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27.04.2010
 

Air-France-Absturz

Der Fluch des Flugs AF445

Von Gerald Traufetter

Unglücksmaschine der Air France: Keine Spur vom WrackZur Großansicht
AFP

Unglücksmaschine der Air France: Keine Spur vom Wrack

War es nur Gedankenlosigkeit? Für die Reise zu einer Trauerfeier hat Air France Angehörige getöteter Passagiere ausgerechnet auf den Flug gebucht, der vor einem Jahr in einer Katastrophe über dem Atlantik endete. Die Betroffenen sind empört - und bei manchen keimt ein böser Verdacht.

Hamburg - Der Anlass der Reise ist ein trauriges Jubiläum: Ein Jahr nach dem Absturz einer Air-France-Maschine auf dem Weg von Rio de Janeiro nach Paris am 1. Juni 2009 werden sich die Angehörigen auf dem Pariser Friedhof Père Lachaise zu einer Trauerfeier versammeln. Sie wollen dabei ein Denkmal für die 228 getöteten Passagiere enthüllen, darunter auch 28 Opfer aus Deutschland.

Mehr als 120 Hinterbliebene wollen zu dieser Veranstaltung Ende Mai aus Brasilien anreisen. Doch beim Blick auf die Tickets, die Air France ihnen unlängst zugeschickt hat, blieb vielen der Atem stehen: Sie sind gebucht auf den Sonntag, Abflug am späten Abend, Flugnummer AF445, geflogen wird wieder mit einem Airbus. "Das ist exakt derselbe Flug wie jener, der uns unsere Verwandten und Freunde für immer geraubt hat", empört sich Maarten van Sluys, Vorsitzender eines der Verbände der Opferfamilien. "Was auch immer Air France dabei geritten hat, es ist auf jeden Fall geschmacklos und nimmt keinerlei Rücksicht auf unsere emotionale Zerbrechlichkeit", findet der Niederländer mit Wohnsitz in Rio de Janeiro.

Denn die meisten Angehörigen werfen Airbus und Air France grobe Fehler vor, die zur Katastrophe geführt haben sollen: Der Hersteller habe ein störanfälliges Geschwindigkeitsmesssystem, sogenannte Pitot-Sonden, installiert, die in den heftigen Turbulenzen während des Fluges vereist und ausgefallen seien. Air France habe es versäumt, sie auszuwechseln, beziehungsweise habe es unterlassen, seine Piloten für solche gefährlichen Situationen auszubilden. Was genau beim Absturz nachts über dem Atlantik passiert ist, könnte vielleicht nie ermittelt werden.

Schlussphase einer aufwendigen Suchaktion

Derzeit hat die Schlussphase einer aufwendigen Suchaktion im Absturzgebiet begonnen. Mit Unterwasserbooten und Sonar soll der Flugschreiber der vermissten Airbus-Langstreckenmaschine aufgespürt werden. Noch aber hat die Hightech-Aktion keine Spur des Flugzeugwracks ergeben.

Die Angehörigen, so berichtet Opfer-Vertreter van Sluys, litten unter der Ungewissheit über die Unfallursache. Vielen gehe es neben Schmerzensgeld auch darum, die Ursache aufzuklären, damit ein solches Unglück nicht noch einmal geschieht. Ihr Vertrauen in die französischen Behörden sei dabei nicht sehr groß. Sie vermuteten, der Grund für die Katastrophe solle vertuscht werden.

Gerade an diesem Wochenende fühlten sich manche von ihnen durch einen Bericht in der französischen Tageszeitung "Libération" bestätigt. Das Blatt zitierte aus geheimen Untersuchungsakten eines mit dem Absturz befassten Gerichts in Paris. Demnach gehen Prüfer einer neuen Spur nach, die erklären soll, warum die Geschwindigkeitssonden ausgefallen sind.

