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25.07.2010
 

Zeugen der Katastrophe

"Neben mir ist ein Mädchen gestorben"

Wo haben die Sicherungssysteme versagt? Was passierte im Tunnel? Die Ursachensuche beginnt - SPIEGEL ONLINE dokumentiert Zeugenaussagen aus verschiedenen Quellen. Die Angaben konnten nicht verifiziert werden.


Fabio, 21: "Reihenweise Leute zusammengeklappt"

Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa: "Wir standen mittendrin. Es hatten immer mehr Menschen noch versucht, zum Gelände zu kommen. (...) Wir waren schon durch den Tunnel durch und standen auf dem kurzen Stück vor dem Eingang. Dort ging es aber nicht weiter." Einige seien über Zäune und über eine Leiter geklettert oder über eine enge Treppe am Tunnelende. "Wir sind danach durch den Tunnel zurück. Meine Freundin und ich haben schon kaum mehr Luft mehr bekommen und haben die Ellbogen ausgefahren, um noch wegzukommen. (...) Anschließend haben wir die Polizei alarmiert und gesagt, dass es im Tunnel gleich zur Massenpanik kommen wird." Passiert sei erst einmal nichts. "Das war etwa eine Dreiviertelstunde vor dem Unglück gewesen. Da waren aber schon Leute reihenweise zusammengeklappt."


Udo: "So stelle ich mir Krieg vor"

n-tv-Kameramann und Augenzeuge: "Da lagen schon einige Menschen am Boden, andere kletterten die Wände hoch und versuchten, über die Seiten in das Gelände hineinzukommen. Und die Menschenmenge, die nachrückte, die liefen einfach über die am Boden liegenden drüber. Also eine richtige Massenpanik. (...) Die Polizei hat versucht, hineinzugehen in die Menge und die am Boden liegenden Menschen herauszuziehen. Es war aber zu voll, die Polizei hat die Menschen nicht herausbekommen, es war nichts zu machen. (...) Überall lagen Menschen auf dem Boden herum. So stelle ich mir Krieg vor." Die Veranstalter seien vermutlich nicht richtig auf die Menschenmassen vorbereitet gewesen. "Das war programmiertes Chaos." Zunächst seien keine Rettungskräfte dort gewesen: "Hilfskräfte waren erst mal gar nicht vorhanden, vielleicht drei, vier vom Malteser Hilfsdienst. Die konnten aber in der Masse der Menschen auch nichts machen. Man kann nicht mit einer Million Menschen planen und dann ein Gelände für 350.000 Menschen bereitstellen."


Dustin, 17: "Neben mir ist ein Mädchen gestorben"

Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP: "Alle wollten noch auf das Gelände. Damit es schneller geht, sind einige auf die Treppe ausgewichen." Diese führt von der Unterführung direkt zum Güterbahnhof, doch "von hinten drückten immer mehr nach". Es habe 40 Minuten nur Panik gegeben, erst dann habe eine Rettungsgasse gebildet werden können. Für viele kam die Hilfe zu spät. Dustin: "Neben mir ist ein Mädchen gestorben." Es sei einfach erdrückt worden. Ein weiteres Mädchen habe neben ihm gelegen und sei schon blau angelaufen gewesen. Mit Mund-zu-Mund-Beatmung habe er sie wiederbeleben können. "Auf mir lagen noch zwei Menschen." Teilweise seien fünf bis sechs Personen übereinandergeschoben worden. Schließlich hätten ihn Rettungssanitäter herausgezogen. Es sei so eng gewesen, dass seine Schuhe zwischen den Menschen steckenblieben: "Ich hatte schon mit dem Leben abgeschlossen. Ich hätte nicht gedacht, dass ich noch Luft bekomme."


TV-Augenzeuge: "Dann sind wir alle umgefallen"

Mann im WDR-Interview: "Es hat sich alles wie in einem Hexenkessel gestaut. Es kamen immer weiter Leute von hinten. Und irgendwann fangen die Leute dann an, umzukippen. Ein paar sind die Treppe hochgegangen, ein paar den Mast hochgeklettert." Gemeint sind eine Nottreppe und ein Lautsprechergerüst, die von unten auf das Gelände führen. "Ich hab nur gesehen, dass ich mit meiner Freundin oben bleibe, weil ich wusste: Wenn ich einmal am Boden liege, dann werden die Leute über uns drübertrampeln. Dann sind wir alle umgefallen, ich halb mit runter, meine Beine waren beide eingequetscht." Zum Glück habe ihm jemand hochgeholfen, "dann sind wir wie durch Glück aus der Masse rausgetrieben worden. (…) Dann hab ich allen gesagt: Geht wieder zurück, die Leute sterben da vorne." Als er die Polizisten gewarnt habe, habe er gehört: "Willst Du das hier organisieren?" Jetzt bewege er sich von seinem sicheren Ort nicht weg, sitze da, eine halbe Stunde, eine Stunde, vielleicht länger, und wolle nicht mehr weitergehen. Er fürchte, dass so etwas wieder passiere.


