Warschau/Hamburg - Das Alltagsleben in Polen, so scheint es zumindest, ist wieder zur Normalität zurückgekehrt - sechs Wochen nach dem verheerenden Flugzeugabsturz im russischen Smolensk, bei dem 96 Menschen ums Leben kamen, unter ihnen Staatspräsident Lech Kaczynski sowie ein Teil der Führungselite des Landes.
Weit entfernt von jeglicher Normalität dürfte das Leben jedoch nach wie vor für die Hinterbliebenen der Opfer sein. Der Zwillingsbruder des getöteten Präsidenten, Jaroslaw Kaczynski, sagte nun der polnischen Boulevardzeitung "Super Express", dass seine Mutter noch nichts von der Tragödie wisse.
Die 84-jährige Jadwiga Kaczynska, die seit mehr als zwei Monaten im Krankenhaus liegt, sei lange Zeit in schlechter geistiger Verfassung gewesen. "Mama weiß immer noch nicht, dass Lech tot ist", sagte Kaczynski der Zeitung. "Sie hielt mich für Lech, das ist ihr früher nie passiert", so der Politiker weiter.
Inzwischen gehe es seiner Mutter aber besser. "In den nächsten Tagen sollte ich ihr die Wahrheit sagen. Ich habe große Angst davor", fügte der frühere Regierungschef hinzu. Jaroslaw Kaczynski hatte bereits am 26. April seine Kandidatur für die Nachfolge seines Bruders bei den Präsidentschaftswahlen im Juni angekündigt.
Lech Kaczynski war am 10. April mit seiner Frau und 94 weiteren Insassen gestorben, als sein Flugzeug in der Nähe der russischen Stadt Smolensk abstürzte. Der Präsident war auf dem Weg nach Katyn, um der Opfer des Massakers zu gedenken, bei dem im Zweiten Weltkrieg 22.000 Polen von sowjetischen Geheimdiensteinheiten ermordet worden waren.
Russische Medien hatte kürzlich berichtet, dass sich im Hinblick auf die Absturzursache Hinweise auf gravierende Pilotenfehler mehren. So sollen Warnungen der russischen Fluglotsen missachtet worden sein, die Maschine, die sich wegen schlechter Sicht im Tiefflug befand, hochzuziehen.
pad/AFP
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