Offenbar waren die Sonden, die man an anderen A330-Modellen ausgebaut hat, in "mittelmäßigem" bis "sehr schlechtem" Zustand. Nach Ansicht der Experten, so steht es dem Blatt zufolge in den Gerichtsakten, "könnte das mit dem zeitlichen Abstand seit der letzten Wartung" zusammenhängen.

Hätte der Absturz verhindert werden können?

Hätte der Ausfall der Pitot-Sonden und damit letztlich auch der Absturz der Maschine verhindert werden können, wenn die Sensoren ausreichend oft gereinigt und gewartet worden wären? Für die Angehörigen sind das quälende Fragen. "Viele von ihnen sind seit dem Absturz nicht mehr in ein Flugzeug gestiegen", berichtet Opfer-Vertreter van Sluys. Manche hätten sich nun ein Herz gefasst, weil sie bei den Erinnerungszeremonien in Paris unbedingt dabei sein wollten - zu Ehren der Toten.

In einen Airbus zu steigen, sei "besonders diesen Menschen nicht zumutbar", klagt van Sluys.

Manch ein Angehöriger vermutet deshalb einen perfiden Hintergedanken von Air France. Bei Schadensersatz-Prozessen, so deren Unterstellung, könnten die Anwälte der Fluggesellschaft sich weigern, die Kosten psychologischer Behandlungen zu übernehmen. Und zwar mit dem Hinweis, die Angehörigen seien psychologisch schon wieder so stabil, mit einem Airbus auf derselben Flugroute wie die Verunglückten zu fliegen. "Ich kann mir aber eigentlich nicht vorstellen, dass Air France so unfair sein könnte", sagt selbst van Sluys, der hinter der Buchung Gedankenlosigkeit gepaart mit schlichtem Pragmatismus vermutet.

"Einfach draufgebucht"

Der Air-France-Airbus auf dieser Strecke, der von AF447 in AF445 umbenannt wurde, fliege nach dem Absturz angeblich mit vielen freien Sitzplätzen. "Die wollten einfach die Maschine ausnutzen und haben unsere hundertköpfige Gruppe da draufgebucht", sagt van Sluys.

Der Opferverband fordert nun von Air France, auf die beiden Jumbojets der Marke Boeing umgebucht zu werden, die jeden Tag zwischen Brasilien und Frankreich verkehren. "Da hätten viele von uns ein besseres Gefühl."

Air France indes widerspricht, dass es ein Auslastungsproblem auf dem Airbus-Flug zwischen Rio und Paris gibt. Man habe für den Flug der Angehörigen am 30. Mai zudem ein größeres Airbus-Modell als die Unglücks-A330 vorgesehen, eine A340. Für Angehörige, die trotzdem nicht in den Airbus einsteigen wollen, würde selbstverständlich ein Ticket auf einem Boeing-Flug gebucht. Man sei sehr bemüht, die emotionalen Bedürfnisse der Hinterbliebenen zu berücksichtigen.

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Es ist nicht *derselbe* Flug, es ist nicht einmal der gleiche. mehr...

28.04.2010 von pax: Unterscheidungen

Dass ihnen der eine Symbolische Akt wichtig ist, während dessen der andere symbolische Akt unwichtig ist. Offenbar unterscheiden sie Gefühle die sie nachvollziehen können (wichtiges)von Gefühlen die sie nicht nachvollziehen [...] mehr...

28.04.2010 von zx6: Beerdigung? Wie das denn?

Zum einen muß Air France diesen Flug gar nicht bezahlen, das ist eine reine Good-Will-Aktion, zum anderen findet dort nicht die Beerdigung statt, sondern nur die Enthüllung eines Denkmals. Wir erinnern uns: die Maschine ist aus [...] mehr...

28.04.2010 von ChrisRJ: Flieger umbemalen

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28.04.2010 von JeZe: Af445 = Af 447

Es ist aber schon der selbe Flug, die Flugnummern werden nach Abstürzen ja generell geändert. Trotzdem tun sich die Hinterbliebenen damit keinen Gefallen, wenn sie in der Öffentlichkeit und im Zuge weiterer [...] mehr...

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