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24.07.2010
 

Duisburg

Katastrophe bei der Love Parade - viele Tote

Aus der Millionenparty wurde ein Alptraum: Bei der Love Parade in Duisburg sind mindestens neun Frauen und sechs Männer ums Leben gekommen. Sie wurden bei einer Massenpanik in einem Tunnel erdrückt. Hunderttausende feierten weiter, die Musik dröhnte, viele wussten noch nichts von dem Unglück.

Katastrophe bei der Love Parade: Mindestens 15 Menschen sind an diesem Samstagnachmittag bei einer Massenpanik in Duisburg ums Leben gekommen. Sie hatten gegen 17 Uhr versucht, auf das Gelände zu gelangen, auf dem die Love Parade stattfindet. In einem Tunnel zum Festivaleingang kam es zur Panik, nachdem das Gelände gerade gesperrt worden war und es kein Durchkommen mehr gab.

Die Zahl der Toten wird inzwischen mit 15 angegeben, neun Frauen und sechs Männer. Viele Menschen mussten wiederbelebt werden, mehr als hundert wurden verletzt. Wie hoch die Zahl der Opfer liegt, ist Stunden nach dem Unglück unklar.

Ein Augenzeuge sagte dem Nachrichtensender n-tv, der Tunnel habe wie eine "Falle" gewirkt. "Überall lagen Menschen auf dem Boden herum. So stelle ich mir Krieg vor." Und weiter: "Die Menschenmenge, die nachrückte, die lief einfach über die am Boden liegenden drüber. Also eine richtige Massenpanik." Die Polizei habe versucht, in den Tunnel vorzudringen, um die am Boden liegenden Menschen herauszuziehen. "Es war aber zu voll, die Polizei hat die Menschen nicht herausbekommen, es war nichts zu machen." Andere Zeugen äußerten sich ähnlich.


Polizeihauptkommissar Jürgen Kiskemper nannte die Situation "sehr chaotisch". Die Ursache der Panik sei noch unklar, sagte Kiskemper. "Wir müssen noch aufklären, was da war."

Auch lange nach dem Unglück wummerten die Bässe - die Veranstalter entschieden sich zunächst dagegen, die Musik einfach abzustellen oder leiser zu drehen. Offenbar hatten sie Angst vor einer weiteren Panik. "Der Krisenstab der Stadt Duisburg hat sich entschlossen, aus Sicherheitsgründen die Veranstaltung zurzeit nicht zu beenden", sagte Stadtsprecher Frank Kopatschek.

Die Helfer und Retter standen vor einer gigantischen Aufgabe: Wie bringt man Hunderttausende Menschen, viele betrunken und ahnungslos, dazu, das Gelände ruhig und sicher zu verlassen? 1200 Polizisten waren in Einsatz, aber die Zahl der Raver, die in Duisburg ihren Spaß suchten, lag bei rund einer Million.

Zeugen im Wortlaut

Wo haben die Sicherungssysteme versagt? Was passierte im Tunnel? Die Ursachensuche beginnt - SPIEGEL ONLINE dokumentiert Zeugenaussagen aus verschiedenen Quellen. Die Angaben konnten nicht verifiziert werden. Klicken Sie auf die Überschriften...

Fabio, 21: "Reihenweise Leute zusammengeklappt"

Udo: "So stelle ich mir Krieg vor"

Dustin, 17: "Neben mir ist ein Mädchen gestorben"

TV-Augenzeuge: "Dann sind wir alle umgefallen"

Achmed, 17: "Brutal nach vorne gedrückt"

Mario, Stefan, Rebecca: "Direkt niedergetrampelt"

"Gabi", 43: "Die einen wollten rein, die anderen raus"

"Ronja", 17: "Uns kamen tausend entgegen"

Rettungskräfte versuchten, sich durch die tanzende Menschenmassen zu kämpfen. Polizei- und Rettungswagen rückten auf der benachbarten Schnellstraße zum Großeinsatz an. Sanitätshubschrauber landeten auf der Autobahn. Notzelte wurden direkt auf der Autobahn aufgebaut.

Nach Angaben des WDR waren Raver über die gesperrte Autobahn A59 neben dem Festivalgelände am alten Güterbahnhof gelaufen, dann bogen sie in den Tunnel in der Karl-Lehr-Straße. Dieser wurde zum Nadelöhr, dort kam es zu der Massenpanik. Einige Besucher wollten die Party schon verlassen - während viele andere gerade zur Schlussveranstaltung drängten.

Die Notausgänge des Geländes wurden nach dem tragischen Unfall geöffnet, sagte Kopatschek. Die Zuschauer wurden über die Autobahn 59 und die Anschlussstelle Hochfeld geführt. Alle neu ankommenden Besucher wurden am Hauptbahnhof angehalten und aufgefordert, wieder umzukehren. Dort spitzte sich die Lage zunächst zu, nachdem immer mehr Teilnehmer dorthin drängten. Der Zugverkehr in Richtung Süden wurde kurz nach 18 Uhr gestoppt, gegen 19 Uhr fuhren die ersten Züge wieder ab.

jul/dpa/AP/Reuters/AFP

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Love-Parade-Gelände in Duisburg - vergrößern...

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Massenpaniken

Immer wieder kam es in den vergangenen Jahrzehnten zu großen Massenpaniken - klicken Sie auf die Überschriften...

Januar 2006, Mekka

September 2005, Bagdad

Mai 2001, Accra

April 2001, Johannesburg

Juni 2000, Roskilde

Dezember 1999, Innsbruck

Juli 1990, Mekka

April 1989, Sheffield

Mai 1985, Brüssel

Mai 1964, Lima

Die Love Parade

Die Love Parade findet seit 1989 statt, zunächst über viele Jahre in Berlin. 2007 zog die Veranstaltung dann ins Ruhrgebiet um, mit der Premiere in Essen. Vor zwei Jahren gastierte sie in Dortmund. 2009 sagte Bochum die Techno-Party ab, weil die Stadt keine Chance sah, den Besucherandrang zu bewältigen und einen geeigneten Veranstaltungsort zu finden. 2010 endete die Love Parade in einer Tragödie: 21 Menschen starben, mehr als 500 wurden verletzt.

Die Anfänge

Die Flaute

Die Rückkehr

Die Katastrophe






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