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24.07.2010
 

Reaktionen zur Love-Parade-Katastrophe

"Die Veranstalter sind schuld"

Duisburg: Katastrophe bei der Love Parade
Fotos
REUTERS

Spitzenpolitiker drücken nach dem Love-Parade-Unglück ihr Beileid und Entsetzen aus. Der Gründer der Love Parade erhebt gegen die Veranstalter schwere Vorwürfe - diese sprechen von "ganz schlimmen Nachrichten".

Dmitrij Medwedew, russischer Präsident: "Mit Trauer habe ich Kenntnis von dieser Tragödie genommen", schrieb der Kremlchef in einem Telegramm an Bundeskanzlerin Angela Merkel. "Ich übermittle den Angehörigen der Toten mein tiefes Beileid und wünsche den Verletzten eine schnelle Genesung", heißt es in dem Schreiben, das die Kremlverwaltung am Sonntagabend veröffentlichte.

Matthias Roeingh, "Dr. Motte", Erfinder der Loveparade: "Die Veranstalter haben einen krassen Managementfehler begangen. Wie kann man denn Menschen nur durch einen einzigen Zugang auf das Gelände lassen. Das ist ein Skandal. Die Veranstalter sind schuld. Die haben doch gewusst, dass es voll wird. Was also haben Zäune und Security da zu suchen? Bei nur einem Zugang. Mein Mitgefühl gilt den Familien der Toten und den Verletzten."

Rainer Schaller, Geschäftsführer der Love Parade GmbH und der McFit Fitness GmbH, Großsponsor der Love Parade: "Das bedeutet das Aus der Love-Parade. Worte reichen nicht aus, um das Maß meiner Erschütterung zu erklären. Mir ist alles daran gelegen, die Geschehnisse vollständig aufzuklären."

Björn Köllen, Sprecher des Veranstalters Lopavent, auf Radio Duisburg: "Das ist eine ganz schlimme Nachricht für uns." Offizielle Mitteilung von Lopavent: "Unser Anliegen, ein fröhliches Miteinander von Menschen durchzuführen, ist heute von den tragischen Unglücksfällen überschattet worden. Daher beenden wir den Livestream zur Loveparade. Unser aufrichtiges Beileid gilt allen Angehörigen und unsere Gedanken sind bei denjenigen, die derzeit noch versorgt werden müssen."

David Guetta, DJ, sagte seinen Auftritt ab: "Was heute passiert ist, ist herzzerreißend und noch nie dagewesen. Meine Fans, die gekommen sind, um mit mir zu tanzen, werden verstehen (warum ich abgesagt habe, d. Red.). Wenn ihr da seid, seid bitte vorsichtig und kommt gut nach Hause. Mein aufrichtiges Mitgefühl gilt allen, die betroffen sind."

DJ Westbam: "Mein Flug hatte drei Stunden Verspätung, also bin ich gerade erst hier angekommen und völlig schockiert. Als ich mein Handy nach dem Flug angemacht habe, hatte ich schon 30 SMS, die mich über das Fürchterliche informiert haben. Ich weiß nun gar nicht genau, was ich jetzt tun soll. Der Veranstalter bittet mich, aufzulegen, da die Polizei ihn darum bittet. Es sind Menschen gestorben, nun können die die Stimmung und Aggression der Weiterfeiernden nicht einschätzen und wollen weiteres Unheil verhindern." Er würde nur "aus Disziplingründen" auflegen. "Aber ich habe energetische Musik dabei, die denkbar schlecht zu der Situation passt. Das geht dann nicht", sagte er. Man müsse jetzt angemessene, leise Musik spielen, damit sich die Veranstaltung schnell und friedlich auflöse. "Es kann nicht sein, dass die Sache da nun weiter aufgepeitscht wird. Klar, die wummern auf Bitten der Polizei weiter, aber ich will es nicht, und ich kann es auch gar nicht."

Christian Wulff, Bundespräsident: "Eine solche Katastrophe, die während eines friedlichen Festes fröhlicher junger Menschen aus vielen Ländern Tod, Leid und Schmerz verursacht, ist furchtbar. Wie viele Menschen in unserem Land, die von diesem Unglück erfahren, bin ich mit meinen Gedanken bei den Opfern der Tragödie und allen ihren Angehörigen und Freunden. Ich hoffe, dass ihnen und allen Verletzten schnelle und wirksame Hilfe zuteil wird und die Ursachen rückhaltlos aufgeklärt werden."

