Eine der ersten Fragen in einem Taxi in Indien, Pakistan und Bangladesch lautet: "Sind Sie verheiratet?" Wenn ich alleine unterwegs bin, kommt die Frage des Fahrers meist in interessiertem Ton. Ist meine Frau dabei, hat das Ganze eine eher anzügliche Note. Die wahre Frage lautet dann nämlich: Ob bei dieser Partnerschaft wohl alles seine Richtigkeit hat? Zwinker, zwinker.
Man möchte in diesem Moment das Fenster herunterkurbeln und den unsagbaren Verkehrslärm ins Auto wehen lassen, um den Fortgang des Gesprächs unmöglich zu machen, aber leider sind die Kurbeln meistens defekt.
Es folgt also die unvermeidliche Frage Nummer zwei: "Wie lange sind Sie schon verheiratet?" Man grummelt genervt etwas dahin, was den Fahrer überhaupt nicht irritiert. Wie einem Drehbuch folgend, stellt er jetzt die Frage nach den Kindern. "Haben Sie Kinder?" Manche fragen auch gleich, davon ausgehend, dass es selbstverständlich Nachwuchs gibt: "Wie viele Kinder haben Sie?"
An dieser Stelle empfehle ich allen Kinderlosen, ungehemmt zu lügen. Rechnen Sie einfach ein Kind pro Jahr Verheiratetsein, maximal jedoch sechs, sonst wird's unglaubwürdig. Sagen Sie also ruhig voller Stolz: "Sechs!", strahlen Sie den Fahrer, dessen Augen Sie im Rückspiegel sehen, an, und bringen Sie ihn so zum neidvollen Verstummen. Sie ersparen sich mit dieser kleinen Notlüge mitleidige bis missbilligende Blicke sowie Erörterungen über Ihre Fruchtbarkeit.
Enormer Reproduktionsdruck nach der Hochzeit
Wenn Sie dagegen mit der Wahrheit rausrücken, bekommen Sie von Taxifahrern, Gemüsehändlern, Handwerkern, Wachleuten - von wildfremden Menschen also - an den Kopf geknallt: "Wie, Sie haben keine Kinder?!"
Südasiaten haben eine Kinderobsession, die in Zeugungszwang mündet: Wenn nicht neun Monate nach der Hochzeit das erste Kind da ist, geht das Geraune los. Wenig später schleppt die Familie die arme Frau und den armen Mann zum Arzt. "Mit ihr ist etwas nicht in Ordnung", heißt es schnell, oder: "Ist er etwa impotent?" Das ist keineswegs übertrieben, junge Paare in südasiatischen Ländern stehen unter gewaltigem Reproduktionsdruck. Ich bin ein Beweis, ich bin auf den Tag genau neun Monate nach der Hochzeit meiner Eltern geboren, kein Witz.
Erst wenn ein Kind da ist, geben die Verwandten Ruhe: mission accomplished.
Kürzlich las ich, dass das Elterngeld in Deutschland nichts gebracht hat. Im vergangenen Jahr kamen nur noch rund 650.000 Kinder in der Bundesrepublik zur Welt, während 840.000 Menschen starben - macht netto einen Bevölkerungsschwund von 190.000.
Nur mal so in den Raum geworfen: Indiens Bevölkerung wächst jedes Jahr um 15 Millionen Menschen. Glaubt man den Berechnungen der Vereinten Nationen, hat Indien spätestens bis zum Jahr 2050, wahrscheinlich schon 2025, China als das bevölkerungsreichste Land der Welt überholt (gerade ist man hier dabei, in einer aufwendigen Prozedur die Einwohner zu zählen). Pakistan wird dann, hinter China und den USA, auf Platz vier liegen. Und Bangladesch auf Platz sieben, direkt hinter Indonesien und Nigeria. Und das alles ohne finanziellen Anreiz zum Kinderkriegen.
Verwunderung über das deutsche Elterngeld
Als ich einem pakistanischen Bekannten vom Elterngeld in Deutschland erzählte, guckte er mich an, als sei ich nicht ganz zurechnungsfähig.
"Du meinst, die Regierung bezahlt den Leuten Geld, damit sie Sex haben?"
"Nicht exakt. Es geht darum, dass sie Kinder kriegen. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist ein wachsendes Problem, da ein Einkommen alleine heute oft nicht mehr ausreicht, um über die Runden zu kommen. Um also den Ausfall einer Einnahmequelle nach der Geburt eines Kindes zu kompensieren, springt der Staat ein", versuchte ich ihm diese familienfreundliche Politik zu erklären.
Er schien erschüttert und sagte nichts. Ich glaube, das war wieder so ein Fall von Zusammenprall der Kulturen.
Mit Kinderliebe allein hat das Bevölkerungswachstum in Südasien nicht zu tun. Jedenfalls glaube ich das nicht, wenn ich die vielen Kleinen sehe, die auf den Straßen von Karatschi, Mumbai und Dhaka zum Betteln geschickt werden, damit sie ihren Beitrag zum Familieneinkommen leisten.
Das ist natürlich nicht der Normalfall, man kann in Südasien eine durchaus erfreuliche Kindheit haben. Fakt ist aber, dass Kinder hier auch eine Altersvorsorge sind. Im Prinzip funktioniert das Rentensystem wie in Deutschland: Jung zahlt für Alt, aber eben nicht über einen allgemeinen Topf, sondern ganz individuell - die Kinder sorgen für ihre Eltern.
Offensichtlich führt das dazu, dass wirklich jeder Kinder haben will. Vielleicht ist sozialer Druck das effektivere familienpolitische Mittel als Elterngeld.
Wie, Sie haben noch keine Kinder? Dann aber hopp, hopp!
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Treffen sich zwei Planeten: "Du, ich habe Homo sapiens." "Igititit. Wie widerlich. Aber das geht vorüber." Wollen wir das mal hoffen. Aber wenn man diese Bildfolgen anschaut, dann hat man Zweifel. [...] mehr...
Gerne. Wenn denn alle angesparten Rentenbeiträge mit einer angemessenen Rendite ausgezahlt werden. Huuups ? Da muss ich etwas verpasst haben. Vor einer Generation - das war 1985. Dab es damals in D- Ost und West 120 Mio [...] mehr...
Das kenne ich auch zur Genüge. Besonders, weil ich ja trotzdem in einer Partnerschaft lebe. Meine Schwiegermutter hat noch 3 andere Schwiegertöchter, die sie eigentlich nicht so sehr mag, wenn sie halt nicht Mutter wären; das [...] mehr...
Vielleicht ergeht es Männern nicht so, ich als freiwillig kinderlose Frau werde auch hier in Deutschland schief angesehen, ausgegrenzt oder gar beschimpft (Rentenschmarotzerin, Egoistin). Erste Frage auf einem Klassentreffen: [...] mehr...
Also, ich selber bin ständig von Schwiegermutti mit diesem Thema schier in den Wahnsinn getrieben worden und wir sind keine Südasiaten, sondern Süddeutsche *zwinker - hängt das damit zusammen?*. Macht Kinder, Kinder, Kinder - [...] mehr...
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