Achmed, 17: "Brutal nach vorne gedrückt"

Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa: "Als die Polizei das Gelände abriegeln wollte, wurden wir brutal nach vorne gedrückt, die Leute vorne bekamen keine Luft mehr." Die Stimmung sei zunächst gar nicht aggressiv gewesen. "Die wollten doch alle nur Spaß. (...) Dann haben alle geweint, ich habe geweint. Ich habe noch nie gesehen, wie ein Mensch gestorben ist."


Mario, Stefan, Rebecca: "Direkt niedergetrampelt"

Stimmen auf dem Internet-Portal DerWesten - Mario: "Es waren Tausende Menschen im Tunnel. Viel zu viele auf jeden Fall. Die Leute sind reihenweise umgefallen. Und die Polizei hat von beiden Seiten immer mehr Leute in den Tunnel geschickt". Stefan: "Wer umgefallen ist, wurde direkt niedergetrampelt." Die Sanitäter seien erst nicht durchgekommen. Rebecca: "Dann ist ein Rettungswagen durch die Menge gefahren, aber dadurch wurden alle noch mehr zusammengedrängt. Alle waren total hysterisch."


"Gabi", 43: "Die einen wollten rein, die anderen raus"

Forumseintrag auf einslive.de: "Wir sind etwa eine halbe Stunde vor der Panik durch diesen Tunnel gelaufen. Es war tierisch voll. Die einen wollten rein, die anderen raus. Also Gegenverkehr und großes Geschubse. Das war das große Problem. Die Polizei stand dabei und hat nur geschaut... Nun, es hört sich jetzt vielleicht klugscheißerisch an, aber irgendwie konnte man es doch vorhersehen. Nur ein Eingang zum Gelände. Und es passten nicht alle drauf, die auch gerne wollten."


"Ronja", 17: "Uns kamen tausend entgegen"

Forumseintrag auf einslive.de: "Ich war in dem Tunnel. Plötzlich kam eine Frau zu uns und sagte wir sollen gehen, vorne fingen Massenschlägereien an. Die Menschen wurden über Traversen auf die Brücke geschleust, über Container hochgeschoben, bevor alles passiert ist. (...) Uns kamen auf den Rückweg noch mindestens tausend Menschen entgegen. Warum haben die Veranstalter nur einen Eingang gehabt?"

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01.08.2010 von sysop:

Liebe Forums-Teilnehmer, bitte diskutieren Sie die Katastrophe in Duisburg an sofort in unserem neuen Heft-Forum 'Love Parade - welche Lehren müssen aus Duisburg gezogen werden?', das Sie unter der URL [...] mehr...

01.08.2010 von gsm900: Typisch FDP

Den Schaden dem Steuerzahler an die Backe zu binden. (Baums Vorschlag) Unternehmer sind da fein raus GmbH (mt Haftunsbeschränkung gründen) falls es Problem gibt ab zum Konkursgericht. mehr...

01.08.2010 von namachschon: Oh nein, bitte nicht...

Hoffentlich bleiben wir davon verschont!!!! Grüße... mehr...

01.08.2010 von gerry43mg: Volle Zustimmung

Frau Kraft wird in den nächsten 5 Jahren zeigen müssen, was sie wirklich drauf hat und ob ihren Worten dann auch Taten folgen. Was mich allerdings beeindruckt hat war nich das, WAS sie gesagt hat sondern die Art und Weise , WIE [...] mehr...

01.08.2010 von lady.thorn:

Ich bin mit den genauen Auflagen der LoveParade leider nicht vertraut, aber wenn das Anbringen von Lautsprechern wirklich zu den Auflagen gehörte (gibt es hierzu Dokumente?), dann kann ich über dieses "Versäumnis" nur [...] mehr...

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Immer wieder kam es in den vergangenen Jahrzehnten zu großen Massenpaniken - klicken Sie auf die Überschriften...

Januar 2006, Mekka

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Mai 2001, Accra

April 2001, Johannesburg

Juni 2000, Roskilde

Dezember 1999, Innsbruck

Juli 1990, Mekka

April 1989, Sheffield

Mai 1985, Brüssel

Mai 1964, Lima


Die Love Parade

Die Love Parade findet seit 1989 statt, zunächst über viele Jahre in Berlin. 2007 zog die Veranstaltung dann ins Ruhrgebiet um, mit der Premiere in Essen. Vor zwei Jahren gastierte sie in Dortmund. 2009 sagte Bochum die Techno-Party ab, weil die Stadt keine Chance sah, den Besucherandrang zu bewältigen und einen geeigneten Veranstaltungsort zu finden. 2010 endete die Love Parade in einer Tragödie: 21 Menschen starben, mehr als 500 wurden verletzt.

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