Papst Benedikt XVI.: "Ich gedenke in meinen Gebeten der jungen Menschen, die ihr Leben verloren haben", sagte der Papst in seiner Sommerresidenz Castel Gandolfo. Ihn erfülle "tiefe Trauer".

Fritz Pleitgen, Cheforganisator der Kulturhauptstadt "Ruhr.2010": "Ganz klar fühle ich mich auch mitverantwortlich, aber eher im moralischen Sinne", sagte der dem ZDF. Er trage "schwer" daran. Die Love Parade sei ein "erprobtes Format": "Es ist uns angeboten worden als Projekt für die Kulturhauptstadt. Wir haben das angenommen, aber wir sind weder finanziell noch organisatorisch beteiligt." Die Kulturhauptstadt- Veranstaltungen würden nun aber nicht abgesagt. "Da wir nicht lauthals losfeiern, werden die Veranstaltungen weiter gehen. Wir werden uns immer erinnern, was hier geschehen ist." Die Geschäftsführung der "Ruhr 2010" sprachen den Angehörigen ihr Beileid aus: "Wir sind schockiert. Was so fröhlich und friedlich begonnen hat, ist in einer Katastrophe geendet. Es macht uns zutiefst bestürzt, dass so viele junge Menschen ihr Leben verloren haben. Unser aufrichtiges Mitgefühl gilt den Angehörigen."

Adolf Sauerland (CDU) Bürgermeister von Duisburg: "In meinen Gedanken bin ich bei den Opfern und ihren Angehörigen. Die Loveparade sollte ein friedliches und fröhliches Fest für junge Menschen aus der Region und darüber hinaus werden. Jetzt muss diese Veranstaltung leider als eine der größten Tragödien der jüngeren Stadtgeschichte gewertet werden. Ich bin zutiefst erschüttert. Wir hatten im Vorfeld mit dem Veranstalter und allen beteiligten Partnern ein stichhaltiges Sicherheitskonzept ausgearbeitet. Die jetzt eingeleiteten Ermittlungen müssen den genauen Ereignishergang zu Tage fördern."

Angela Merkel, CDU, Bundeskanzlerin: "In diesen schweren Stunden bin ich in Gedanken bei den Angehörigen der Opfer. Ihnen gelten meine Anteilnahme und meine Trauer. Zum Feiern waren die jungen Menschen gekommen, stattdessen gibt es Tote und Verletzte. Ich bin entsetzt und traurig angesichts des Leids und des Schmerzes."

José Manuel Barroso, EU-Kommissionspräsident: "Ich spreche Deutschland, Nordrhein-Westfalen und den Familien der Opfer des Unglücks bei der Duisburger Love Parade im Namen der EU-Kommission und in meinem eigenen Namen mein tief empfundenes Mitgefühl aus."

Bernard Kouchner, französischer Außenminister: "Im Namen Frankreichs übermittle ich den Angehörigen der Opfer mein Beileid", hieß es in einer am Sonntag in Paris veröffentlichten Erklärung des Ministers. Kouchner bekundete seine Solidarität mit den deutschen Behörden.

Sigmar Gabriel, SPD-Vorsitzender: "Es ist entsetzlich, dass junge Menschen, die friedlich feiern wollten, plötzlich aus dem Leben gerissen wurden. Unsere Anteilnahme gilt ihren Angehörigen. Unsere besten Genesungswünsche gehen an die vielen Verletzten."

Ralf Jäger, SPD, nordrhein-westfälischer Innenminister: "Ich bin entsetzt und traurig, dass Menschen, die unbeschwert feiern wollten, gestorben sind. Mein ganzes Mitgefühl gilt ihren Angehörigen und Freunden."

Hannelore Kraft, SPD, Ministerpräsidentin NRW: "Unser Entsetzen über das schreckliche Unglück bei der Loveparade in Duisburg lässt uns verstummen", sagte Kraft am Samstagabend. Das ganze Land trauere um die jungen Frauen und Männer, die friedlich feiern wollten und bei diesem grauenhaften Drama ihr Leben verloren haben. "Unsere Gedanken sind jetzt bei den Familien, Angehörigen und Freunden der Toten und der Verletzten."

Guido Westerwelle, Außenminister und FDP-Chef: "Wir trauern mit den Angehörigen der Verstorbenen, und wir bangen und hoffen mit den Verletzten und ihren Familien."

