sicherte sich einen Tierpark im nordrhein-westfälischen Kalletal. Hier rissen vier Tiger - Corty, Saskia, Sam und Shari - ihre Mäuler auf, hier kratzten sich zwei Schimpansen - Fritz und Friederike - das Fell.

Eine Unterschrift und schon war Schäfer Besitzer von rund zwei Dutzend exotischen Tieren - von Pavianen, Wölfen, Luchsen, Dingos, Waschbären, Tigern und Schimpansen. Und das, obwohl er keine Ahnung hatte. Keine Ahnung, wie der Alltag eines Zoos tatsächlich aussieht, wie er einen solchen Betrieb zu führen hat. Schäfer ist gelernter Schlachter. Mit seiner Frau betreibt er einen Futterhandel.

Schäfers Traum platzte.

Das zuständige Veterinäramt verweigerte ihm die Betriebserlaubnis, verfügte, dass die Tiere an neue Besitzer zu vermitteln seien. Doch damit wollte Schäfer sich nicht abfinden, wie er nun SPIEGEL TV Magazin erzählte (Sonntag, 22.30 Uhr, RTL): "Sie sagten, ich wäre nicht fähig, ein Raubtier zu halten. Da habe ich gesagt: 'Dann füttert ihr die Tiere weiter. Ich bin nicht der Depp der Nation.'"

Kein Ausweg mehr

Schäfer klagte, die Tiger, die Affen, die Luchse, die Wölfe fraßen und Schäfer ging das Geld aus. Den Tierpark bot er sogar auf Ebay an. Es half nichts.

Schäfer sah keinen Ausweg mehr, schrieb ans Amt, drohte, die Tiere verhungern zu lassen, bat schließlich sogar darum, sie einschläfern zu dürfen. Das Amt beschlagnahmte die Tiere. Jeder Affe, jeder Tiger wurde jetzt zum Problem-Affen und Problem-Tiger: Wohin mit ihnen?

Weil Exoten Besucher anziehen, wollen auch kleine Zoos und Tierparks selten auf Affen, Tiger und Elefanten verzichten. Häufig jedoch übernehmen sie sich dabei. "Etwa jedes Jahr macht in Deutschland ein Tierpark dicht", schätzt Laura Zimprich, Vorsitzende des Tierschutzvereins "Animal Public".

Und das Problem könnte sich noch verschärfen. "Derzeit wird an neuen Vorgaben gearbeitet, die vorsehen, dass Zootieren in ihren Gehegen endlich mehr Platz zur Verfügung stehen wird", so Zimprich. Die Folge dieses eigentlich löblichen Vorstoßes könnte aber sein, dass noch mehr Zoos geschlossen werden.

"Keine Schildkröte"

Bei der Auflösung solcher Tierparks, bei der Suche nach neuen Plätzen für die Tiere, haben die Exoten unter ihnen dann oft die schlechtesten Karten. Die Nachfrage nach der Konkursmasse ist gering.

Experten schätzen, dass in Europa Tausende Tiere betroffen sind. "Die meisten Zoos haben kein Interesse daran, solche aussortierten Exemplare aufzunehmen. Oft haben sie gar nicht den Platz dafür. Ein ausgewachsener Tiger ist ja keine Schildkröte", sagt Zimprich. Außerdem produzierten die eigenen Tiere selbst so viel Nachwuchs, dass erst dieser vermittelt werden müsse. Bereits das sei schwer.

"Erst im vergangenen Herbst hat ein deutscher Safaripark Löwen nach Afrika verkauft, an eine Farm, die sich darauf spezialisiert hat, Jagden für zahlende Amerikaner und Briten anzubieten. Die sollen Tiere mit gepflegter Mähne zu sehen bekommen", so Zimprich.

Zoos sind Unternehmen

Ein weiterer Grund, warum andere Zoos und Tierparks den Exoten kein Asyl bieten: Häufig fügen sich die fremden, oft greisen Tiere nicht in die eigenen penibel abgestimmten Zuchtprogramme. So auch im Fall Kalletal: "Sie passen weder genetisch noch demographisch", sagt Dr. Lesley Dickie, Geschäftsführerin des Europäischen Zoobands (EAZA), der solche Programme organisiert.

Außerdem gilt auch für Zoos und Tierparks: Sie sind Unternehmen. Sie sind auf Attraktionen angewiesen. Ein knuddeliger Knut begeistert die Massen, ein zotteliger Tiger erregt nur noch Mitleid. So sind es am Ende fast ausschließlich Tierschutzorganisationen, die die Exoten davor bewahren, getötet zu werden. Weltweit nutzen sie ihre Netzwerke, suchen nach Möglichkeiten, die Tiere doch noch in Reservaten oder privaten Stationen unterzubringen.

Auch die ausgewachsenen Exoten des Tierparks Kalletal sind noch unterkommen. Die beiden Schimpansen bei der privaten niederländischen Auffangstation "Aap", die vier Tiger in einer der Station der niederländischen Organisation "Pantera".

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insgesamt 7 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
19.04.2010 von echo167: ohne titel

Seh ich ähnlich. Ich kann aber auch nicht nachvollziehen, wieso es der Gesetzgeber so einfach macht an exotische Tiere zu kommen. Wie kann es sein, dass der Typ die Tiere kaufen kann, bevor er ein funktionierendes Konzept inkl. [...] mehr...

19.04.2010 von Hador: Nein, keinen Titel

Leider sehr richtig, dass es aber auch ganz anders geht kann man z.B. seit Jahren im Tierpark Olderdissen in Bielefeld sehen. Dort werden praktisch nur in Europa heimische Tiere gehalten und dennoch quilt der Park gerade an [...] mehr...

19.04.2010 von Hador: Nein, keinen Titel

Auch wenn ich ebenfalls nicht unebdingt davon überzeugt bin, dass dieser Herr Schäfer ein geeigneter Besitzer gewesen wäre, finde ich als Laie, dass hier auch die Ämter schlichtweg versagt haben. Das Ganze ging hier in OWL ja [...] mehr...

18.04.2010 von Mischa:

Geistige Tiefflieger wie den im Artikel beschriebenen Herrn, sollte man mal ein paat Tage mit nackten Hintern in einen Ameisenhaufen setzen. Vielleicht lernen sie dann, dass Tiere weder Spekulationsobjekte noch Spielzeug [...] mehr...

18.04.2010 von Gertrud Stamm-Holz:

Kein Wunder! Es gibt immer wenigenr Wissen über Tiere, egal ob alt oder jung. Sie schreiten da leuchtend vorneweg. Eine natürliche Bereinigung des Marktes, sehr schön formuliert. Es geht hier um Lebewesen. Es gibt in [...] mehr...

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Sonntag, 18.04.2010, 22.30 bis 23.15 Uhr auf RTL

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