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28.07.2010
 

Love-Parade-Desaster

Fragen, Anregungen, Kritik? Keine!

Nach der Katastrophe: "Duisburg erholt sich davon nicht mehr"
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DDP

Ein internes Dokument aus der Duisburger Stadtverwaltung zeigt, dass die Bedenken der Sicherheitsbehörden gegen die Love-Parade-Planung doch nicht fortwährend vehement vertreten wurden. Der NRW-Innenminister gibt trotzdem vor allem dem Veranstalter die Schuld.

Duisburg - Es war noch eine gute Woche bis zur Love Parade, als sich im prächtigen Duisburger Ratssaal die Chefplaner der Megaparty versammelten: Bahn, Bundespolizei, Polizei, Ordnungsamt, Bauamt und die Lopavent GmbH entsandten ihre Vertreter. Doch was inzwischen kaum vorstellbar erscheint, nach all den gegenseitigen Schuldzuweisungen und Vorwürfen, zeigt das interne Protokoll der Besprechung, das SPIEGEL ONLINE vorliegt: Demnach war es eine traute, einmütige Runde.

Das Treffen vom 15. Juli 2010 diente dem Zweck, "bestehende Fragen und Probleme" zu klären, so heißt es in dem Papier. Während der Vertreter des Bauamtes neun Tage vor der Love Parade aber "noch keine Aussage zum Genehmigungsverfahren machen" konnte, befassten sich die Repräsentanten der Lopavent GmbH, der Duisburger Marketing Gesellschaft und der Stadtpressestelle in ihren Vorträgen vor allem mit Öffentlichkeitsarbeit und Werbung.

Der Beigeordnete und Ordnungsamtsleiter Wolfgang Rabe fragte laut Protokoll nach jedem Referat, "ob es Fragen, Anregungen oder Kritik" gäbe. "Hier gab es keine Wortmeldung", heißt es in dem Dokument. Auch den Zuhörern wurde demnach die Gelegenheit zu Fragen gegeben. Rabe bat "darum, dass sich geäußert wird, falls man noch Bedenken oder Ergänzungen habe, da hier die Experten für Großereignisse und Sicherheit zusammensitzen. Es gab keine Meldungen."

Es folgt eine Passage, die auf möglichen Druck im Rathaus schließen lässt: Sicherheitschef Rabe weist darauf hin, "dass auch im Anschluss an das Gespräch noch Bedenken bei ihm", seiner Stellvertreterin oder seinen Mitarbeitern vorgebracht werden können, "falls man sich nicht in großer Runde äußern wolle".

Innenminister will Bericht vorlegen

Die Landesregierung macht laut "Süddeutscher Zeitung" (SZ) dennoch vor allem den Veranstalter für die Katastrophe verantwortlich. Demnach führten verschiedene Fehleinschätzungen am Samstag zur Massenpanik mit inzwischen 21 Toten. Innenminister Ralf Jäger (SPD) will am Mittwochnachmittag seine Einschätzung auf einer Pressekonferenz erläutern.

Dem Bericht zufolge soll sich der Veranstalter mehrfach über Bedenken der Behörden hinweggesetzt haben. Die Sicherheitskräfte seien zu der Einschätzung gekommen, dass die Lopavent GmbH um den Fitnessunternehmer Rainer Schaller in ihrem Konzept von völlig falschen Berechnungen ausgegangen sei, wie sich die Besucherströme auf dem Festivalgelände verteilen würden. Einziger Zugang zum Gelände war eine Rampe, zu der die Besucher aus zwei nur 16 Meter breiten Tunneln strömten.

Die vorläufige Ursachenanalyse der Behörden kommt laut "SZ" zu dem Schluss, dass sich die Besucher nach Betreten des Festivalgeländes nicht, wie vom Veranstalter erwartet, schnell von der Rampe entfernt und auf dem Areal des ehemaligen Güterbahnhofes verteilt haben. Vielmehr sei es im Eingangsbereich zu einem Stau gekommen, der den Druck auf die nachströmenden Gäste weitergegeben habe.

"Wir haben da unsere Erfahrungen"

Die Polizei habe den Veranstalter zuvor auf diese Problematik hingewiesen, hieß es laut "SZ" in Polizeikreisen. Immer wieder sei dem Veranstalter die Gefahr klargemacht worden. Dieser habe aber lediglich geantwortet, es werde alles reibungslos ablaufen: "Wir haben da unsere Erfahrungen."

