Hamburg - Er habe schon viel erlebt, sagt der Polizeioberkommissar aus Duisburg. Die Mafiamorde vor drei Jahren, die Schießerei im Rockermilieu 2009, um nur einige Beispiele zu geben, aber das jetzt, das sei wirklich "das Allerschlimmste". In mehr als zehn Dienstjahren sei ihm "so etwas nicht untergekommen".
Der Beamte, der seinen Namen nicht nennen möchte, weil er ohne Erlaubnis seiner Vorgesetzten eigentlich nicht mit der Presse sprechen darf, war auch an diesem Samstag im Einsatz, natürlich, "wie jeder hier im Präsidium, der laufen kann". 1200 Polizisten, jeder von ihnen schob eine Zwölf-Stunden-Schicht in praller Sonne, während die Bässe dröhnten und die Raver kreischten.
Und dann wurde um kurz nach 17 Uhr aus einem nervtötenden Einsatz auch noch die größte Katastrophe, die das Ruhrgebiet in Jahrzehnten erlebt hat.
Am Ende des Tunnels, der auf das mittlerweile gesperrte Veranstaltungsgelände führte, hätten zahlreiche Technofans versucht, Bauzäune niederzureißen und über eine schmale Treppe in den Bereich des ehemaligen Güterbahnhofs vorzudringen. "Die Stimmung war explosiv. Viele schienen berauscht zu sein", so der Polizist. Plötzlich seien einige Raver in die Tiefe gestürzt.
Diese Darstellung bestätigt später der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU). Seinen Angaben zufolge fielen mehrere Personen aus bis zu neun Metern Höhe hinab auf die Straße. Die Notärzte hätten bei einigen der 19 Toten und Hunderten Verletzten Quetschungen des Rückenmarks festgestellt.
Angst, Entsetzen, rücksichtsloses Rennen, Schubsen, Drängeln. "Die waren nicht mehr zu bändigen", so die Beamtin. Rettungskräfte und Polizisten hätten lange gebraucht, um sich überhaupt zur Unglücksstelle durchzukämpfen. "Es war die Hölle."
Doch wie konnte es zu der Katastrophe kommen?
Nur die Hälfte erwartet?
Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE war die Einsatzleitung der Polizei stets davon ausgegangen, dass höchstens 500.000 Raver auf dem 230.000 Quadratmeter großen Partygelände würden feiern können. Dass in einer solch dicht besiedelten Region wie dem Ruhrgebiet aber deutlich mehr Menschen zur Love Parade kommen würden, schien absehbar. Zuletzt feierten schließlich 2008 in Dortmund 1,6 Millionen Partypeople, und auch diesmal waren es nach ersten Angaben 1,4 Millionen Menschen - wobei die Polizei die Zahl für etwas zu hoch gegriffen hält.
In Bochum war die Love Parade im vergangenen Jahr auch wegen der schwierigen Situation rund um den Hauptbahnhof abgesagt worden. Entsprechende Sorgen machte sich der zuständige Beigeordnete in Duisburg nicht. Wolfgang Rabe, verantwortlich für Sicherheit und Ordnung, sagte im Frühjahr dem WDR, Bedenken wegen der Lage und des Bahnhofes "gibt es in Duisburg nicht". Selbst mit mehr als einer Million Besuchern sei die Love Parade "durchführbar". Man habe "ganz unterschiedliche Maßnahmen, mit denen wir das problemlos steuern können".
Der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) sagte, die Ermittlungen der Polizei müssten nun "den genauen Ereignishergang zutage fördern". Die Stadt habe "im Vorfeld mit dem Veranstalter und allen beteiligten Partnern ein stichhaltiges Sicherheitskonzept ausgearbeitet". "Wenn Sie jetzt hören, was wohl die Ursachen sind, dann lag es nicht am Sicherheitskonzept, was nicht gegriffen hat, sondern wahrscheinlich an individuellen Schwächen."
Love-Parade-Gründer Dr. Motte, der mit der Party in Duisburg nichts zu tun hat, hat den Veranstaltern dagegen schwere Management-Fehler vorgeworfen: "Sie sind schuld", sagte er dem "Berliner Kurier". Es sei ein Skandal, die Menschen nur durch einen einzigen Zugang auf das Gelände am alten Güterbahnhof zu lassen. "Da ging es doch nur ums Geldmachen. Die Veranstalter haben nicht das geringste Verantwortungsgefühl für die Menschen gezeigt."
Ein hochrangiger Kriminalbeamter aus Duisburg hat den Eindruck, die Stadt habe die Veranstaltung "aller Sicherheitsbedenken zum Trotz" durchgeboxt. "Man wollte sich damit unbedingt schmücken. Doch es ist eine Tragödie geworden. Ein Schandfleck."
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Liebe Forums-Teilnehmer, bitte diskutieren Sie die Katastrophe in Duisburg an sofort in unserem neuen Heft-Forum 'Love Parade - welche Lehren müssen aus Duisburg gezogen werden?', das Sie unter der URL [...] mehr...
Den Schaden dem Steuerzahler an die Backe zu binden. (Baums Vorschlag) Unternehmer sind da fein raus GmbH (mt Haftunsbeschränkung gründen) falls es Problem gibt ab zum Konkursgericht. mehr...
Hoffentlich bleiben wir davon verschont!!!! Grüße... mehr...
Frau Kraft wird in den nächsten 5 Jahren zeigen müssen, was sie wirklich drauf hat und ob ihren Worten dann auch Taten folgen. Was mich allerdings beeindruckt hat war nich das, WAS sie gesagt hat sondern die Art und Weise , WIE [...] mehr...
Ich bin mit den genauen Auflagen der LoveParade leider nicht vertraut, aber wenn das Anbringen von Lautsprechern wirklich zu den Auflagen gehörte (gibt es hierzu Dokumente?), dann kann ich über dieses "Versäumnis" nur [...] mehr...
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