Neu-Delhi - Schon um sechs Uhr früh drängten sich am Samstag auf dem Bajpe Airport der südwestindischen Metropole Mangalore die Menschen. Die meisten warteten auf ihre Angehörigen an Bord einer Air India Express Boeing 737-800 aus Dubai. Viele der überwiegend indischen Passagiere verdienten in dem arabischen Emirat ihren Lebensunterhalt und kamen zum Beginn der Ferienzeit nach Indien zurück, einige waren seit Jahren nicht mehr zu Hause gewesen.
Doch dann verkehrte sich die frohe Erwartung am Airport Bajpe in blankes Entsetzen.
Die Boeing schwebte heran, setzte zur Landung an. Plötzlich ein Knall, die Maschine schoss über die Landebahn hinaus, zerbarst in zwei Teile und stürzte in ein tiefer gelegenes, dichtbewaldetes Tal.
"Es hat sich alles binnen Sekunden abgespielt", berichtete später Abdul Tottutur, ein Geschäftsmann aus Dubai, einer von nur acht Menschen an Bord der Boeing, die das Unglück überlebten.
"Ich konnte hören, wie die Passagiere schrien"
Tottutur saß auf dem Platz 19A. "Auf einmal war die rechte Tragfläche auf dem Boden, die linke in der Luft", sagte Tottutur der britischen "Times". "Dann brach das Flugzeug in der Mitte auseinander. Ich hatte kaum Zeit, aber ich hab es noch geschafft, raus zu springen, aus ungefähr zweieinhalb Metern Höhe. Zwei andere Leute neben mir taten das Gleiche."
"Alles war schwarz", so Tottutur in der "Times" weiter, "ich konnte hören, wie die Passagiere, die in der Maschine eingeschlossen waren, schrien. Ich bin einige Meter durch Feuer gelaufen. Ich bin gestolpert und wieder aufgestanden. Als ich mich umdrehte und zurückschaute, gab es eine laute Explosion und schwelendes Feuer." Auf einem Hügel brachte sich Tottutur in Sicherheit. "Allah hat mich gerettet", sagte er.
158 Menschen, darunter 19 Kinder, vier von ihnen Babys, starben in den Trümmern der Boeing.
Der Flugschreiber der abgestürzten Maschine wurde mittlerweile geborgen und den indischen Behörden zur Auswertung übergeben.
Der für den Lufttransport zuständige indische Minister Praful Patel hatte noch am Samstag gesagt, dass der Pilot der Unglücksmaschine, der Serbe Zlatko Glusica, mit mehr als 10.000 absolvierten Flugstunden sehr erfahren gewesen sei und die Umstände des Fluges bis zum Absturz "normal" gewesen seien.
Zuvor 19 sichere Landungen des Piloten auf dem Bajpe Airport
Dennoch mehren sich laut "Times" mittlerweile Zweifel daran, ob der Pilot bei dieser Landung den anspruchsvollen Bedingungen des plateauartig angelegten Flughafens gewachsen war.
19-mal war Glusica zuvor sicher auf dem Bajpe Airport gelandet, doch diesmal scheint er die Maschine zu spät auf der 2450 Meter langen Landebahn aufgesetzt zu haben. Ein Pilotenfehler sei "wahrscheinlich" die Unglücksursache, sagte der Chef Centre for Asia Pacific Aviation, Kapil Kaul. Glusica habe den idealen Landepunkt verpasst und deshalb nicht genug Zeit gehabt, die Maschine zum Stehen zu bringen.
Ob ein geplatzter Reifen am Fahrwerk Folge des harten Landemanövers war oder seine Ursache gewesen sein könnte, müssen die Ermittlungen zeigen. Ein vierköpfiges Forensiker-Team aus den USA werde die indischen Experten unterstützen, sagte eine Sprecherin der Air India. Die Fluggesellschaft wollte sich demnach nicht zu Spekulationen über die Absturzursache äußern.
Der Crash war das schlimmste Flugzeugunglück in Indien seit 1996. Damals kollidierten nahe Delhi zwei Passagiermaschinen, alle 349 Menschen an Bord kamen ums Leben.
pad
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