Tripolis - Aus bisher unbekannten Gründen stürzte die Maschine der Afriqiyah Airways um 6.10 Uhr Ortszeit beim Landeanflug auf den rund 25 Kilometer südlich von Tripolis gelegenen Flughafen am Mittwochmorgen ab. Den Behörden zufolge explodierte das Flugzeug beim Aufprall und wurde völlig zerstört.
"Sämtliche Passagiere und Besatzungsmitglieder sind tot bis auf ein Kind", sagte ein libyscher Flughafensicherheitsbeamter laut Nachrichtenagentur Reuters. Demnach waren 93 Fluggäste und elf Besatzungsmitglieder an Bord der Maschine, als diese beim Landeanflug zerschellte.
Die staatliche Nachrichtenagentur Jana meldete, bislang seien 96 Leichen geborgen worden. Zur Herkunft der Opfer machte sie keine Angaben. Hinweise auf deutsche Opfer gebe es bislang nicht, teilte das Auswärtige Amt mit.
Zustand des Überlebenden stabil
Unglaublich angesichts der Zerstörung: Ein einziger Passagier soll das Desaster überlebt zu haben. Libyens Verkehrsminister Mohamed Zidan erklärte auf einer Pressekonferenz, ein Junge mit niederländischem Pass werde derzeit medizinisch behandelt. Er habe keine lebensbedrohlichen Verletzungen erlitten, so Zidan. Ein Mitarbeiter des Al-Sabia-Krankenhauses in Tripolis sagte, der Zustand des Kindes sei stabil. Einem Sprecher des niederländischen Außenministeriums zufolge erlitt der Junge Knochenbrüche und wurde operiert.
Über das Alter des Kindes machten die Nachrichtenagenturen zunächst unterschiedliche Angaben. Laut Reuters ist der Junge zehn, laut dpa erst neun Jahre alt.
EU-Parlamentspräsident Jerzy Buzek sagte in Brüssel, es sei "ein wahres Wunder", dass das Kind überlebt habe. "Für das EU-Parlament übermittele ich den Familien und Freunden der Opfer meine Anteilnahme", so Buzek. Auch Bundespräsident Horst Köhler sprach dem libyschen Staatschef Muammar Gaddafi und den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus.
Der Flugzeughersteller Airbus bestätigte in einer Stellungnahme, dass es sich bei der Unglücksmaschine um einen Airbus A330-200 handelt. Das Unternehmen bot den libyschen Behörden seine Unterstützung bei der Ermittlung der Unfallursache an.
Eine Sprecherin des südafrikanischen Außenministeriums sagte, das Flugzeug habe am Vorabend Johannesburg mit Ziel Tripolis verlassen. Weshalb der Pilot die Landebahn verfehlte, war zunächst unklar. Das lokale Fernsehen zeigte Bilder von den Bergungsarbeiten. Darauf war der Flugdatenschreiber der Maschine zu sehen. Auch der Stimmenrekorder wurde gefunden.
Zahlreiche Krankenwagen und Fahrzeuge des Zivilschutzes waren im Einsatz. Der Zugang zum Unglücksort sei komplett gesperrt, eine Rauchwolke nicht zu sehen, hieß es. Es herrschte gutes Wetter mit einigen Wolken am Himmel.
Technischer Defekt?
Der Nachrichtensender Al-Arabija berichtete unter Berufung auf die Luftfahrtbehörde in Tripolis, kurz vor der Landung sei ein technischer Defekt in der Maschine festgestellt worden. Diese Angabe wurde von der Fluggesellschaft zunächst nicht bestätigt.
Der libysche Verkehrsminister Zidan geht nicht von einem Anschlag durch Extremisten aus: "Wir schließen die Hypothese definitiv aus, dass der Unfall auf einen Terrorakt zurückzuführen ist", sagte er am Mittwoch.
Laut der Website von Afriqiyah Airways verfügt die Firma über eine Flotte von Airbus-Flugzeugen. Die Fluglinie wurde im April 2001 gegründet und begann ihren Betrieb mit fünf geleasten Maschinen. Bei einer Luftfahrtmesse in Paris 2007 wurde ein Vertrag über den Kauf von elf neuen Airbus-Maschinen unterzeichnet. Airbus kündigte an, die Ermittlungen zur Unglücksursache zu unterstützen. Bundespräsident Horst Köhler sprach dem libyschen Staatschef Muammar al-Gaddafi und den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus.
ala/Reuters/dpa/apn
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