Aus Kapstadt berichtet Maik Großekathöfer
Das Berg River Resort in Paarl liegt eine Autostunde nordöstlich von Kapstadt, auf dem Campingplatz gibt es einen Swimmingpool, zwei Billardtische und einen Minigolfplatz. Man kann Forellen angeln, auf einem Esel reiten oder mit dem Mountainbike in die Weinberge fahren. "Kann man aber auch auch alles sein lassen", sagt Frau Antje aus Holland und bestellt noch ein Bier. "Kannst auch einfach nur Fußball gucken."
Frau Antje ist in Wahrheit ein älterer Herr aus Enschede. Er trägt einen weißen Spitzhut und eine blonde Perücke mit Zöpfen, ein rotes Halstuch und ein Trikot der niederländischen Fußball-Nationalmannschaft. Frau Antjes Team hat gerade mal wieder gewonnen, das muss gefeiert werden.
Etwa 150 Fans aus Holland haben sich um den Zapfhahn versammelt, wasserstoffblondierte Studentinnen in knappen Röcken (orange), Rentner in Badeschlappen (orange), Mütter und Väter in Kapuzenpullis (orange). Sie trinken Heineken und singen: "Viva Hollandia." Die restlichen tausend sind ins Stadion von Durban gefahren, fürs Spiel gab es noch genügend Karten.
Dorf aus kleinen Zelten
Mitten im südafrikanischen Winter ist auf dem Campingplatz von Paarl normalerweise nichts los, aber jetzt steht da ein Dorf aus kleinen, braunen Zelten. Würstchen liegen auf dem Grill, die Tische (orange) sind gedeckt, neben dem Toilettenhäuschen stapeln sich Bierfässer und Gasflaschen (orange).
Seit drei Wochen campen die Niederländer jetzt schon in Südafrika, sie fahren durchs Land und klappern jeden Spielort ihrer Mannschaft ab. 4000 Kilometer haben sie schon hinter sich, von Pretoria nach Süden, die Garden Route entlang ans Kap, in einem Doppeldeckerbus (orange), in Landrovern, VW-Käfern (orange), in Trucks und in einem alten Burton, einem Cabrio mit dem Fahrgestell einer Citroën-"Ente" und der Karosserie eines Roadsters (orange).
150 Wohnmobile gibt es in Südafrika zu mieten, 120 davon haben die holländischen Schlachtenbummler gebucht. Der Rest war angeblich kaputt. Der Konvoi besteht aus 175 Fahrzeugen, sechs Kilometer vom ersten bis zum letzten Wagen. Es ist die wohl längste Kolonne in Südafrika seit dem Beginn des Großen Trecks 1835, als die Buren, die Kapholländer, vor den Briten durch die Wüste flohen.
In Malawi ist einer ertrunken
Mit dabei sind auch Oranje-Fans, die mit dem Auto oder dem Motorrad gekommen sind. Neun Wochen haben sie gebraucht für 20.000 Kilometer, bei mörderischer Hitze sind sie durch die Nubische Wüste im Sudan gefahren und durch die Serengeti in Tansania. Vier Motorschäden hatten sie unterwegs, in Malawi ist einer aus ihrer Gruppe beim Baden ertrunken. Da hätten sie die Reise fast abgebrochen.
Auf 10.000 Einwohner in den Niederlanden kommen 285 Wohnwagen, der frühere Premierminister Wim Kok urlaubte während seiner Amtszeit gerne auf einem Zeltplatz. Campen ist mehr als Verreisen, wollte er damit ausdrücken, es ist ein Stück Heimat in der Fremde. Ein Lebensgefühl, das sich bei einer Fußball-WM offenbar problemlos in den hintersten Winkel Südafrikas transportieren lässt.
Es gibt Fans, die machen die verrücktesten Dinge, um Fußball am anderen Ende der Welt zu sehen. Ein Norweger fuhr vom Hochplateau des Nordkaps mit dem Fahrrad bis an die Südspitze Afrikas, vier Schweizer kamen aus Zürich mit dem VW-Bus. Doch niemand treibt es bunter und lauter als die Niederländer. Sie sind die Clowns im Fußballwanderzirkus.
"Wir haben viel Spaß"
Wenn ihre Mannschaft spielt, marschieren sie hinter dem Doppeldeckerbus her zur nächsten Bahnstation oder gleich direkt bis vors Stadion. Es ist eine Demonstration der guten Laune, die Fans sind verkleidet als Fee (orange), als Elvis oder als Indianer (orange). "Wir haben viel Spaß hier, mit den Einheimischen und den Fans anderer Mannschaften", sagt Mari van der Doelken, er wohnt in der Nähe von Eindhoven. "Ich wusste gar nicht, dass Japaner so viel trinken können."
Im Krüger-Nationalpark stand eines Morgens ein Elefant in ihrem Zeltlager, in Pretoria lagen die Oranje-Fans bei minus acht Grad im Schlafsack. Und in Johannesburg verstopften sie die Autobahn: Als die Camper nach dem ersten WM-Spiel der Niederländer Johannesburg wieder verließen, sperrte die Polizei eigens für sie 20 Kilometer des Highway N3. Das südafrikanische Fernsehen übertrug den Abzug live.
Zum Viertelfinalspiel der Niederländer in Port Elizabeth am Freitag fuhr jedoch nur noch ein kleiner Teil der orangefarbenen Karawane. Die meisten Karten des niederländischen Kontingents für die Partie gegen Brasilien hatten Fans erworben, die extra aus Amsterdam angereist kamen. Mit dem Flugzeug.
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So ganz nebenbei mal 100%ige Zustimmung. mehr...
da sie eindeutig die hübscheren weiblichen Fans haben... ;-) mehr...
"Im Krüger-Nationalpark stand eines Morgens ein Elefant in ihrem Zeltlager, in Pretoria lagen die Oranje-Fans bei minus acht Grad im Schlafsack...." Ersteres halte ich fuer falsch, zweiteres *ist* falsch. In Pretoria [...] mehr...
....pure Lebensfreude, denn dafür sind die Spiele doch eingerichtet worden, oder? Und wenn es auch bei einem eventuell verlorenen Spiel zu keinen Ausschreitungen kommt, dann könnten sich so manche andere Fans eine grosse Scheibe [...] mehr...
...die haben wenigstens hübsche weibliche Fussballfans! Auf unserer Seite sehe ich im TV hingegen nur häßliche Hartz4 "Jubelschabracken"! mehr...
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