Der Veranstalter ging nach Informationen der Zeitung davon aus, dass die verschiedenen Lastwagen mit Tänzern und DJs auf der Ladefläche die Besucher auf das Gelände locken und verteilen würden. Die Behörden kritisieren dem Bericht zufolge jedoch, dass die Wagen viel zu nah an der Rampe vorbeigefahren und dort zudem Würstchenstände aufgebaut worden seien, an denen Menschen stehenblieben.

Ordner, die den Stau hätten beseitigen können, sollen nicht in ausreichender Zahl vorhanden gewesen sein. Der Veranstalter habe viel weniger eigene Ordnungskräfte eingesetzt als angekündigt, hieß es. Innenminister Jäger habe dem Landeskabinett in Düsseldorf berichtet, der Veranstalter habe in seinem Sicherheitskonzept 150 Ordner für den Bereich der Rampe und der Zugangstunnel versprochen.

"Offizieller Stempel"

Der Organisator der Love Parade, Rainer Schaller, wies hingegen Vorwürfe zurück, die Sicherheit bei dem Event in Duisburg vernachlässigt zu haben. Die Genehmigung sei erteilt worden, sagte Schaller der "Bild"-Zeitung. "Ohne diesen offiziellen Stempel hätten wir die Love Parade niemals stattfinden lassen", so der Geschäftsführer der Lopavent GmbH.

Er habe auch niemanden unter Druck gesetzt, fügte Schaller hinzu. Ihm sei auch nicht bekannt, dass jemand von seinen Mitarbeitern dies getan habe. Es sei klar, dass es bei solchen Konzepten immer Bedenken gebe. Deshalb treffe man sich ja gemeinsam und spreche darüber. "Fakt ist auch: Diese Bedenken wurden gelöst - sonst hätte keiner der Beteiligten zugestimmt. Auch die Polizei darf sich da nicht ausschließen", sagte er.

Er wisse, "dass wir als Veranstalter eine große Verantwortung haben", so Schaller. Es werde "lückenlos aufgedeckt, ob wir irgendwo Schuld haben oder andere". Bei den Untersuchungen sei man am Anfang. "Alle Auflagen, die wir bisher geprüft haben, haben wir zu 100 Prozent erfüllt", sagte Schaller.

Zu den erwarteten Besucherzahlen von bis 1,4 Millionen sagte Schaller, solche Zahlen vorab seien Schätzungen. Auf so einer langen Veranstaltung "kommen und gehen Menschen". Fakt sei, dass bis 14 Uhr nur 105.000 Menschen mit der Bahn gekommen seien. Und Luftbilder bewiesen, dass der Platz zum Zeitpunkt der Tragödie nur zu 75 Prozent gefüllt gewesen sei. Auf die Frage, ob die hohen Zahlen also nur PR und nicht die echte Teilnehmerzahl gewesen sei, sagte Schaller: "Das kann ich nicht verneinen."

jdl/apn/AFP

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Liebe Forums-Teilnehmer, bitte diskutieren Sie die Katastrophe in Duisburg an sofort in unserem neuen Heft-Forum 'Love Parade - welche Lehren müssen aus Duisburg gezogen werden?', das Sie unter der URL [...] mehr...

01.08.2010 von gsm900: Typisch FDP

Den Schaden dem Steuerzahler an die Backe zu binden. (Baums Vorschlag) Unternehmer sind da fein raus GmbH (mt Haftunsbeschränkung gründen) falls es Problem gibt ab zum Konkursgericht. mehr...

01.08.2010 von namachschon: Oh nein, bitte nicht...

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01.08.2010 von gerry43mg: Volle Zustimmung

Frau Kraft wird in den nächsten 5 Jahren zeigen müssen, was sie wirklich drauf hat und ob ihren Worten dann auch Taten folgen. Was mich allerdings beeindruckt hat war nich das, WAS sie gesagt hat sondern die Art und Weise , WIE [...] mehr...

01.08.2010 von lady.thorn:

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Die Love Parade findet seit 1989 statt, zunächst über viele Jahre in Berlin. 2007 zog die Veranstaltung dann ins Ruhrgebiet um, mit der Premiere in Essen. Vor zwei Jahren gastierte sie in Dortmund. 2009 sagte Bochum die Techno-Party ab, weil die Stadt keine Chance sah, den Besucherandrang zu bewältigen und einen geeigneten Veranstaltungsort zu finden. 2010 endete die Love Parade in einer Tragödie: 21 Menschen starben, mehr als 500 wurden verletzt.

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