Claudia Roth, Grünen-Chefin: "Wir sind geschockt und empfinden Bestürzung und Trauer über diese Katastrophe bei einem friedlichen und ursprünglich fröhlichen Event, an dem junge Menschen aus ganz Deutschland und Europa teilgenommen haben."

Thomas de Maizére, CDU-Politiker und Bundesinnenminister: "Den Angehörigen der Opfer gilt mein volles Mitgefühl. Wo die Kräfte des Bundes helfen können, helfen sie."

Die Katastrophe bei der Loveparade bestimmte am Sonntag auch die Schlagzeilen im Ausland:

"El Mundo", Spanien: "Der Umzug der Liebe wurde zur Parade des Horrors."

"Jediot Achronot", Israel: "Sie kamen aus Liebe und wurden zu Tode gequetscht."

"Argumenty i Fakty", Russland: "Liebesparade wird zur Todesparade: Mindestens 19 Menschen sterben beim Festival gegen Hass und Zwietracht in Duisburg."

"News", Russland: "Totentanz in Duisburg: Nach der Tragödie im Tunnel werden in Deutschland Rufe nach einer Untersuchungskommission laut."

"El País", Spanien: "Der Tunneleingang wurde zur Todesfalle. Eine Feier dieser Größenordnung ist für eine Stadt mit weniger als einer halben Million Einwohnern wie Duisburg eine organisatorische Herausforderung. Der Ansturm war doppelt so groß wie die Einwohnerzahl."

"Ekstra Bladet", Dänemark: "Die Katastrophe war abzusehen, denn die Veranstalter ließen viel zu viele Menschen hereinkommen. Der Bahnhof in Duisburg war viel zu klein für so ein Riesenereignis wie die Loveparade."

"La Repubblica", Italien: "Tunnel zur Hölle: Massaker von Jugendlichen bei der Loveparade von Duisburg."

"La Stampa", Italien: "Tragödie im Tunnel bei der Techno-Parade, doch für 1,4 Millionen geht das Fest weiter. Deutschland, Blutbad der Musik".

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insgesamt 6344 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
01.08.2010 von sysop:

Liebe Forums-Teilnehmer, bitte diskutieren Sie die Katastrophe in Duisburg an sofort in unserem neuen Heft-Forum 'Love Parade - welche Lehren müssen aus Duisburg gezogen werden?', das Sie unter der URL [...] mehr...

01.08.2010 von gsm900: Typisch FDP

Den Schaden dem Steuerzahler an die Backe zu binden. (Baums Vorschlag) Unternehmer sind da fein raus GmbH (mt Haftunsbeschränkung gründen) falls es Problem gibt ab zum Konkursgericht. mehr...

01.08.2010 von namachschon: Oh nein, bitte nicht...

Hoffentlich bleiben wir davon verschont!!!! Grüße... mehr...

01.08.2010 von gerry43mg: Volle Zustimmung

Frau Kraft wird in den nächsten 5 Jahren zeigen müssen, was sie wirklich drauf hat und ob ihren Worten dann auch Taten folgen. Was mich allerdings beeindruckt hat war nich das, WAS sie gesagt hat sondern die Art und Weise , WIE [...] mehr...

01.08.2010 von lady.thorn:

Ich bin mit den genauen Auflagen der LoveParade leider nicht vertraut, aber wenn das Anbringen von Lautsprechern wirklich zu den Auflagen gehörte (gibt es hierzu Dokumente?), dann kann ich über dieses "Versäumnis" nur [...] mehr...

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Immer wieder kam es in den vergangenen Jahrzehnten zu großen Massenpaniken - klicken Sie auf die Überschriften...

Januar 2006, Mekka

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Mai 2001, Accra

April 2001, Johannesburg

Juni 2000, Roskilde

Dezember 1999, Innsbruck

Juli 1990, Mekka

April 1989, Sheffield

Mai 1985, Brüssel

Mai 1964, Lima


Die Love Parade

Die Love Parade findet seit 1989 statt, zunächst über viele Jahre in Berlin. 2007 zog die Veranstaltung dann ins Ruhrgebiet um, mit der Premiere in Essen. Vor zwei Jahren gastierte sie in Dortmund. 2009 sagte Bochum die Techno-Party ab, weil die Stadt keine Chance sah, den Besucherandrang zu bewältigen und einen geeigneten Veranstaltungsort zu finden. 2010 endete die Love Parade in einer Tragödie: 21 Menschen starben, mehr als 500 wurden verletzt.

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